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Banken in Deutschland haben schon vorher genau geprüft, wem die Baugeld geben.
Banken in Deutschland haben schon vorher genau geprüft, wem die Baugeld geben.(Foto: imago/Rust)
Mittwoch, 20. Juli 2016

Tenhagens Tipps: Wer bekommt kein Baugeld mehr?

Die EU verlangt, dass Banken bei der Vergabe von Immobilienkrediten genauer hinsehen. Wer sich eine Immobilie womöglich gar nicht leisten kann, soll kein Geld von der Bank dafür bekommen. Müssen Bauherren in Deutschland jetzt um ihre Finanzierung bangen? Finanztip-Chef Tenhagen kann die Aufregung mancher Banken um die Neuregelung nicht ganz nachvollziehen.  

n-tv.de: In Deutschland gelten seit März neue Regeln für die Kreditprüfung der Banken bei Baufinanzierungen. Worum geht es denn da genau?

Hermann-Josef Tenhagen: Das Ganze ist eine Vorgabe der EU für ein Problem, das viele Länder in der EU haben beziehungsweise hatten. Dort sind oft Baufinanzierungen gescheitert, weil die Banken vorher nicht ausreichend geprüft haben, ob sich die Kunden die Immobilie überhaupt leisten können. Die Berater waren eben nur an ihren Provisionen interessiert. In Deutschland eher kein Thema, auch während der Finanzkrise nicht. In Ländern wie Italien, Ungarn oder Spanien gab es diesbezüglich aber schon erhebliche Probleme. Da wurden zum Beispiel in Ungarn viele Darlehen in Euro abgeschlossen, die dann natürlich vor die Wand gefahren sind, als der Forint gesunken ist. Deshalb hat die EU-Kommission vorgeschrieben, dass die Mitgliedsstaaten schärfere Regeln für die Kreditvergabe für Wohnimmobilien erlassen sollen.

Und was ist in Deutschland daraufhin passiert?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Nicht allzu viel. Hier hat das Prüfsystem ja schon vorher ganz gut funktioniert. Der Gesetzgeber hat also keine strengen Details festgelegt, sondern nur die Konsequenzen, wenn tatsächlich etwas schiefläuft. Klar ist jetzt: Wenn sich Kunden finanziell verheben und nachweisen können, dass sie falsch beraten wurden, kann es für die Bank teurer werden. Dann drohen Zinskürzungen und der Kunde kann den Kredit ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen. Die Bank hat im schlimmsten Fall also nicht nur eine Immobilie an der Backe, die sie vielleicht nur zu einem schlechten Preis los wird, sondern sie macht darüber hinaus noch weitere Verluste.

Einige Genossenschaftsverbände wettern gegen die neue Richtlinie. Zu Recht?  

Im Kern geht es ja darum, dass die Bank detailliert prüfen soll, dass sich der Kunde mit einem Kredit nicht verhebt. Das ist völlig richtig und das würde ich auch von meiner Bank erwarten. Deshalb habe ich mich über den Aufschrei einiger Banken auch etwas gewundert. Ich finde die Überlegung, das so zu regeln, ganz nachvollziehbar.

Wir haben uns auch umgehört und bislang noch nicht festgestellt, dass es für Leute jetzt schwieriger wäre, Immobilienfinanzierungen zu bekommen. Ich würde also sagen, die Auswirkungen auf den deutschen Markt sind zumindest bis dato nicht richtig spürbar geworden. Wenn eine Bank jetzt sagt "Wir können Ihnen den Kredit nicht geben", muss man sich fragen, ob der Kunde das Darlehen denn sonst bekommen hätte. Über einige Bank-Stellungnahmen zu dem Thema bin ich ziemlich verblüfft.

Für den Kunden in Deutschland ändert sich also gar nicht viel?

Es kann natürlich sein, dass Banken jetzt an den einen oder anderen Stellen etwas genauer hingucken. Aber das ist ja auch vernünftig, gerade vor dem Hintergrund, dass die Immobilienpreise in den letzten Jahren deutlich angezogen haben. Finanztip ist ja ein Verbraucherportal und als solches müssen wir den Kunden ja auch sagen: Wenn man eine Finanzierung nicht bekommt, dann hat das möglicherweise auch einen guten Grund. Zum Beispiel den, dass man sich die Finanzierung eigentlich gar nicht leisten kann. Oder dass die Immobilie das Geld nicht wert ist.

Wann könnte man es denn sonst noch schwer haben, Geld von der Bank zu bekommen?

Im Alter kann es kritisch werden. Wenn man mit 55 eine Baufinanzierung abschließt, hat man noch zehn oder zwölf Jahre bis zur Rente. Wie weit muss man dann mit der Tilgung sein, damit das langfristig machbar ist? Das muss die Bank eben rechtzeitig klären und nicht einfach sagen: Das Einkommen ist jetzt hoch, das machen wir schon. Das hat man bisher aber auch schon so gemacht. Als mein Vater vor 25 Jahren ein Altenteil als Landwirt gebaut hat, musste er selbstverständlich auch damals schon eine Risikolebensversicherung abschließen.

Am besten ist es natürlich, man hat das Haus bis zur Rente abbezahlt.

Genau. Da gelten die ganzen klassischen Tipps: KfW-Darlehen mitnehmen. Dann zur Bank gehen, wenn beide Partner gerade gut verdienen, damit der Zins möglichst niedrig ist. Ganz wichtig ist eine möglichst hohe Anfangstilgung. Die kann man dann immer noch zeitweise reduzieren, wenn etwa während der Elternzeit weniger Einkommen fließt. Wann immer es geht, sollte man Sondertilgungen nutzen, damit der Schuldenberg so schnell wie möglich schrumpft. Und natürlich sollte man sich auch rechtzeitig überlegen, ob man sich die Finanzierung überhaupt langfristig leisten kann. Solange man keinen unbefristeten Job mit vernünftigem Gehalt hat, kann man die Baufinanzierung ohnehin vergessen.

Wenn man von vornherein weiß, dass man nicht bis zum Lebensende in der Immobilie bleiben will, sollte man sich auch überlegen, ob man sie in einigen Jahren wieder gut verkaufen kann. Gibt es dann noch einen Supermarkt und eine Schule vor Ort? Wie ist die Nahverkehrsanbindung? Will man dagegen auch im Alter dort wohnen bleiben, muss einem klar sein, dass man zwar keine Miete zahlt, aber keineswegs kostenfrei lebt. Wenn man seine Rente nicht in einer Ruine verbringen will, muss auch noch Geld für Modernisierungsmaßnahmen da sein.

Noch weitere Tipps?

Ja, einen noch zur Anschlussfinanzierung. Die muss ja nicht zwangsläufig von der Hausbank kommen. Am besten wendet man sich ein paar Monate, bevor das Darlehen ausläuft, an einen Kreditvermittler. Wenn man schon ein gutes Angebot auf dem Tisch hat, ist die Hausbank meist deutlich beweglicher. Und wenn nicht, kann man ja das gute Angebot nutzen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

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Quelle: n-tv.de