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Ende der "Tatort"-Sommerpause So spannend wird die neue Krimi-Saison

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Geht mal wieder ganz eigene filmische Wege: Ulrich Tukur als Kommissar Murot (l.).

(Foto: Bettina Müller/ HR)

Zwei Monate Krimis aus der Konserve sind mehr als genug: Am 18. August startet der "Tatort" mit neuen Folgen durch. Neben Altbewährtem und solider Krimikost warten auch in diesem Jahr ein paar ganz besondere Folgen auf die Fans - im Guten wie im Schlechten.

"Tatort"-Fans können aufatmen: Nächste Woche ist endlich Schluss mit der sommerpäuslichen Krimiflaute, ab dem 18. August wird im Fernsehen wieder gemordet. Zwar läuft bereits an diesem Wochenende ein frischer "Polizeiruf" aus Magdeburg, aber so richtig beginnt die Saison dann eben doch erst mit "Nemesis".

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Die Dresdner Ermittlerinnnen (Cornelia Gröschel, r. und Karin Hanczewski) eröffnen die Saison.

Die Erwartungen an den zweiten Fall des neu zusammengestellten Dresdner Ermittlungsteams sind hoch, schließlich wurde das Debüt von Kommissarin Winkler (Cornelia Gröschel) von vielen Kritikern und Fans gefeiert. Aber natürlich ist der Saisonauftakt nicht das Einzige, worauf sich "Tatort"-Fans in den kommenden Monaten freuen dürfen - oder auch nicht. Wir verraten, was es noch so zu entdecken gibt.

Til Schweiger und "Stirb langsam" in Kombination, das klang für den NDR anno 2016 noch nach einer richtig guten Idee. Mittlerweile wissen wir: Panzerfäuste und ein Killcount im zweistelligen Bereich sorgen weder für Qualität noch für gute Quoten. Also erfindet sich Schweigers Filmkommissar Nick Tschiller einfach mal komplett neu und muss sich Anfang 2020 auf der Hamburger Insel Neuwerk mit schwer erziehbaren Jugendlichen herumschlagen - ganz ohne Waffe. Das Ergebnis darf ruhig mit einiger Skepsis erwartet werden, Hoffnung macht aber immerhin die Verpflichtung von Eoin Moore, der sonst bei den meist großartigen Rostocker "Polizeirufen" Regie führt.

Schon wieder ein Impro-"Tatort"?

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Will leisere Töne anschlagen: Til Schweiger aka Nick Tschiller (l.) im Hamburger "Tatort". Skeptische Blicke sind dabei in jedem Fall angebracht.

Anders als in Hamburg hat man in Wiesbaden bisher ganz gute Erfahrungen mit filmischen Leichenbergen gemacht. Die Experimental-"Tatorte" mit dem wunderbaren Ulrich Tukur sind jedes Jahr aufs Neue ein Ereignis, "Angriff auf Wache 08" dürfte da diesen Herbst keine Ausnahme bilden: Tukur muss sich als Kommissar Murot mit einer Horde gruseliger Jugendlicher herumschlagen. Schon der Name verrät es: Die Episode dürfte eine Hommage an die rauen B-Movies der 60er und 70er werden, allen voran natürlich John Carpenters "Assault on Precinct 13".

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Wie ein who is who deutschsprachiger Charakterdarsteller: die neun Impro-Kommissare aus NRW.

Besonders gespannt dürfen die Zuschauer auch auf ein Experiment sein, das voraussichtlich im Januar 2020 aufgelöst wird: Ganz ohne Drehbuch wollen gleich neun Kommissare eine Mordserie an Polizeibeamten beenden. Schon wieder ein Impro-"Tatort"? Allein das Wort lässt eingefleischte Fans erschauern, schließlich waren die beiden Ludwigshafener Versuche aus den vergangenen Jahren von bemerkenswert unterirdischer Qualität. Anlauf Nummer drei wirkt dabei wie ein Lackmustest, ob das Format überhaupt funktionieren kann: Grimme-Preisträger Jan Georg Schütte führt Regie und die Liste der Darsteller liest sich wie ein who is who einiger der besten deutschsprachigen Charakterschauspieler der Gegenwart. Mit von der Partie sind neben Anna Schudt und Jörg Hartmann vom Dortmunder "Tatort" auch die Münsteranerin Friederike Kempter sowie Charly Hübner ("Polizeiruf" Rostock), Ben Becker, "Tatortreiniger" Bjarne Mädel, Nicholas Ofczarek ("Braunschlag") und einige mehr.

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Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) rollt zu ihrem 30. Dienstjubiläum einen fast ebenso alten Fall neu auf - wie damals an der Seite von Ben Becker.

In Ludwigshafen scheinen sie dagegen vorerst genug von fremdschamverdächtigen Improvisations-Experimenten zu haben und flüchten sich lieber in ein Früher, in dem in diesem Fall tatsächlich alles besser war. Ulrike Folkerts feiert ihr 30. Dienstjubiläum als Kommissarin Odenthal und rollt zur Feier der Stunde einen Fall neu auf, der fast so alt wie ihre Dienstmarke ist. "Tod im Häcksler" löste anno 1991 einen handfesten Skandal in der Pfalz aus, weil der Fall um lynchende Dorfbewohner nur ein paar Wochen nach den ausländerfeindlichen Übergriffen im sächsischen Hoyerswerda über die Mattscheiben lief. Ähnliches ist bei "Die Pfalz von oben" eher nicht zu befürchten, um die Qualität des Streifens darf man sich trotzdem sorgen. Vielversprechend: Wie vor 28 Jahren ermittelt auch diesmal Ben Becker in der Rolle eines Streifenpolizisten an Odenthals Seite.

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Verena Altenberger übernimmt den Münchner "Polizeiruf" von Matthias Brandt - und tritt damit in große Fußstapfen.

(Foto: BR)

Auf Anfang stehen die Zeichen in München - allerdings nicht bei den "Tatort"-Oldies Batic und Leitmayr, sondern im "Polizeiruf". Nach dem würdigen Abschied des allzeit melancholischen Kommissars von Meuffels (Mathias Brandt) übernimmt Verena Altenberger die Zügel. Eine spannende Besetzung mit Überraschungspotential, weil die Österreicherin Drama ("Die beste aller Welten") und Comedy (in der RTL-Serie "Magda macht das schon") gleichermaßen beherrscht. Ob sie als Kommissarin Eyckhoff die Fans der leiseren Töne so souverän abholen kann wie ihr Vorgänger wissen wir dann spätestens im September.

Quelle: n-tv.de

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