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Tenhagens Tipps Kommt die Einheitsrente?

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Die gesetzliche Rente wird eine Basisversorgung darstellen.

(Foto: imago/McPHOTO)

Die Rente ist sicher. Nur wird sie für zukünftige Generationen zum Teil nicht zum Leben reichen. Über mögliche Entwicklungen und Dinge, die zu tun sind, um im Alter nicht zu darben, äußert sich "Finanztip"-Chefredakteur Tenhagen.

n-tv.de: Wie schlimm steht es um künftige Rentnergenerationen?

Hermann-Josef Tenhagen: Um einen Teil der künftigen Rentnergenerationen steht es schlimm. Das sind die Leute, die im Erwerbsleben wenig verdient haben und demzufolge auch nur geringe Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten können. Diese Menschen verfügen zumeist auch über keine betriebliche Altersvorsorge, Riester-Rente oder eine private Vorsorge. Unglücklicherweise ist das auch der Personenkreis, der kein Erbe zu erwarten hat. 

Dieses Drittel der zukünftigen Rentner wird es wirklich schwer haben, da das gesetzliche System ihnen weniger gibt als früher noch. Die gesetzliche Rente zielt in seiner ganzen Anlage darauf ab, dass Leute 40 Jahre lang mit einem ordentlichen Einkommen - am besten bei nur einem Arbeitgeber - beschäftigt sind und nicht in Teilzeitarbeit und/oder zu einem Mindestlohn von 8,50 Euro und durchbrochener Erwerbsbiografie. Und damit landet man in der Altersarmut.

Gehen Sie davon aus, dass es wegen der genannten Schwierigkeiten zu einer Einheitsrente kommt?

Ich glaube, dass man für dieses betroffene Drittel eine Lösung finden muss. Die Frage ist, wie man dies dann finanziert. Da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten. Es gibt zum Beispiel das Schweizer Modell, wo nahezu jeder Bewohner zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr in die gesetzliche Rente einzahlen muss - und zwar bis zum letzten "Frankli". Also auch, wer eine Million verdient, zahlt mit seinem millionsten Franken hier ein. Die maximale Rente beträgt aber nur rund 2350 Franken.  

In den meisten anderen OECD-Ländern gibt es ein Modell, wo diejenigen, die wenig einzahlen können, trotzdem mehr rausbekommen. Aus dem Grund, dass man ihnen ansonsten keine oder nur geringe Unterstützung zukommen lassen kann oder möchte. Zudem werden diese Menschen in der Regel nicht alt. Das gilt auch für Deutschland. Das Robert- Koch-Institut hat gezeigt, dass das Fünftel Rentner mit der geringsten Rente eine Lebenserwartung hat, die um 10 Jahren unter der Erwartung derjenigen liegt, die das höchste Alterseinkommen haben. Es ist also gar nicht so teuer, diesen Leuten mehr Rente zu geben. Auf breiter Front erwarte ich hierzulande aber keine Einheitsrente.

Aber ist die gesetzliche Rente ansonsten sicher?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Dahingehend, dass man etwas ausbezahlt bekommt, ja. Nur hapert es bisweilen bei der Höhe. Wenn aber ordentlich eingezahlt werden kann, ist die gesetzliche Rente an vielen Stellen sogar attraktiver als die private Altersvorsorge, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat. Das liegt auch an den aktuell niedrigen Zinsen. Es liegt aber vor allem daran, dass die den Rentenberechnungen zugrunde liegenden Annahmen, wie alt die Versicherten werden, anders sind. Die gesetzliche Rentenversicherung glaubt nicht, dass ihre Mitglieder so alt werden wie das die privaten Versicherungen für ihre Kunden annehmen. Was dazu führt, dass beim gesetzlichen System mehr Rente versprochen wird - und vermutlich auch gezahlt werden kann.

Müssen noch zusätzliche Anstrengungen vom Durchschnittsverdiener unternommen werden?

Die gesetzliche Rente wird eine Basisversorgung darstellen. Wer es im Alter gemütlich haben möchte, muss zusätzlich etwas tun.

Was denn?

Hier bieten sich die üblichen Verdächtigen an: Gut heiraten, ordentlich erben oder eben auch eine Riester- und/oder Betriebsrente. Wir haben gerade erst die besten Riester-Fondssparpläne und Riester-Banksparpläne ermittelt.

Lohnen Letztere auch für Menschen mit wenig Geld?

Das genau ist das Problem. Wer bei der gesetzlichen Rente absehbar nicht auf 900 Euro kommt, für den ist eine zusätzliche Anstrengung am Ende wohlmöglich vergebens, da Einkünfte aus privater Vorsorge auf die Leistungen der Grundsicherung angerechnet werden. Wer mit einem Riester-Vertrag in Rente geht, kann sich ein Drittel der angesparten Summe auf einen Schlag auszahlen lassen. Ist der gesamte angesparte Betrag in der Rente zu niedrig, funktioniert sogar eine komplette Einmalauszahlung, ohne dass man die Förderung zurückzahlen muss. Die entsprechende Grenze wird jährlich neu im Sozialgesetzbuch festgelegt. Grundsätzlich würde ich aber immer dazu raten, die Möglichkeit mit staatlicher Unterstützung vorzusorgen, wahrzunehmen. Derzeit ist dies für die allermeisten Leute alternativlos.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: ntv.de