Ratgeber

"Potenzial sehr groß" Auch Commerzbank erhebt jetzt Strafzinsen

96688954.jpg

Die Commerzbank justiert bei Negativzinsen nach. Diese dürfen aber nicht ohne Weiteres erhoben werden.

(Foto: picture alliance / Marius Becker)

Die Geldinstitute bezeichnen sie gern verharmlosend als Verwahrungsentgelt. Sparer sehen die Abgaben auf Guthaben dann doch eher als Bestrafung. Wie auch immer, nun langt auch die Commerzbank bei immer mehr Privatkunden hin. Betroffene sollten sich indes nicht alles gefallen lassen.

Immer mehr Banken in Deutschland erheben Strafzinsen auf die Guthaben ihrer Kunden. Gerechtfertigt wird dies mit der EZB-Politik. Genauer: Die Maßnahme stellt den Versuch der Geldinstitute dar, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhobenen Strafzinsen in Höhe von derzeit 0,5 Prozent für das Geldparken an die Kundschaft weiterzureichen. Diese Praxis verfolgen bereits rund 40 Banken.

Neben Sparkassen und Volksbanken versucht nun auch die Commerzbank, die ihr auferlegten Belastungen fürs Geldparken an ihre Privat-Kundschaft durchzureichen. Die Nachrichtenagentur "Reuters" zitiert in diesem Zusammenhang Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels. Demnach beginnt man jetzt damit, entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten. "Das Potenzial ist sehr groß", sagte Engels. "Wir fangen jetzt mit Kunden mit hohen Einlagen an."

Firmenkunden der Commerzbank müssen schon seit Längerem auf hohe Einlagen Strafzinsen zahlen. Hier sollen laut Engels die Freibeträge überprüft werden. Zudem wolle das Geldinstitut auch Preiserhöhungen und eine Anpassung des Produktangebots vornehmen, um zu verhindern, dass die Einlagen noch weiter steigen. 

Individuelle Vereinbarungen notwendig

Ab welcher Einlagenhöhe die Commerzbank Kundengelder belasten möchte, blieb bisher offen. Mutmaßlich beschränken sich die Maßnahmen zunächst auf größere Guthaben. Gerade dieser Tage wurde bekannt, dass die Volksbank Magdeburg Tagesgeldsparern nur noch einen Freibetrag von 75.000 Euro gewährt, Guthaben auf Kontokorrentkonten wie Girokonten mit Dispositionskredit sind bis 25.000 Euro befreit. Insgesamt haben Kunden so einen Freibetrag von bis zu 100.000 Euro.

Verbraucherschützer weisen entschieden darauf hin, dass die Geldhäuser nicht ohne Weiteres die sogenannten Verwahrungsentgelte für bestehende Konten aufrufen dürften. Hier seien individuelle Vereinbarungen notwendig, um solche Verwahrentgelte im Nachhinein einführen zu können. Eine Einschätzung, die auch Finanztip-Chef und n-tv-Experte Hermann-Josef Tenhagen teilt. Zudem beklagt er an dieser Stelle die Einfallslosigkeit vieler Geldinstitute, die Parkgebühren der EZB einfach an die Kunden weiterzureichen. Vielmehr sollten sich die Geldhäuser überlegen, was sonst noch, für beide Seiten lohnend, mit dem Ersparten der Kunden anzufangen ist. 

Doch auch für Sparer, die hohe Summen auf Tagesgeldkonten horten, findet er im Interview mit n-tv.de deutliche Worte: "Das Guthaben auf einem Tagesgeld- oder Girokonto sollte nicht 100.000 Euro betragen. Das ist Unfug. Beträge in dieser Höhe gehören dann doch langfristig angelegt. Zum Beispiel in einen weltweitanlegenden Aktien-ETF. Oder vielleicht doch in eine eigene Immobilie."

"Das Modell heißt Marktwirtschaft"

Grundsätzlich dürfte die Erhebung eines Strafzinses in einigen Fällen problematisch sein. Das Landgericht Tübingen hat bereits entschieden, dass ein gebührenpflichtiges Girokonto nicht auch noch mit Negativzinsen belastet werden darf (Az.: 4 O 225/17). Zuvor hatte das Gericht bereits in einem anderen Urteil ebenfalls der Volksbank Reutlingen untersagt, Negativzinsen nachträglich für bereits bestehende Tages- oder Festgeldkonten zu erheben (Az.: 4 O 187/17).  

Wie auch immer, Tenhagen hat noch einen anderen Rat für Betroffene: "Das Modell heißt Marktwirtschaft. Wenn mir meine Bank sagt, sie möchte mir keine Zinsen mehr für mein Geld, das ich ihr als Kredit gegeben habe, zahlen, dann gehe ich zu einer anderen Bank. Erst recht natürlich, wenn ich auch noch Strafzinsen zahlen soll."

Wer etwaige Auseinandersetzungen scheut, dennoch viel Geld auf Tages-, Festgeld - oder Girokonten lagern möchte, statt zu investieren, dem sei noch mit auf den Weg gegeben, das Geld auf verschiedene Anbieter zu verteilen. Denn Strafzinsen auf kleinere Vermögen werden derzeit von Experten nicht erwartet. Wer sein Geld so verteilt, dürfte auch niedrigere Freibeträge langfristig unterlaufen. Zudem sollten in Hinblick auf die Einlagensicherung Vermögen für Spareinlagen ohnehin nicht höher als 100.000 Euro pro Institut sein. 

So klappt der Kontowechsel

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema