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Kein Krankengeld Wenn das Attest zu spät vorgelegt wird

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Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung trägt den eindeutigen Hinweis "Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse".

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Sind Beschäftigte länger arbeitsunfähig, erhalten sie vom Arzt eine entsprechende Bescheinigung. Eine Ausführung davon bekommt der Arbeitgeber, die andere die Krankenkasse. Dabei sollte die Krankschreibung rechtzeitig verschickt werden.

Wenn Arbeitnehmer, die gesetzlich versichert sind, längerfristig erkranken, haben sie ab der siebenten Woche Anspruch auf Krankengeld. Zuvor muss der Arbeitgeber den normalen Lohn weiterzahlen. Dabei hängt die Höhe des Krankengeldes vom Einkommen vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ab. Es beläuft sich auf 70 Prozent des Bruttogehaltes, maximal werden aber nur 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens gezahlt.

Allerdings gilt dies nur, wenn Arbeitnehmer auch rechtzeitig ein Attest vorlegen. Reichen sie die Krankschreibung zu spät bei der Krankenkasse ein, ruht der Anspruch auf Krankengeld. Dies hat das Sozialgericht (SG) Detmold entschieden (Az.: S 3 KR 824/16).

Dabei können sich die Versicherten nicht darauf verlassen, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit (AU) selbständig der Krankenkasse meldet. In dem verhandelten Fall war die spätere Klägerin ab dem 1. Juni beschäftigt. Sie erkrankte am 10. Juni und kündigte das Arbeitsverhältnis zum 30. Juni. Die AU-Bescheinigung ging aber erst am 1. Juli bei der Krankenkasse ein. Diese weigerte sich wegen verspäteter Vorlage, die Zahlung von Krankengeld zu leisten. Die Frau argumentierte, sie wusste nicht, dass sie keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung  von ihrem Arbeitgeber habe.

Ohne Erfolg. Das Sozialgericht hat die Klage abgewiesen. Demnach kann ein Verschulden des behandelnden Arztes bei der Handhabung des Vordrucks nicht der Krankenkasse zugerechnet werden. Die gesetzliche Meldepflicht einer Erkrankung liegt bei dem Versicherten. Diese soll gewährleisten, dass die Krankenkasse frühzeitig über das Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit informiert und in die Lage versetzt wird, vor der Entscheidung über den Krankengeldanspruch und gegebenenfalls auch während des folgenden Leistungsbezugs den Gesundheitszustand des Versicherten durch den Medizinischen Dienst überprüfen zu lassen. Versäumt der Versicherte die Meldung, verliert er seinen Anspruch.

Nicht zuletzt trägt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung den eindeutigen Hinweis "Ausfertigung zur Vorlage bei der Krankenkasse". Insoweit hätte der Versicherten klar sein müssen, dass sie das Papier der Krankenkasse zu übersenden hat.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: n-tv.de, awi

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