Kino

Ende gut, gar nichts gut "Into the Woods" mixt Märchen-Cocktail

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Ana Kendricks Cinderella wird vom Prinzen gefunden - glücklich macht sie das nicht.

(Foto: © 2013 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved..)

Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünscht. In den Baumschluchten des Waldes finden bei "Into the Woods" verschiedene Märchenfiguren ihr Happy End - dann beginnt die zweite Hälfte des Films.

Ein Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt) wünschen sich nichts sehnlicher als ein Kind, doch es will einfach nicht klappen. Mit Schicksal hat das wenig zu tun. Der Bäckervater war bei der örtlichen Hexe (Meryl Streep) einst in Ungnade gefallen und wie zornige Hexen das eben so machen, belegte die Dame gleich die gesamte Bäckerfamilie mit einem Fluch. Jahre später ist die Hexe nun doch gewillt, ihren bösen Zauber aufzuheben - nicht allerdings ohne eine Gegenleistung.

Das kinderlose Paar muss ihr vier Dinge besorgen, alle gehören einer anderen Grimmschen Märchenfigur: Rotkäppchens Mantel, Cinderellas Schuh, die Kuh des Zauberbohnen-Jungen und Rapunzels Haare werden benötigt. Im Märchenwald verweben sich die Handlungsstränge der einzelnen Protagonisten miteinander.

Emily Blunt mit starker Stimme

"Into the Woods" ist ein märchenkritisches Märchen-Musical. Für Kinder ist es nicht geeignet. Es ist morbid, teils zynisch und der böse Wolf mit pädophilen Neigungen ist sicher auch nichts für die lieben Kleinen. Der Cast ist nahezu durchweg hervorragend. Meryl Streep ist erwartungsgemäß großartig - besonders in den verletzlichsten Momenten ihrer Rolle als Mutterlöwin. Nach "Mama Mia" war gesanglich nicht viel zu befürchten.

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Meryl Streep ist die böse Hexe mit nicht so furchtbar bösen Intentionen.

(Foto: ©2013 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved..)

Ana Kendrick durfte bislang zwar noch nicht allzu oft eine Hauptrolle spielen, liefert als Cinderella aber sicherlich auch aufgrund ihrer Broadway-Erfahrung stimmlich ab. Die tatsächliche Überraschung ist Emily Blunt. Sie beweist nicht nur Gesangs-, sondern vor allem auch humoristisches Talent.

Chris Pine überrascht als Cinderellas Prinz mit der vielleicht lustigsten Szene des Films. Gemeinsam mit Rapunzels Angebetetem (Billy Magnussen) besingt er in Lederkluft vor Wasserfall in "Agony" völlig überzogen die Sehnsucht nach der Liebe - und seine eigene Großartigkeit. Christine Baranski ist als Cinderellas böse Stiefmutter die Glucke mit Kardashian-Attitüde.

Pädophiler Wolf verstört

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Cinderellas Prinz (Chris Pine) hat einen Hang zum Dramatischen.

(Foto: © 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved..)

Johnny Depp gibt als Wolf mit Zylinder einen kurzen Gastauftritt, der amüsiert, leider aber nur seine besten Kostümrollen der vergangenen Jahre zusammenzufassen scheint. Fast wirkt es, als sei der Hollywoodstar bloß als Schlagzeilengarant gebucht worden. Als jedenfalls fragwürdig darf in dem Zusammenhang vielleicht auch die Besetzung des Rotkäppchens (Lilla Crawford) mit einer 13-Jährigen gesehen werden. Während der Wolf ihr fragwürdige Avancen macht, ist sie "ängstlich", aber auch "aufgeregt" - ganz schön viel sexueller Subtext für ihr Alter.

Die erste Hälfte von "Into the Woods" begleitet die vielen Charaktere auf dem Weg zu ihrem Happy End. Doch die zweite Hälfte guckt hinter das obligatorische "Ende gut, alles gut". Das Bäckerpaar stellt fest, dass der Zweck vielleicht doch nicht immer die Mittel heiligt. Und Aschenputtel muss sich fragen, ob ihr ein Prinz tatsächlich den Weg zur Glückseligkeit ebnen wird. Erfüllte Wünsche machen eben nicht immer auch zufrieden.

Kritische Parodie oder berührendes Drama?

"Into the Woods" ist hervorragend gemacht. Stephen Sondheims Songs stehen für sich. Der Film ist bildgewaltig, mit animierten Elementen wird sparsam und auf den Punkt verfahren. Die Stimmen der Schauspieler sind großartig, so auch ihre Kostüme, wobei diese abgesehen von Rotkäppchens Cape vielleicht ein wenig düster geraten sind. Da ist mit Designerin Colleen Atwood wohl ein kleiner "Sweeney Todd" durchgegangen. Regisseur Rob Marshall hat schon mit "Chicago" bewiesen, dass er ein Musical zum Film machen kann.

Leider ist die Qualität des Films nicht konstant, was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass die Sprünge zwischen existenzieller Bedrohung der Charaktere und absurdestem Witz der Filmemacher nicht nachvollziehbar bleiben. "Into the Woods" erzählt eine Geschichte in gestückelten Happen, die sich nicht zu einem Ganzen fügen wollen. Soll "Into the Woods" eine kritische Parodie sein oder doch ein berührendes Drama? Der Film ist chaotisch. Es gibt zu viele Charaktere mit zu vielen Problemen, um ihre individuellen Geschichten zufriedenstellend auszuerzählen. Wenn es eine Erzählerstimme braucht, um von Szene zu Szene zu leiten, ist das selten ein gutes Zeichen.

Quelle: ntv.de