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"Der will nur spielen" Halter haftet für Wundertüte Hund

Wird ein Kind von einem Hund angegriffen und gebissen, sollten es von einem Arzt untersucht werden.jpg

(Foto: dpa-tmn)

Der Hund wird gerne als bester Freund verklärt. Doch was Hundehalter auch mal übersehen, ist, dass nicht jeder die Liebe teilt. Kommen die Vierbeiner angestürmt, dürfen Abwehrmaßnahmen ergriffen werden. Gehen die in die Hose, ist der Halter in der Pflicht.

Wenn es um ihre Hunde geht, sind Herrchen oft eigen. So werden Gefahren oder auch die Angst, welche die Tiere bei manchem hervorrufen, mitunter einfach vom Halter ausgeblendet. Doch was für Autohalter die Betriebsgefahr, ist für Hundeigentümer die Tiergefahr. Beide eint die erhöhte Haftung für ihren "Liebling", auch wenn nicht per se ein eigenes Verschulden oder eine tatsächliche Bedrohung vorliegen muss, wie ein Urteil des Oberlandesgericht (OLG) Koblenz zeigt (Az.: 1 U 599/18).

Hier befand das Gericht, dass, wenn sich ein nicht angeleinter Hund, den der Hundehalter nicht unter Kontrolle hat, einem nicht zu dem Tier gehörenden Menschen nähert, dieser effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen darf, um den Vierbeiner abzuwehren. Angesichts der Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens muss der Abwehrende zuvor nicht analysieren und bewerten, ob das Verhalten des Tieres auf eine konkrete Gefahr schließen lässt.

Unberechenbarkeit tierischen Verhaltens

Was war passiert? Der spätere Kläger joggte im Wald und führte selbst eine Hündin an der Leine mit sich. Zur gleichen Zeit ging dort ein Ehepaar mit seinem Hund spazieren, welcher nicht angeleint war. Nach der örtlichen Gefahrenabwehrverordnung bestand die Verpflichtung, Hunde außerhalb bebauter Ortslagen umgehend und ohne Aufforderung anzuleinen, wenn sich andere Personen nähern oder sichtbar werden. Der Hund der Spaziergänger verschwand schließlich aus dessen Sichtweite und rannte zum Jogger. Dieser rief die für ihn nicht sichtbaren Hundehalter auf, ihren Hund zurückzurufen und anzuleinen. Den entsprechenden Aufforderungen des Ehepaares kam das Tier nicht nach. Bei dem Versuch, den Hund mit einem Ast von sich fernzuhalten, rutschte der Kläger aus und zog sich eine Verletzung am Knie zu. Dann forderte er von dem Ehepaar Schadenersatz.

Dieses argumentierte hingegen, ihr Tier hätte lediglich die von dem Unfallopfer mitgeführte Hündin umtänzelt, um mit dieser zu spielen. Der Hund habe sich erkennbar nicht aggressiv verhalten. Die Abwehrhandlung des Mannes sei daher nicht erforderlich gewesen, weshalb keine Haftung für die entstandenen Schäden bestünde. Zumindest müsse sich der Versehrte ein Mitverschulden anrechnen lassen.

Das sah das OLG aber anders. Demnach haftet der Halter des "Der-will-nur-spielen-Hundes", weil er gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung verstoßen habe, indem er seinen Hund im Wald außerhalb seiner eigenen Sichtweite laufen ließ und damit nicht mehr jederzeit anleinen konnte. Gelangt ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers, darf dieser effektive Abwehrmaßnahmen ergreifen. Auch wenn der Vierbeiner gar nicht im Angriffsmodus ist. Verletzt er sich hierbei, trifft ihn kein Mitverschulden. Vielmehr haftet der Hundehalter in vollem Umfang.

Quelle: n-tv.de, awi