Ratgeber

So gibt es das Geld zurück Mobilfunkfirmen unterstützen Abofallen

Hunderte Euro für Klingeltöne, Smileys oder angebliche Spiele? Nicht selten finden sich solche Posten auf der Handyrechnung. Mobilfunkanbieter verweisen auf Drittanbieter und bestehen auf Bezahlung. Finanztest zeigt, wie man sich gegen die Abzocke wehrt.

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Auch für das Handy gilt, wer nichts bestellt hat, muss auch nichts bezahlen.

(Foto: imago/McPHOTO)

Immer wieder sorgen auf den Mobilfunkrechnungen auftauchende Posten für Leistungen Dritter für Irritationen. Insbesondere dann, wenn diese weder bestellt noch genutzt wurden. Oft handelt es sich um Abonnements von Info- und Unterhaltungsdiensten oder kostenpflichtige Serviceleistungen die als Service- oder Mehrwertdienste deklariert werden.

Viele Verbraucher wenden sich selbstverständlich an den Rechnungssteller, den Mobilfunkanbieter, um die Rechnung zu reklamieren und die Erstattung des meist zu Unrecht für den Drittanbieter eingezogenen Betrags zu verlangen.

Dort fühlt man sich allerdings für die Sorgen der verärgerten der Kundschaft nicht zuständig. Stattdessen verweisen sie auf den entsprechenden Drittanbieter, wie die Stiftung Warentest bemängelt. Lediglich die Begleichung der vollen Rechnung wird verlangt. Gerne auch mit Verweis auf die Sperrung der SIM-Karte bei mangelnder Kooperation. Darüber hinaus argumentieren die Mobilfunkanbieter, dass sie gesetzlich oder auch von der Bundesnetzagentur verpflichtet seien, die Forderungen einzuziehen. Aus diesem Grund soll der Kunde zahlen und dann zusehen, ob er sich sein Geld von dem Drittanbieter wieder zurückholen kann.

Mobilfunkunternehmen verdienen mit

Nach Meinung von "Finanztest" ist das Verhalten der Mobilfunkunternehmen alles andere als korrekt. Denn grundsätzlich gilt, wer nicht bestellt hat, muss auch nichts bezahlen. Und wer eine Zahlung verlangt, muss auch erklären wofür und kann nicht auf einen Dritten verweisen. Im Netz werden Verträge nur dann wirksam abgeschlossen, wenn der Nutzer einen Button mit der Beschriftung "zahlungspflichtig bestellen" oder einem vergleichbaren, aber eindeutigen Wortlaut angeklickt hat. Eine gesetzliche Verpflichtung oder Anweisung der Bundesnetzagentur, bestrittene Drittanbieterforderungen einzuziehen, gibt es darüberhinaus nicht. Aus diesem Grund hat die Verbraucherzentrale E-Plus (BASE) verklagt (Az.: 179/14/02). Das Unternehmen hatte bei einer Kundin eine Zahlung von über 200 Euro angemahnt.

Die Klage hatte Erfolg. Das Landgericht Potsdam untersagte es E-Plus, Verbrauchern gegenüber zu behaupten, dass sie sich für eine Gutschrift an den Drittanbieter wenden müssen. In seinem Urteil stellt das Gericht klar, dass sich der Verbraucher mit seinen Beanstandungen nicht an den Drittanbieter wenden muss, sondern diese gegenüber dem Mobilfunkanbieter geltend machen kann.

Auch Anzeige bei Bundesnetzagentur ist möglich

Finanztest empfiehlt geprellten Verbrauchern zunächst gegenüber dem Drittanbieter per Mail oder Brief zu bestreiten, dass ein Vertrag geschlossen wurde. Danach sollte beim Mobilfunkanbieter gegen die Forderung unter Verweis auf das Urteil Widerspruch eingelegt werden. Zudem sollte dem Anbieter eine Frist gesetzt werden, bis wann er den strittigen Betrag zurücküberweisen soll. Kommt das Mobilfunkunternehmen dem nicht nach, sollte der gesamte Betrag von der Bank zurückgebucht werden oder die Rechnung von vornherein nur im berechtigten Umfang bezahlt werden. 

Daneben ist in manchen Fällen auch eine Anzeige bei der Bundesnetzagentur möglich. Denn ist die Drittanbieterforderung bestritten, darf der Zugang zum Telefondienst nicht wegen Zahlungsverzugs gesperrt werden.

Nach Informationen der Tester ist die Zurückhaltung der Mobilfunkunternehmen Kalkül, verdienen sie doch an der Abzocke mit. Denn sie kaufen die Forderungen der Drittanbieter. Allerdings nicht für den vollen Preis, sondern beispielsweise nur für die Hälfte, wie der Berliner Rechtsanwalt Thomas Hollwerk zu berichten weiß. Er vertritt derart geprellte Verbraucher.    

Am besten, man sorgt jeglichem Ärger vor und lässt sich bei den Mobilfunkanbietern sogenannte Drittanbietersperren einrichten. Dies ist auch nur für einzelne Dienste wie zum Beispiel Abos für Spiele möglich. 

Quelle: n-tv.de, awi