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"Promis unter Palmen" Homophobie für die Quote

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Die "Speerspitze der deutschen Showbranche" vereint unter Palmen (Sat1)

Vor einem Jahr sorgte "Promis unter Palmen" durch das Mobbing von Schampus-Königin Claudia Obert für Diskussionen. Nun, ein Jahr später, waren nicht nur die Reality-TV-Fans gespannt, ob sich der Sender die Kritik zu Herzen genommen hat. Wir können das Ganze hier abkürzen: nein!

Zwölf Leute, die einen semi-bekannt aus einschlägigen "Bums-Formaten", die anderen, weil sie nichts anderes machen, als von TV-Format zu TV-Format zu hopsen, ziehen erneut in eine schöne Villa im fernen Phuket, um dort für Konfro und im besten Falle für Unterhaltung zu sorgen. Was dem Zuschauer - und im Grunde hat man es bereits geahnt, jedoch von Sat.1 bei "Promis unter Palmen" geboten wird, ist, wie Falco es einst nannte "Promotion brutal" und hat mit Unterhaltung nicht das Geringste zu tun. Angepriesen werden die Fernseh-Hopser als "Speerspitze der deutschen Showbranche".

Nacheinander trudeln die werten Herrschaften ein: Giulia Siegel, Puff-Prinz Marcus von Anhalt und Patricia Blanco, die - wie sie selbst sagt - alles getan hat, "um negativ aufzufallen". Keine einzige der Frauen, die wir in den kommenden Stunden zu Gesicht bekommen, hat noch ihre echten Brüste. Und wenn die Brustwarzen abfaulen, geht man auch damit an die Presse.

Mit von der Partie sind auch ein 24-jähriger Tölpel namens Henrik Stoltenberg, der sich gefühlt den ganzen Tag den Suff hinter die Binde kippt und wie Narziss sein eigenes Spiegelbild feiert, ein sogenannter Calvin Kleinen, der sich pausenlos in den Schritt fasst und ungefähr so viel Grips hat wie eine Stehlampe sowie die alt bekannten TV-Visagen Elena Miras, Melanie Müller und Willi Herren. Die widerlichsten verbalen Ergüsse lassen nicht lange auf sich warten, der Proll-Prinz bezeichnet Blanco gleich zu Beginn als "fette Sau" und palavert unerträglich stupide, er habe schon "alle gef**** auf der Welt."

"Alle Menschen sind gleich"

Man bechert viel und sagt wenig Inhaltsvolles. Doch das ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass die Sender einfach überhaupt nichts dazulernen. Dass die Verantwortlichen meinen, den Zuschauern einfach weiter den letzten Dreck hinzurotzen und das als Unterhaltung verkaufen zu können. Im Vollsuff haut dieser Puff-Prinz eine homophobe Grütze nach der anderen raus. Es tut nicht not, hier wiederzugeben, was genau er zu Katy Bähm gesagt hat.

Fakt ist: Dieses Format ist nicht live, dieses Format wurde vor Monaten abgedreht. Man hätte sich entscheiden können, einzuschreiten. Man hätte sagen können: So nicht! Wir dulden keine homophoben, menschenverachtenden Äußerungen. Man hätte auch entscheiden können, diese verletzenden Szenen nicht zu senden und den Typen achtkantig aus dem Format zu pfeffern. Das wäre ein deutliches Zeichen gewesen! Man hat aber nichts dergleichen getan. Was wir - die Zuschauer - hier sehen und hören, ist nichts anderes als Homophobie für die Quote.

Der Sender äußert sich via Twitter, man habe im Team lange darüber diskutiert, ob die Szenen ausgestrahlt werden, und möchte klarstellen, "dass wir die homophoben Aussagen von Prinz Marcus von Anhalt nicht teilen. Für uns gilt: Alle Menschen sind gleich." Das ist an Hohn und Heuchelei kaum zu toppen! Schlimmer noch: Man redet sich quasi damit raus, ja nur erreichen zu wollen, dass wir über Abneigung gegen Homosexuelle reden, die es in unserer Gesellschaft leider nach wie vor zuhauf gibt. Die Kiste im Nachhinein als Sensibilisierungs-Nummer verkaufen zu wollen, ist so lächerlich, wie es auch dreist ist.

Man muss auch bedenken, dass die Verantwortlichen sich erst am Tag der TV-Ausstrahlung von den homophoben Sprüchen distanzieren. Warum erst jetzt? Warum gibt man diesem blasierten Gockel überhaupt eine Plattform? Hey, yo "Digger", vielleicht kommen wir ja mit unserem verachtenden Dreck durch. Vollkommen okay, wenn zur besten Sendezeit ein menschenfeindlicher Prinz Dumm vor einem Millionen-Publikum "Umgebaute" diskriminiert. Wir zeigen das, weil wir sensibilisieren und eine Debatte anstoßen wollen. Schon klar.

Die geduldete Entgleisung jeglicher Moral

Das ist kein Trash-TV. Das ist keine Unterhaltung. Das ist die geduldete Entgleisung jeglicher Moral, der Abgesang auf alles, was gutes Trash-TV je ausmachte. Testosteron geschwängerte Gockel, arme, im Grunde bemitleidenswerte Frauen, wie Emmy Russ, die sich zutiefst blamieren, wenn sie gestehen, sich mit Typen wie Calvin Kleinen "was aufbauen zu wollen" - die jüngste Entwicklung des deutschen Trash-TV offenbart vor allem eines: die Ideen- und Mutlosigkeit unserer Fernsehmacher.

Nichts haut mehr hin. Wir sehen keine organische Entwicklung, fiebern nicht mit, entwickeln keine Sympathien. Alles ist nur hässlich und furchtbar drüber.

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Seit Jahren schreibe ich Kritiken über unsere illustren Unterhaltungs-Formate. Liebe verantwortlichen "Diggis" aller (!) Sender: Fangt endlich an, Eure Konzepte weiter zu entwickeln! Lasst Euch von Leuten beraten, die Ahnung haben! Es muss nicht alles immer schlimmer, lauter, ekelhafter und rauer werden. Der Zuschauer möchte nicht pausenlos mit Bauchschmerzen und steigendem Puls auf dem Sofa sitzen.

Wenn dieser Prinz auch nur ein Fünkchen Anstand im Leib hätte, würde er seine Gage an einen Verein spenden, der sich für Homosexuelle engagiert. Keine Plattform für homophobe Nullnummern und ein Format, das für die Quote alles über Bord wirft, was gutes Trash-TV ausmacht!

Quelle: ntv.de

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