TV

Kieler Neid-"Tatort" Wer Nachbarn hat, braucht keine Feinde

29_Tatort_Borowski_und_das_Glueck_der_Anderen.jpg

Peggy Stresemann (Katrin Wichmann, r.) ist neidisch auf ihre Nachbarin (Sarah Hostettler).

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Geld alleine macht nicht glücklich. Bisweilen macht es sogar sehr unglücklich. Zum Beispiel dann, wenn man glaubt, dass die Nachbarn den 14,2-Millionen-Jackpot im Lotto gewonnen haben - und ihn für sich selbst haben möchte.

Was ist Glück? Ist es das Gefühl, zu lieben und geliebt zu werden? Ist es die Erfüllung, einen Beruf zu haben, zu dem man sich berufen fühlt? Oder ist es der Lottogewinn über 14,2 Millionen Euro? Für Peggy Stresemann (Katrin Wichmann) ganz klar Letzteres: Die Supermarktkassiererin fühlt sich von der Welt vernachlässigt und ist davon überzeugt, dass Geld alleine eben doch glücklich macht. Peggy muss ja nur ihren Blick auf das große Panoramafenster der Nachbarn richten, um sich in ihrer Annahme bestätigt zu fühlen: Die fahren schicke Autos, trinken gefühlt jeden Abend Champagner und haben zu allem Überfluss auch noch den 14,2-Millionen-Jackpot geknackt, der Kiel in Ekstase versetzt.

Glaubt jedenfalls Peggy, als sie beobachtet wie das Paar von nebenan pünktlich zur Ziehung der Lottozahlen in Jubel ausbricht und freudestrahlend einen Schein schwenkt. Neid und Gier lassen bei der Kassiererin alle Sicherungen durchbrennen, sie bricht bei den Nachbarn ein, um den Lottozettel zu suchen. Besonders klug stellt sie sich dabei allerdings nicht an: Peggy nascht nicht nur die übriggebliebenen Pralinen und den Schampus vom Vortag, sondern bekommt in ihrem Wahn noch nicht mal mit, wie der Mann des Hauses heimkommt. Einen Schein hat Peggy bis dahin nicht gefunden, dafür aber eine geladene Pistole. Das Unglück nimmt seinen Lauf.

Psychothriller oder Klamaukkrimi?

11_Tatort_Borowski_und_das_Glueck_der_Anderen.jpg

Versteckt sich diesmal hinter diversen Gegenständen: Borowski (Axel Milberg)

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

"Borowski und das Glück der Anderen" taucht tief in die Vorhölle ein, die Nachbarschaft bisweilen sein kann. Missgunst, Neid und Hass sind an der Tagesordnung. Hier hält sich der Kieler "Tatort" so eng an das echte Leben, dass es einem schon mal kalt den Rücken hinunterlaufen kann. Leider streut Regisseur Andreas Kleinert viele alberne Passagen ein und lockert so den eiskalten Griff um die Herzen der Zuschauer immer wieder. Dass sich Kommissar Borowski (Axel Milberg) hinter Zuckerwatte oder stacheligen Pinien vor seinem Observationsziel versteckt und ein launiges Bonmot nach dem anderen zum Besten gibt, will nicht so wirklich zu dem Ermittler passen, der sonst so stark von seinen eigenen Geistern gequält wird.

Apropos Ermittler: Auch in der zweiten Folge mit Borowskis neuem Sidekick Mila Sahin (Almila Bagriacik) scheint noch so etwas wie Welpenschutz zu herrschen: Statt zusammen knallharte Fälle zu lösen, begleitet Borowski seine neue Kollegin lieber zu einer Wohnungsbesichtigung. Zwar stellen die Beiden auch einen international gesuchten und schwer bewaffneten Drogendealer, allerdings nur, weil sie an der falschen Zimmertür klopfen.

"Borowski und das Glück der Anderen" will Psychothriller und Klamaukkrimi in einem sein - und zerreißt sich dabei selbst. Hätten sich die Macher für eine Variante entschieden, es wäre wahrscheinlich ein großartiger "Tatort" geworden. So aber bleibt ein ordentlich gemachter Krimi, der gut unterhält, solange man nicht zu tief unter die Oberfläche schaut.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema