Ratgeber

EZB stemmt sich gegen InflationWas die erneute Zinserhöhung für Sie bedeutet

10.09.2026, 14:21 Uhr
imageVon Axel Witte
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Geld wird noch einmal teurer. (Foto: imago images/Kirchner-Media)

Die Europäische Zentralbank hat wieder mal an der Zinsschraube gedreht, was erst einmal nach einer guten Nachricht für Sparer klingt. Für Kreditnehmer sieht die Sache anders aus. Zum Beispiel bei der Immobilienfinanzierung. Alles Wissenswerte lesen Sie hier.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagensatz erhöht. Parken Banken Geld bei der EZB, erhalten sie dafür künftig einen viertel Prozentpunkt mehr - nämlich 2,50 Prozent Zinsen. Die Inflationsrate in Deutschland liegt derzeit bei 2,9 Prozent.

Darauf, was die Zinserhöhung für Verbraucher bedeutet, haben Vergleichsportale einen kritischen Blick geworfen. Betrachtet wurden die Bereiche Baufinanzierung, Geldanlage, Girokonto und Ratenkredite.

Festgeldkonten

Getrieben von hohen Kapitalmarktzinsen und der Aussicht auf steigende Leitzinsen ging es beim Festgeld zuletzt immer weiter nach oben. Anfang Juni lagen die Zinsen bundesweit verfügbarer Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit noch bei durchschnittlich 2,32 Prozent, aktuell stehen sie bei 2,55 Prozent. Das entspricht einem Plus von 0,23 Prozentpunkten, wie das Vergleichsportal Verivox berichtet. Das bedeutet: Banken bieten Festgeldanlegern momentan höhere Zinsen, als sie selbst erhalten, wenn sie Spargelder ihrer Kunden bei der Notenbank parken.

Bei den Festgeldern mit fünf Jahren Laufzeit ging es ebenfalls nach oben. Hier stiegen die Durchschnittszinsen zuletzt auf aktuell 2,48 Prozent. Festgelder mit sehr langen Laufzeiten von zehn Jahren kletterten auf 2,77 Prozent, was dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung von Verivox.

Für ein einjähriges Festgeld mit deutscher Einlagensicherung sind laut FMH-Finanzberatung bei der Isbank derzeit 3,40 Prozent Zinsen zu holen. Die Signet Bank bietet via Anlageplattform Raisin 3,55 Prozent mit einer gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro durch den lettischen Einlagensicherungsfonds. Bei der J&T Direktbank sind direkt 3,30 Zinsen zu ergattern (gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro in Tschechien).

Bei Laufzeiten von drei Jahren bietet auch hier die Isabank mit 3,40 Prozent derzeit die höchsten Zinsen. Bei der Grenke Bank sind es 3,25 Prozent (ebenfalls deutsche Einlagensicherung). Und wer sein Geld aktuell für 10 Jahre entbehren kann, bekommt in Deutschland bei der PBB Direkt 3,50 Prozent Zinsen. Bei der schwedischen Myntro Bank sind es via Raisin 3,68 Prozent (gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro).

Festgeldkonten im Vergleich

Tagesgeld

Beim Tagesgeld ging es bei den regulären Bestandskundenzinsen nur geringfügig nach oben. Im Schnitt liegen die Zinsen bundesweit verfügbarer Angebote derzeit bei 1,40 Prozent. Vor einem Jahr standen sie bei 1,28 Prozent. An vielen treuen Bestandskunden läuft die Zinsrally hingegen bislang vorbei. Nur bei 20 Prozent aller Tagesgeldangebote haben sich seit der letzten Leitzinserhöhung im Juni die regulären Zinsen für Bestandskunden erhöht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch Verivox.

Der Konkurrenzkampf an der Spitze des Marktes nimmt aber dadurch immer mehr Fahrt auf. Momentan erhalten Sparer bei mindestens elf Banken zeitweise einen Zinssatz über 3,5 Prozent, wenn sie ein neues Tagesgeldkonto eröffnen. Bis Mitte Mai gab es auf dem Markt gar keine Angebote in dieser Größenordnung.

Weniger Einschränkungen gibt es bei den drei weiteren Tagesgeldangeboten mit Zinssätzen ab 4 Prozent. Für jeweils vier Monate streichen Neukunden bei der Renault Bank 4,1 Prozent und bei Chase, dem deutschen Ableger der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, 4 Prozent Zinsen ein. Die niederländische Ayvens Bank bietet ebenfalls 4 Prozent, allerdings nur für 3 Monate. Bei diesen drei Banken wird kein zusätzliches Girokonto benötigt, um in den Genuss der hohen Zinsen zu kommen, und sie gelten auch für höhere Guthaben.

