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Wer glaubt, das Thema Festgeldzinsen könnte nicht noch komplizierter werden, der irrt.
Wer glaubt, das Thema Festgeldzinsen könnte nicht noch komplizierter werden, der irrt.(Foto: imago/Christian Ohde)
Dienstag, 28. August 2018

Zinsgutschriften beim Festgeld: Können höhere Zinsen Verluste bringen?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Ein Jahr hat 365 Tage. Wer ein Festgeldkonto besitzt, erhält einmal pro Jahr eine Zinszahlung. Je höher die Zinsen, desto höher der Gewinn. All diese Aussagen stimmen manchmal. Und manchmal eben nicht

Wie ein Festgeldkonto funktioniert, ließ sich früher mit ein bis zwei Sätzen erklären. Diese Zeiten sind spätestens vorbei, seit Vermittler den Markt für sich entdeckt haben. Seither sind die Angebote deutlich bunter – aber auch komplizierter.

Bisher gab es zwei Möglichkeiten der Zinsgutschrift: Entweder, man ließ sich seine Festgeldzinsen einmal pro Jahr auszahlen. Oder man beließ sie auf dem Konto, um vom Zinseszinseffekt zu profitieren.

Welche Variante die sinnvollere war (und ist), entscheidet im Wesentlichen das Finanzamt. Denn Zinserträge von mehr als 801 Euro pro Mensch und Jahr sind zu versteuern. Wirft das Festgeldkonto also zum Beispiel 1000 Euro Zinsen ab, belegt der Fiskus 199 Euro mit 25 Prozent Abgeltungssteuer (plus Solidaritätszulage und eventuell Kirchensteuer). Den Steuerbetrag führt die Bank direkt ans Finanzamt ab.

Tipp: Den Freibetrag von 801 Euro pro Jahr kann die Bank nur berücksichtigen, wenn ihr ein gültiger Freistellungsauftrag vorliegt.

Wie gewonnen, so zerronnen

Wie deutlich sich die Steuer auf den Zinsertrag auswirkt, zeigt folgendes Beispiel.

Kunde A legt 50.000 Euro zu 1,3 Prozent für drei Jahre an. Damit erhält er pro Jahr 650 Euro Zinsen. Weil Kunde A daneben keinerlei Zins- oder Investmentgewinne hat, ist die Summe steuerfrei, er sich die Zinsen jährlich auszahlen lässt (sogenannte "ausschüttende Anlage"). Am Ende der Laufzeit kann sich Kunde A somit über dreimal 650 Euro, also 1950 Euro Zinserträge freuen –brutto für netto.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Nicht ganz so gut läuft es für Kunde B. Er hat dieselbe Summe zu denselben Konditionen angelegt. Einziger Unterschied: Kunde B hat sich für die sogenannte thesaurierende Anlage entschieden, bei der die Zinserträge jährlich dem Konto gutgeschrieben werden. Sein Kontostand nach drei Jahren steht bei 51.968,72 Euro – im Vergleich zu Kunde A hat er also 18,72 Euro mehr Zinsen bekommen. Viel gewonnen hat er damit aber nicht. Im Gegenteil. Denn weil die Zinsausschüttung auf einen Schlag erfolgt, überschreitet die Summe seinen Freibetrag. Damit muss er insgesamt 1167,72 Euro versteuern (1968,72 Euro minus 801 Euro). Ohne Kirchensteuer fließen damit stolze 308,04 Euro ans Finanzamt. Damit hat er im Ergebnis 289,342 Euro weniger gut gemacht, als Kunde A.

Tipp: Wer wissen will, ob er mit einer ausschüttenden oder thesaurierenden Anlage besser fährt, kann das im Rendite-Rechner der FMH leicht selbst berechnen.

Aller guten Dinge sind drei

Dass ausländische Banken inzwischen noch eine weitere Variante der Zinsberechnung und Gutschrift anbieten, macht die Wahl des richtigen Verfahrens nicht einfacher.

Auf den ersten Blick wirkt das Konzept nicht besonders kundenfreundlich: Denn die Banken verzichten sowohl auf die jährliche Zinsauszahlung, als auch auf die Gutschrift auf dem Konto. Stattdessen zahlen sie die Zinsen ohne Zinseszinseffekt am Laufzeitende aus. Dafür werden die Angebote meist etwas besser verzinst als die Festgeldangebote in Deutschland.

Jeder Kunde muss sich daher genau ausrechnen, welche Variante für ihn am vorteilhaftesten ist, nachdem der Fiskus seinen Anteil bekommen hat: Womit wir wieder beim Thema wären: Am Ende zählt allein die Höhe des Zinsertrags am Laufzeitende nach Steuern.

Tipp: In den Zinsvergleichen der FMH-Finanzberatung sind diese Verzinsungsunterschiede klar herausgestellt.

Raum, Zeit und Zinsen

Wer glaubt, das Thema Festgeldzinsen könnte nicht noch komplizierter werden, der irrt. Denn während man in Deutschland stets davon ausging, dass das Jahr (zumindest zinstechnisch) nur 360 Tage hat, gibt es inzwischen auch Banken, die beim Festgeld mit 365 Jahre kalkulieren. Diese Rechenmethode wird europäischen oder französischen Variante genannt und führt im Ergebnis zu höheren Erträgen: Wenn an mehr Tagen Zinsen angerechnet werden, kommt eben auch mehr zusammen. Auch diese Besonderheiten sind bereits in den Festgeldvergleich der FMH-Finanzberatung eingearbeitet.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de