Kino

Steven Spielbergs "Bridge of Spies" Über diese Brücke musst du gehen

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Die Glienicker Brücke - die "Brücke der Spione".

(Foto: Twentieth Century Fox)

Kultregisseur Steven Spielberg nimmt wieder mal eine Auszeit von Aliens, Dinos und Indiana Jones. Mit "Bridge of Spies" bringt er ein Agentendrama auf die Leinwand, das teils auf wahren Begebenheiten beruht. Wo? In Deutschland.

Immer wieder zieht es Steven Spielberg, den Sohn jüdischer Eltern und Mitbegründer der Shoah Foundation, inzwischen nach Deutschland. Mit "Schindlers Liste" arbeitete er 1993 den Holocaust auf, mit "München" thematisierte er 2005 das Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft in der bayerischen Landeshauptstadt.

Und immer wieder zieht es Spielberg zu Tom Hanks. Vor der Kamera begab sich der Schauspieler in "Der Soldat James Ryan" 1998 in die Dienste des Kultregisseurs. Hinter den Kulissen arbeiteten beide indes bei den Serien "Band of Brothers" und "The Pacific" Hand in Hand, die jeweils die Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs an unterschiedlichen Fronten thematisieren.

Mit "Bridge of Spies" kommen nun alle drei zusammen - Spielberg, Hanks und Deutschland. Denn zumindest Höhepunkt und Finale des Films spielen in der Zeit von Kaltem Krieg und Mauerbau im geteilten Berlin. Und auf der Glienicker Brücke, die während der deutschen Teilung nicht nur eine Grenze zwischen West-Berlin und Potsdam auf DDR-Gebiet bildete, sondern auch eine Verbindung. Bis 1986 tauschten West und Ost hier insgesamt dreimal Gefangene aus.

Geschick und Überzeugungskraft

James Donovan (Hanks) ist eigentlich Anwalt für Versicherungsfragen. Doch gerade das scheint ihn bestens dafür zu prädestinieren, den 1957 vom FBI hopsgenommenen Sowjet-Agenten Rudolf Abel (Mark Rylance) vor Gericht zu verteidigen. In den von der McCarthy-Ärä geprägten 50er-Jahren hat in den USA schließlich niemand ein größeres Interesse daran, einen Spion der UdSSR glimpflich davonkommen zu lassen. Doch Donovan wirft sich wider Erwarten mächtig für seinen Mandanten ins Zeug - und bewahrt ihn somit vor dem elektrischen Stuhl. Stattdessen wird der 54-jährige Abel zu insgesamt 45 Jahren Haft verurteilt.

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Nicht ihre erste Kooperation: Hanks und Spielberg bei den Dreharbeiten.

(Foto: Twentieth Century Fox)

Als 1960 ein US-amerikanisches Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen wird und der Pilot Francis Gary Powers in Gefangenschaft gerät, kommt jedoch erneut Bewegung in die Sache. Die CIA erwägt, der Gegenseite einen Austausch Abels gegen Powers vorzuschlagen. Die Verhandlungen soll Donovan führen - schließlich hatte er ja im Prozess gegen den feindlichen Spion bereits Geschick und Überzeugungskraft bewiesen. So verschlägt es den Anwalt dann auch schon wenig später nach Berlin. Im Geflecht zwischen den Interessen seiner eigenen Regierung, der Sowjetunion und der DDR macht er sich zu einer heiklen Mission in den Ostteil der Stadt auf. Und dann hat er da auch noch ein persönliches Anliegen, das alle Bemühungen zunichte zu machen droht …

Humor der Marke Coen

Wie auch schon "München" reicht "Bridge of Spies" von seiner Klasse nicht an ein Ausnahmewerk wie "Schindlers Liste" heran. Streckenweise ist der fast zweieinhalb Stunden dauernde Film etwas zu langatmig geraten. Dafür bietet der Streifen auch Platz für Humor. Kein Wunder: Die beiden Coen-Brüder Ethan und Joel haben am Drehbuch kräftig mitgewirkt - und "Bridge of Spies" ihren oscar-bewährten Stempel der Marke "Fargo", "The Big Lebowski" oder "No Country for Old Men" aufgedrückt.

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An der Mauer: Hanks kämpft sich durch das verschneite Berlin.

(Foto: Twentieth Century Fox)

Hanks überzeugt in seiner Rolle als Donovan so, wie Hanks halt immer überzeugt. Vermutlich könnte er auch zweieinhalb Stunden lang einen Tisch mit Stuhlproblemen spielen, ohne dass der Zuschauer ins Grübeln käme. Noch eindringlicher kommt allerdings die Performance des britischen Theater-Stars Rylance über die Leinwand. Wie er insbesondere den skurrilen Momenten aus der Feder der Coens Leben einhaucht, ist fantastisch.

Frieren auf der Glienicker Brücke

Spielberg wäre nicht Spielberg, wäre "Bridge of Spies" nicht auch bei Ausstattung und Optik bis ins kleinste Detail stimmig und durchdacht. Nicht zuletzt deshalb holte er das Studio Babelsberg mit ins Produktionsteam. So fühlt man sich wirklich ins verschneite Berlin der beginnenden 1960er-Jahre zurückversetzt, wenn Hanks sich durch die winterlich-triste Kulisse kämpft. Das fängt im Großen bei Szenen an der Mauer an - die tatsächlich jedoch in Polen gedreht wurden - und hört im Kleinen bei Straßen- oder Hinweisschildern auf, auf denen eben nicht irgendein Fantasie-Kauderwelsch steht, sondern korrektes Deutsch im zeittypischen Jargon. Für die Szenen, die auf der Glienicker Brücke spielen, begab man sich dementsprechend auch an den Originalschauplatz - trotz eisiger Temperaturen während der Dreharbeiten, wie sich Hanks bei der Vorstellung des Films vor knapp zwei Wochen in Berlin mit Grausen zurückerinnerte.

Auch die Handlung lehnt sich an wahre Begebenheiten an, denn Donovan, Abel und den Poker um seinen Austausch gab es wirklich. Ob es dabei immer so menschlich und streckenweise herzzerreißend zuging wie im Film, sei einmal dahin gestellt. Was das spätere Schicksal Abels angeht, schwindelt Spielberg im Sinne der Dramaturgie schon mal ein wenig. Aber darauf kommt es auch nicht wirklich an. Sondern darauf, dass Spielberg nach wie vor auch ohne Aliens, Dinos und Indiana Jones nicht ein, sondern der Großmeister des Unterhaltungskinos ist. Und wenn eine Geschichtsstunde so unterhaltsam daherkommt, nimmt man ein paar historische Ungenauigkeiten schon auch mal gerne in Kauf.

"Bridge of Spies" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

Quelle: ntv.de