Ratgeber
Das Tempo muss den den Gegebenheiten angepasst sein.
Das Tempo muss den den Gegebenheiten angepasst sein.(Foto: imago/CoverSpot)
Samstag, 02. Juni 2018

Rasende Radler: Wie schnell dürfen Radfahrer sein?

Von Axel Witte

Schon bemerkenswert, mit welcher Geschwindigkeit sich so mancher Pedalritter den Weg durch die Straßen bahnt. Könner lassen andere Verkehrsteilnehmer wie Slalomstangen stehen. Mit allen Risiken. Diese Tempolimits gelten für bretternde Biker.

Hier scheint es einen Zusammenhang zu geben: Mit zunehmendem Sonnenlicht vervielfacht sich schlagartig die Anzahl der Radfahrer auf den Straßen. Was löblich ist, schließlich schont das Fortkommen per bloßer Kraft der Muskeln die Umwelt. Wenn da nur nicht auch noch andere Verkehrsteilnehmer unterwegs wären. Denn die werden mitunter nur als lästige Hindernisse wahrgenommen, welche es schnellstmöglich hinter sich zu lassen gilt.

Das mutet dann wahlweise gekonnt oder eben auch maßlos gefährlich an. Und geht oft einher mit einer Missachtungen von Verkehrsregeln und Rücksichtslosigkeiten gegenüber anderen. Bedingt wird ein solches Verhalten auch von einem menschlichen Grundbedürfnis. Nämlich auf direktem Weg von A nach B zu kommen. Was wiederum Fußgänger, Auto- und Motorradfahrer und eben auch Radler eint.

Bärte, Hot-Pants und Muckis

Doch zurück auf den Sattel. Dass das Fahrrad seit einigen Jahren als mehr als nur Fortbewegungsmittel herhalten muss, ist offensichtlich. Ja, Radfahren ist längst auch Lifestyle. Und mit dem entsprechenden Aussehen von Bike und Fahrer beweisen auch sportive Geister, dass die Ästhetik nicht zu kurz kommen muss. Inklusive Bart (Männer), Make-Up und Hot-Pants (Frauen), Tattoos, rasierter Waden und gestählter Muckis (Männer und Frauen).

Zumindest solange die Sonne scheint. Was echten "24/7-All-Year-Long" Radlern allerdings wenig Respekt abverlangt. Schließlich schlittern sie auch bei Eis und Glätte über die Straßen. Und statt sich bei der ersten Schneeflocke in überfüllten Bahnen wiederzufinden, wird das gesparte Geld für die öffentlichen Verkehrsmittel dann auch lieber in ein neues Bremssystem oder die entsprechende Bereifung investiert. Okay, die Präsentation von etwaigen modischen Trends gestaltet sich bei miesen Witterungsverhältnissen schwieriger, dafür sind dann aber auch wieder die Straßen leerer.

Doch egal ob Clown oder Könner, ankommen wollen alle. Und dies möglichst schnell. Angesichts dessen, mit welcher Geschwindigkeit so mancher Radfahrer über den Asphalt brettert und andere Verkehrsteilnehmer wie Slalomstangen stehen lässt, drängt sich die Frage auf, wie schnell Radler eigentlich unterwegs sein dürfen?

Wenn der trainierte Fahrer in die Pedalen tritt

Grundsätzlich gilt: Ist kein Verkehrsschild, welches die Geschwindigkeit regelt, vorhanden, können Radfahrer so schnell fahren wie sie möchten. Denn die allgemeinen Geschwindigkeitsbegrenzungen innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften gelten nur für Kraftfahrer. Anders verhällt es sich hingegen, wenn eine Geschwindigkeitsbegrenzung vorhanden ist. Dann müssen auch rasende Radler auf die Bremse treten. Beispielsweise darf in Spielstraßen oder auf Gehwegen - wenn die Nutzung überhaupt erlaubt ist - nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Ansonsten kann ein Bußgeld von 15 Euro fällig werden. Werden dabei Fußgänger gefährdet, erhöht sich der Betrag auf 35 Euro. Inklusive eines Punktes in Flensburg. Und mehr als 30 km/h dürfen es in Tempo-30-Zone auch nicht sein. Auch hier drohen die genannten Sanktionen, vor allem dann, wenn eine Gefährdung für Menschen gegeben ist. 

Angesichts der Tatsache, dass sich der ungeübte Fahrradfahrer ohnehin kaum schneller als mit 10-15 km/h fortbewegt, scheint die letztere Beschränkung zu vernachlässigen zu sein. Aber eben nur solange, bis der trainierte Fahrer in die Pedalen tritt. Denn der erreicht auch schon mal Geschwindigkeiten zwischen 30-40 km/h. Bei so viel Tempo kann dann auch das Gebot der Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf der Strecke bleiben. Was ungut ist. Nicht zuletzt für den Pedalenteufel selbst, denn sein Vehikel verfügt im Falle einer Kollision über keine Knautschzone.

Geht der Höllenritt hingegen glimpflich aus, schützt zunächst das nicht vorhandene Nummernschild vor Blitzern und möglicher Strafe. Zumindest solange, bis die Polizei das mobile Laser-Gerät zückt und der Rennfahrer an der nächsten Ecke aus den Verkehr gezogen wird. Was jenem Zeit zum Durchatmen gibt und die Bedrohungslage für alle anderen Verkehrsteilnehmer zumindest für die Dauer der Ermahnung/Sanktion drastisch verringert.           

Aber abgesehen davon gilt auch auf dem Rad, dass das Fahrzeug jederzeit sicher beherrscht werden muss. Dazu gehört auch, dass die Geschwindigkeit den Gegebenheiten wie Straßen- oder Fahrradwegverhältnissen, der Verkehrssituation, der Witterung und den Sichtverhältnissen angepasst werden muss. Denn wird dies unterlassen, können auch Radfahrer - wie andere Verkehrsteilnehmern auch - für ihr Fehlverhalten bei einem Unfall haftbar gemacht werden. Ungeachtet der eigentlichen Schuldfrage. Gleiches gilt, wenn etwa rote Ampeln und/oder andere Verkehrsregeln als bloße Behinderung der freien Entfaltung wahrgenommen und missachtet werden. 

Quelle: n-tv.de