Musik

Klischee-Song wird trotzdem ein Hit Meghan Trainor feiert historisches Frauenbild

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Meghan Trainor wurde gerade noch als Rollenvorbild gefeiert, da veröffentlich sie mit "Dear Future Husband" eine Odé an lasziv putzende Golddigger.

(Foto: Vevo)

Eine perfekte Hausfrau lässt potenzielle Finanzierer vorsprechen. Doch alle Männer fallen in Megan Trainors unvermeidlichem Sommerhit "Dear Future Husband" durch. Stellt sich noch die Frage: Wie sexy kann man einen Boden wischen?

2015 ist das Jahr, in dem es nicht erst Sommer werden muss, damit sich herauskristallisiert, welcher Hit noch über die Jahreswende hinaus die Gehörkanäle quälen wird. Meghan Trainor hat in der vergangenen Woche ihre Single "Dear Future Husband" veröffentlicht. Der Song ist ohrwurmverdächtig, aber ein Schlag in die Magengrube der emanzipierten Frau.

Dabei wurde Trainor vor nicht allzu langer Zeit noch als moderne Feministin gepriesen. Dank ihrem Song "All About That Bass", mit dem sie kurvige Körper feierte, galt sie als Vorbild. Jetzt sieht sich die 21-Jährige mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert.

Küsse gegen Komplimente

"Dear Future Husband" (Lieber zukünftiger Ehemann) ist bereits ein selten dämlicher Songtitel. Dass er inhaltlich hält, was er verspricht, muss überraschen. Vor süßigkeitenfarbener Puppenhauskulisse im 50er-Jahre-Stil trällert Trainor mit ihrer Baby-Roboter-Stimme ihre Zeilen, als hätte sich "Mad Mens" Betty Draper im Popgeschäft ausgetobt.

An Gender-Stereotypen wird nicht gespart. Die Sache ist aber so, liebe Meghan Trainor: "Perfekte" Ehefrauen erkennt man nicht daran, dass sie Lebensmittel einkaufen. Und "Ladies" brauchen keinen Mann, der ihnen jeden Abend sagt, dass sie super sind - sie wissen das. Moderne Frauen wollen nur ernst gemeinte Entschuldigungen und schätzen Männer mit eigener Meinung. Sie verteilen Küsse nicht als Gegenleistung, verteufeln keine schmutzigen Gedanken und wissen, dass sich ein stilvoller Mann nicht an der Klunker-Größe erkennen lässt.

Frauen in die Küche

Das muss doch ein Kind geschrieben haben! So simpel ist das Vokabular, das Trainor bei "Dear Future Husband" verwendet. Nicht einmal, dass sie in dem Video einen blauen Latexrock, ein Leopardenoberteil und eine rote Kurzjacke auf einmal trägt, täuscht darüber hinweg, dass sich die blonde Sängerin beim Boden-Schrubben vielleicht etwas verführerisch durch den Allzweckreiniger reibt und räkelt. Bei Trainor bleibt der weibliche Erfahrungsraum eben die Küche.

Dabei hatte Trainor sich das alles vielleicht ganz anders gedacht. Möglicherweise hatte sie angenommen, dass sie mit ihrem Video eigentlich die Idee der perfekten Hausfrau veralbern und durch völlige Überdehnung eines historischen Rollenbildes ein Zeichen gegen rückwärtsgewandte Mann-Frau-Konstellationen setzen würde. Zur Hymne der modernen Frauenbewegung wird "Dear Future Husband" trotzdem nicht. Vielleicht ist dem Song ja eine Karriere auf dem Soundtrack von "Germanys Next Topmodel" vergönnt. Bleibt zu hoffen, dass die jungen Frauen nicht ganz so genau hinhören.

Quelle: ntv.de

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