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Johanniskraut im Öko-Test Wider die Depression?

Johanniskraut kann die Wirksamkeit einer Krebstherapie beeinträchtigen. Foto: Andreas Hummel

Wie Johanniskraut wirkt, ist bislang ungeklärt.

(Foto: dpa)

Die Wahrscheinlichkeit, dass einen im Laufe des Lebens eine Depression erwischt, wird auf bis zu 15 Prozent geschätzt. Ist die Erkrankung leicht bis mittelschwer, kann Johanniskraut helfen. Doch nicht jedes Präparat ist zur Selbstmedikation geeignet.

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist eine Depression eine weit verbreitete psychische Störung, die durch Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen gekennzeichnet sein kann. Milde Formen können ohne Medikamente, mittlere bis schwere Fälle müssen jedoch medikamentös beziehungsweise durch professionelle Gesprächstherapie behandelt werden.

Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkranken hierzulande rund 6 Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens zu erkranken, wird von Experten auf 11 bis 15 Prozent geschätzt.

Bleiben wir bei der leichten bis mittelschweren Form, welche aber auch unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden sollte. Hier kann neben viel Bewegung an der frischen Luft auch ein seit Jahrhunderten bewährtes Heilmittel aus der Natur helfen: das Johanniskraut. Wobei trotz intensiver Anwendung und Forschung bisher noch unklar ist, wie das Kraut genau wirkt. Vermutet wird, dass entsprechende Präparate einen positiven Einfluss auf die Neurotransmitter des Gehirns, wie Serotonin, Dopamin und Gaba, haben. Klar anhand von Studien belegt ist hingegen, dass Johanniskraut tatsächlich die Stimmung aufhellen kann - bei vergleichbar leichten Nebenwirkungen wie Sonnenempfindlichkeit und/oder Magen-Darm-Beschwerden. Allerdings sollten bei entsprechenden Präparaten die im Beipackzettel benannten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden.  

Extrakt, Dosierung und Einnahmedauer entscheidend 

Darüber hinaus können entsprechend positive Ergebnisse nur dann erzielt werden, wenn Johanniskraut-Extrakt in der richtigen Form, Dosierung und auch ausreichend lange eingenommen wird. In Untersuchungen hat sich die Einnahme ab einer Menge von 500 bis 1000 Milligramm täglich, mindestens über 6 Wochen, besser aber über einige Monate, bewährt. Die genaue Dosierung sollte im Zweifelsfall immer von einem Arzt bestimmt werden.   

Aber genau hier liegt oftmals das Problem, wenn das freiverkäufliche Arzneimittel keine Wirkung zeigt. Denn Extrakt und Dosierung müssen stimmen, wie Öko-Test in einer Untersuchung feststellt. Doch nur die Hälfte der 20 getesteten Präparate ist empfehlenswert. Fünf rezeptfreie Arzneien aus der Apotheke erhielten im Test ein "sehr gut". Als da wären: "Jarsin 300 mg" (1,09 Euro pro Tagesdosis), "Kira" (0,65 Euro pro Tagesdosis), "Laif 612" (0,69 Euro pro Tagesdosis), "Laif 900 Balance" (0,77 Euro pro Tagesdosis) und "Neuroplant Aktiv" (0,73 Euro pro Tagesdosis).

Ebenfalls sieben frei verkäufliche traditionelle pflanzliche Mittel schneiden mit "mangelhaft" ab, eines wurde gar als "ungenügend" bewertet, weil es für deren Johanniskrautrezeptur keine Wirkungsnachweise gibt. Deshalb sind laut Öko-Test nachfolgende Präparate nicht zur Behandlung von Depressionen geeignet und wurden allesamt mit "mangelhaft" bewertet: "Das Gesunde Plus Johanniskraut",  "Dr. Dünner Hyperigold Johanniskraut-Kräutertabletten N", "Schoenenberger Johanniskraut, Saft", "Tetesept Johanniskraut Kapseln 500 mg", "Zirkulin Johanniskraut Dragees H" .

Bei "Kneipp Johanniskraut Dragees H" ("ungenügend") fehlte neben einem Wirksamkeitsbeleg auch der sinnvolle Hinweis, dass Betroffene bei anhaltenden Beschwerden zum Arzt gehen sollten. Das macht das Produkt zum schlechtesten im Test.      

Quelle: n-tv.de, awi

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