Kino

Indiens sieben zornige Göttinnen "Du bist die Tussi, nicht der Held!"

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Im Film "7 Göttinnen" treffen sich Freundinnen zum Feiern. Schnell aber gewinnen andere Themen an Bedeutung.

(Foto: © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane)

Sie werden angegafft, angemacht und regelrecht bepöbelt. Darauf hat eine Gruppe indischer Frauen keine Lust mehr. Im Film "7 Göttinnen" wird erst einmal viel gekichert. Doch dann gibt es plötzlich gar nichts mehr zu lachen.

Beim Gedanken an Indien drängen sich einem ja viele Vorurteile auf. Ohne der Handlung von "7 Göttinnen" vorgreifen zu wollen: Der Film bestätigt sie alle. Was als Frauenfilm in Bollywood-Optik beginnt, ist erst leise, wird dann immer lauter - und schließlich unbedingt relevant.

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Es sind nicht immer alle so glücklich, wie sie tun.

(Foto: © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane)

Vor der Kulisse des stadtgewordenen Freiheitssymbols Goa kichern erwachsene Frauen noch einmal wie damals, als sie noch ein bisschen jünger waren und das Leben ihnen ihre Grenzen noch nicht aufgezeigt hatte. Es dauert eine Weile, bis sie die Masken des Glücks ablegen. Ganz so perfekt, wie sich das Leben der einen für die anderen anfühlen mag, ist es nämlich natürlich nicht. "Du bist die Tussi, nicht der Held", muss sich die junge Schauspielerin Jo (Amrit Maghera) gleich zu Beginn anhören, als sie ihren Film-Feind entgegen der Anweisung immer wieder in die Kulisse tritt. Ihren Freundinnen geht es kaum anders.

Beglotzt, bedrängt, beschimpft

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Freida will heiraten, kann aber noch nicht verraten wen. Suranjana (Sandhya Mridul) führt erfolgreich ein Unternehmen, vergisst dabei manchmal ihre Tochter Maya (Nia Dhime) und vor allem sich selbst. Pamela (Pavleen Gujral) ist dem Willen der Eltern gefolgt, hat einen reichen Mann geheiratet und nun nicht die erhoffte Karriere, dafür Langeweile und eine fiese Stiefmutter. Madhureeta (Anushka Manchanda) arbeitet wie gewünscht als Sängerin, nur interessiert sich niemand für ihr Gesinge. Und Friedas Hausangestellte Laxmi (Rajshri Deshpande) muss eine traumatische Vergangenheit schultern.

Noch vor den Opening-Credits stellt Regisseur Pan Nalin klar, dass Alltagssexismus für seine Protagonistinnen - stellvertretend für Indiens Frauen - dominierendes Motiv ihrer Lebensrealität ist. Im Fitnessstudio werden sie angeglotzt, auf der Straße bedrängt, auf der Bühne beschimpft, im Beruf nicht ernst genommen. Das macht sie wütend – und deswegen passt der Originaltitel auch eigentlich so viel besser zum Film: "Angry Indian Goddesses " (Zornige indische Göttinnen).

Zu viele Probleme und ein falsches Fazit

"7 Göttinnen" hat gute Absichten. Es ist ein indischer Film mit ausschließlich weiblichen Hauptrollen, der sich bemüht, anhand möglichst realistischer und vielseitiger Beispiele die Missstände der indischen Gesellschaft aufzuzeigen. Es geht ums Verheiratetwerden, um korrupte Polizisten und Justiz und um sexuelle Gewalt. Für Bollywood mag das alles neu sein, für einen rundum gelungenen Film reicht es nicht.

"7 Göttinnen" beginnt mit eiligen Sequenzen und wilden Geschichten als humorvoll kritisches Stimmungsstück. Die Leichtigkeit des Films jedoch wird mit dessen Fortschreiten zunehmend erdrückt von der Last zu vieler verschiedener Probleme. Nalin kann sie nicht alle abhandeln, geschweige denn ihnen gerecht werden. Die individuellen Geschichten der Figuren sowie das Spiel der Darstellerinnen werden gebremst, weil immer noch etwas erzählt werden will. Und schließlich verpuffen die guten Absichten des Regisseurs in einer Rechtfertigung von Selbstjustiz. Das ist bedauerlich, macht den Film tatsächlich aber nicht weniger sehenswert.

"7 Göttinnen" läuft ab dem 16. Juni in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de