Nach Ablauf der Neukundenkonditionen erhalten Sparer bei Chase und der Renault Bank aktuell 2 Prozent Zinsen, die Ayvens Bank zahlt Bestandskunden 2,3 Prozent. Alle drei Angebote sind somit auch für Sparer interessant, die ihr Geld nicht regelmäßig von einer Bank zur anderen bewegen wollen.

Tagesgeldkonten im Vergleich

Ratenkredite

Mit den höheren Zinsen für Sparer bleiben auch Verbraucherkredite nicht günstig. Denn wenn die Festgeldzinsen auf relativ hohem Niveau verbleiben, werden von jeher auch die Ratenkredite nicht wesentlich günstiger. Unerfreulich aus Sicht der Verbraucher, denn die Banken nutzen die Festgeld- und Tagesgeldanlagen zur Refinanzierung von Konsumentenkrediten. Derzeit liegen die Zinsen für ein solches Darlehen mit 60 Monaten Laufzeit laut FMH im Schnitt bei 7,26 Prozent.

Ein Vergleich der Konditionen lohnt sich aber. Denn die Spanne der Angebote liegt aktuell zwischen 5,630 und 9,37 Prozent, wie die FMH-Finanzberatung ermittelt hat.

Ratenkredite im Vergleich

Bauzinsen

Laut FMH liegt der Durchschnittszinssatz für ein Zehn-Jahres-Darlehen bei derzeit 4,27 Prozent. Je nach Anbieter schwanken diese zwischen 4,07 und 5,95 Prozent pro Jahr.

Dabei beeinflusst die EZB-Entscheidung die Bauzinsen nur indirekt. Wichtigster Indikator sind die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen. Denn sie bestimmen maßgeblich die Renditen für Pfandbriefe, die wiederum von Banken für die Refinanzierung von Immobilienkrediten genutzt werden.

Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung, sieht bei Immobilienkrediten einen weiteren Anstieg der Zinsen. Nicht wegen der EZB, sondern weil die politische Darstellung der Bundesregierung kein Vertrauen beim Anleger schafft. Demnach benötigt die Bundesrepublik immer mehr Anlegergeld für die Staatsfinanzierung, das Vertrauen der Anleger nimmt aber stetig ab, dass der deutsche Staat seine Darlehen wie in der Vergangenheit garantiert bedienen kann. Dies führt zu steigenden Renditen der Bundesanleihe und am Ende auch zu steigenden Bauzinsen. Herbst geht davon aus, dass 4,5 Prozent Zinsen für Zehn-Jahres-Darlehensehen realistisch sind. 

Wer vor der Entscheidung für eine längere oder kürzere Zinsbindung steht, sollte sich überlegen, welche Zinsentwicklung er erwartet. Geht man davon aus, dass die Zinsen in fünf Jahren deutlich niedriger sein werden als heute, empfiehlt sich eine kurze Laufzeit. Geht man hingegen davon aus, dass sich die Zinsen eher nach oben bewegen, wäre eine langfristige Absicherung von 20 Jahren sinnvoll. Sicherheit kostet Geld, schafft aber langfristige Gewissheit über die eigene Belastung.

Baugeldzinsen im Vergleich

Dispozinsen beim Girokonto

Wer gerade etwas klamm ist, überzieht nicht selten sein Konto und nutzt den Dispokredit, um den Engpass zu überwinden. Was meist keine gute Idee ist, vor allem aber in Zeiten hoher Zinsen nicht. Abgesehen davon bleiben auch die Dispozinsen trotz der langen Zinspause hoch, da sich die Geldinstitute am EZB-Leitzins orientieren. So liegt der Durchschnittszins eines Dispokredits derzeit laut FMH bei 10,79 Prozent. Der Zins für die Überziehung des Disporahmens beträgt demnach 12,03 Prozent.

Girokonto-Vergleich

Abgesehen davon sollte Schuldnern klar sein, dass der Dispokredit zum Girokonto meist der teuerste Kredit der Bank ist. Sie sollten ihn nur ausnahmsweise und für kurze Zeit in Anspruch nehmen.

Quelle: ntv.de

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