Ratgeber

2015 im Geldbeutel Die wichtigsten steuerlichen Änderungen

Höhere Freibeträge, verschärfte Selbstanzeige und Änderungen bei der Erbschaftssteuer. Das Geben und Nehmen der Finanzämter im Überblick.

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(Foto: dpa)

Die gute Nachricht zuerst: Die steuerlichen Grundfreibeträge werden steigen – allerdings nur etwas. Für Alleinstehende erhöht sich der Freibetrag 2015 um 118 auf 8472 Euro pro Jahr. Im Jahr darauf erfolgt eine weitere Steigerung um 180 Euro auf dann 8652 Euro. Damit das Existenzminimum gesichert ist, fängt der Fiskus erst ab diesen Beträgen an, Steuern zu erheben. Der Freibetrag gilt für alle Steuerpflichtigen. Steuerzahler, deren Einkommen die Freibeträge übersteigt, haben damit ein paar Euro mehr in der Tasche. Eine Beseitigung der sogenannten kalten Progression wollen CDU/CSU dagegen erst 2017 angehen. Dann ist Wahljahr.

Den höheren Freibeträgen stehen leider höhere Beiträge zur Sozialversicherung gegenüber. Für Westdeutsche steigt die Bemessungsgrenze für die Rentenversicherung um 100 auf 6050 Euro Monatsverdienst. Bis zu diesem Betrag müssen sie anteilig Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Für Steuerzahler aus Ostdeutschland erhöht sich die Bemessungsgrenze von 5000 auf 5200 Euro. Bei der Kranken und Pflegeversicherung steigt die Grenze für alle Steuerzahler von 4050 auf 4125 Euro.

Selbstanzeige deutlich teurer

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Dr. Michael Bormann, Steuerexperte und Gründungspartner bei bdp Bormann Demant & Partner – www.bdp-team.de

Grundsätzlich bleibt die strafbefreiende Strafanzeige für Steuersünder erhalten. Für die Bundesländer stellt sie ja eine einfache und sprudelnde Einnahmequelle dar. Aber die Bedingungen verschärfen sich spürbar. Für Steuerhinterzieher, die sich selbst anzeigen, wird ab 2015 schon ab 25.000 Euro eine Strafe fällig. Bislang war dies erst ab 50.000 Euro der Fall. Außerdem steigt der Strafbetrag selbst. Bei mehr als 25.000 Euro hinterzogenen Steuern beläuft sich der Zuschlag künftig auf zehn Prozent, ab 100.000 Euro auf 15 Prozent und ab 1.000.000 Euro sogar auf 20 Prozent. Bislang galt ein einheitlicher Strafbetrag von fünf Prozent. Die Hinterziehungszinsen von sechs Prozent pro Jahr bleiben zwar unverändert. Der Gesetzgeber verdoppelt aber die Berichtigungsfrist, also den Zeitraum, für den nicht deklarierte Steuern nachgezahlt werden müssen, von fünf auf zehn Jahre. Damit wird die strafbefreiende Selbstanzeige nicht nur spürbar teurer, sondern auch aufwendiger.

Bei der Erbschaftssteuer lässt das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber bis 2016 Zeit, neue Regelungen zu erlassen. So wie bisher geregelt, ist die Erbschaftssteuer verfassungswidrig. Die anstehende Gesetzesänderung kann bei Gestaltungsmissbrauch aber auch rückwirkend gelten. Künftig müssen auch Unternehmen mit 20 oder weniger Mitarbeitern nachweisen, dass sie die Arbeitsplätze erhalten, damit eine entsprechende Erbschaft oder Schenkung überwiegend oder ganz von der Steuer befreit bleibt. Für kleine Betriebe ändert sich dagegen nichts. Ab welcher Zahl der Mitarbeiter, der Erhalt der Arbeitsplätze nachgewiesen werden muss, werden wir wohl erst 2016 erfahren.

Bei großen Konzernen müssen die Erben künftig nachweisen, dass eine "unbillige Härte" vorliegt, also dass der Fortbestand des Unternehmens gefährdet ist, damit sie von der Steuer befreit bleiben. Das könnte im Einzelfall schwierig werden. Bislang konnten Beteiligungen (i.d.R. Aktienpakete) an Kapitalgesellschaften von mehr als 25 Prozent steuerermäßigt bis steuerfrei vererbt oder verschenkt werden – vorausgesetzt, sie wurden fortgeführt und die Belegschaft wurde nicht reduziert.

Kirchen- und Grunderwerbssteuer

Bei Kapitalerträgen, also Zinsen oder Dividenden, müssen die Banken ab 2015 die darauf entfallende Kirchensteuer direkt an das Finanzamt abführen. Die von elf europäischen Ländern geplante Börsensteuer lässt dagegen auf sich warten. Hier gelingt es bisher nicht, sich auf Details zu einigen. Damit besteht die Hoffnung, dass eine weitere unsinnige Steuer später als geplant oder gar nicht eingeführt wird.

Dafür steigt aber die Grunderwerbssteuer auf 6,5 Prozent. Das gilt allerdings nur beim Kauf einer Immobilie in Nordrhein-Westfalen und im Saarland.

Quelle: n-tv.de

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