Kino

Probier's mal mit Karacho "Das Dschungelbuch" 2016 fetzt

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Welcome to the Jungle: So sieht es im Dschungel 2016 aus.

(Foto: Disney)

Ja, der Zeichentrickfilm ist Kult. Ja, er ist toll. Und ja, ein Remake kann meist kaum an das Original heranreichen. Umso besser, wenn es das gar nicht erst versucht - wie beim "Dschungelbuch", das nun im Kino noch einmal komplett neu aufgelegt wird.

In knapp 50 Jahren 27 Millionen Kinozuschauer, erfolgreichster Disney-Film aller Zeiten in Deutschland, Nostalgie-Ikone für ganze Generationen - wer den Vergleich mit dem Zeichentrickfilm-Klassiker "Das Dschungelbuch" sucht, kann eigentlich nur verlieren. Trotzdem hat sich Disney nun daran gewagt, der Geschichte von Mogli und den wilden Tieren neues Leben einzuhauchen. Der Geschichte, die Rudyard Kipling mit umstrittenen kolonialistischen Untertönen bereits im 19. Jahrhundert ersonnen hatte. Und just der Geschichte, die die letzte sein sollte, an deren filmischer Umsetzung der legendäre Firmengründer noch persönlich beteiligt war. Ende 1966 - ein Jahr, bevor das Original-"Dschungelbuch" ins Kino kam - starb Walt Disney.

Dabei ist dies nicht das erste und bei Weitem auch nicht das letzte Remake, das seine Erben einer der Zeichentrick-Perlen aus ihrer Schmiede verpassen. "Maleficent" mit Angelina Jolie hat es bereits vorgemacht und "Dornröschen" von 1959 aufgemöbelt. Und in den nächsten Jahren sind noch mehr als ein Dutzend weitere Neuauflagen von jüngeren Disney-Klassikern geplant. "Elliot, das Schmunzelmonster" etwa soll bereits im August seine generalüberholte Wiederauferstehung feiern, im März 2017 folgt "Die Schöne und das Biest".

"Iron Man" lässt grüßen

Vermutlich werden dann jedes Mal die Fans der Originalfilme laut aufheulen, ob der Blasphemie, die da angeblich begangen wird. Den Reflex, das liebgewonnene Relikt aus der Kindheit, der guten, alten Zeit oder einfach nur den Erinnerungen erst einmal für unantastbar zu erachten, kennt wahrscheinlich jeder von sich selbst zur Genüge. Doch davon sollte man sich vor einem Besuch des "Dschungelbuchs" 2016 vollends freimachen. Den Flausch-Faktor der Zeichentrick-Vorlage sucht man hier vergebens. Und das, obwohl auch im Remake der Li-La-Laune-Bär Balu selbstredend eine tragende Rolle spielt und als eine Art Reminiszenz an das Original zusammen mit Mogli auch "Probier's mal mit Gemütlichkeit" trällert. Zum Film passender wäre es jedoch, sie würden "Probier's mal mit Karacho" intonieren.

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Vielleicht hat man sich deshalb schon beim Namen dazu entschieden, eine klare Trennlinie zu ziehen. So kommt der Streifen auch in Deutschland nicht etwa als "Das Dschungelbuch" in die Kinos, sondern unter dem englischen Titel "The Jungle Book". Für Kleinkinder ist der rasante, düstere und mitunter auch nicht zimperlich zur Sache gehende Film kaum geeignet. Jon Favreau hat ihm als Regisseur deutlich seinen Stempel aufgedrückt - schließlich realisierte der Actionspezialist in der Vergangenheit zum Beispiel unter anderem die ersten beiden "Iron Man"-Filme.

Vergleiche mit "Avatar"

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Aber klar doch, Balu ist auch dabei!

(Foto: Disney)

Vor allem jedoch besticht "The Jungle Book" durch seine Bilder, die imposant belegen, welche Wunderwerke an Technik heutzutage möglich sind. Von Mogli-Darsteller Neel Sethi und Ritesh Rajan in der Mini-Nebenrolle des Findelkind-Vaters einmal abgesehen, entstanden sämtliche Charaktere am Computer - vom tapsigen Balu über den weisen Panther Baghira bis hin zum hundsgemeinen Tiger Shir Khan, dem durchgeknallten Affenkönig Louie, der hypnotischen Schlange Kaa und dem gutherzigen Wolfsrudel, von dem Mogli aufgezogen wird. Den Programmierern gelangen dabei Animationen, wie man sie in dieser Realitätsnähe und Detailtreue bis aufs letzte Haar im Fell noch nicht gesehen hat. Von den atemberaubenden Dschungel-Landschaften, die sie auf die Leinwand zaubern, mal ganz zu schweigen. Die 3D-Effekte sind schließlich das Tüpfelchen, um den Ausnahmestatus des Films zu untermauern, dem manche schon eine ähnlich revolutionäre Bedeutung attestieren wie vor ein paar Jahren "Avatar".

Andere werden genau das an dem Streifen bemängeln, dem in der englischen Version Hollywood-Größen wie Bill Murray, Ben Kingsley, Scarlett Johansson, Idris Elba oder Lupita Nyong'o und in der deutschen Fassung Stars wie Armin Rohde, Ben Becker, Heike Makatsch, Joachim Król oder Jessica Schwarz ihre Synchronstimmen leihen. Sie werden den Film als zu brachial, finster und brutal verteufeln. Nur ist das eben genau so, als würde man die zweifelsohne selige Zeit, in der Super Mario in zweidimensionalen Welten von links nach rechts hüpfte, gegenüber dem heutigen Spielekosmos verklärt verherrlichen. 2016 ist eben nicht 1967. Und in gewisser Weise ist das auch gut so.

Ach ja, eine Handlung gibt es natürlich auch: Der Waisenjunge Mogli wächst im Dschungel auf, wo er Freunden wie den Wölfen, Baghira und Balu begegnet, aber auch Feinden wie Kaa, Louie und Shir Khan, die ihm nach dem Leben trachten oder mindestens ein paar Gefälligkeiten von ihm wollen. Die Geschichte ist also natürlich im Wesentlichen die des "Dschungelbuchs" - und doch irgendwie eine ganz andere. Das Entscheidende jedoch ist: Sie ist absolut sehenswert!

"The Jungle Book" startet am 14. April in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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