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Scholz macht Rückzieher Xetra-Gold wird doch nicht besteuert

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Anleger, die Xetra-Gold noch keine zwölf Monate im Depot halten, können sich das entsprechende physische Gold vom Emittenten, der Deutsche Börse Commodities, ausliefern lassen.

(Foto: imago stock&people)

Gewinne bleiben bei Xetra-Gold jetzt doch steuerfrei. Damit beerdigt Bundesfinanzminister Scholz seinen ursprünglichen Plan, die beliebte Anlage steuerlich wie Aktien oder Zertifikate zu behandeln.

Gold-Fans können aufatmen: Die Idee, mögliche Kursgewinne bei Xetra-Gold zu besteuern, auch wenn sie erst nach einer Haltefrist von zwölf Monaten realisiert werden, ist vom Tisch. Das geht aus dem Regierungsentwurf zum Jahressteuergesetz hervor. Damit wird Xetra-Gold steuerlich weiter so behandelt wie Anlage-Gold, also Barren und Münzen.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner.

Eigentlich wollte Scholz, dass auch bei Xetra-Gold die Abgeltungssteuer gilt, also 25 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag, was sich auf 26,375 Prozent summiert. Dazu wäre dann noch je nachdem die Kirchensteuer gekommen, was insgesamt einen Steuersatz von rund 27 Prozent ergeben hätte. Nun bleiben realisierte Kursgewinne steuerfrei, wenn sie frühestens ein Jahr nach dem Kauf realisiert werden. Bei Aktien, Fonds und Derivaten greift der Fiskus dagegen im genannten Umfang zu.

Noch zur Jahresmitte gab es einen Referentenentwurf, der Xetra-Gold mit anderen Wertpapieren steuerlich gleichsetzen wollte. Angeblich beruhte das auf einem Vorstoß der SPD, den jetzt wohl CDU und CSU gestoppt haben, so das "Manager Magazin". Scholz unternimmt immer wieder Vorstöße, Wertpapiere höher zu besteuern - vor allem im Rahmen der gewünschten Finanzmarkttransaktionssteuer.

Fast wie physisches Gold

Unter Gold-Investments kommt Xetra-Gold Barren und Münzen am nächsten. Konkret handelt es sich um eine Schuldverschreibung, die mit physischem Gold unterlegt ist. Zuletzt waren das mehr als 220 Tonnen. Das verdeutlicht die Beliebtheit von Xetra-Gold. Emittent ist die Deutsche Börse Commodities. Trotz der Absicherung mit dem Edelmetall besteht wie bei jeder Anleihe grundsätzlich beim Emittenten ein Ausfallrisiko. Dem stehen jedoch verschiedene Vorteile gegenüber.

So lässt sich Xetra-Gold börsentäglich handeln. Dabei ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs minimal. Bei den gängigen Ein-Unzen-Münzen (31,1 Gramm) wird dagegen ein Aufgeld in Höhe von rund fünf Prozent fällig. Das zeigen zum Beispiel die Preislisten bei Pro Aurum, dem größten Goldhändler in Deutschland. Außerdem entfällt bei Xetra-Gold die Lagerproblematik, da es im Wertpapier-Depot geführt wird. Ein Bankschließfach oder ein Tresor zu Hause sind damit nicht nötig.

Auslieferung möglich, aber teuer

Grundsätzlich bietet Xetra-Gold Anlegern auch die Möglichkeit, sich das entsprechende physische Gold in Form von Barren ausliefern zu lassen. Eine Einheit entspricht dem Wert von einem Gramm Gold in Euro. Beim physischen Bezug fallen allerdings die Kosten für das Gießen des oder der Barren, für den Transport und die Versicherung an. Eine Auslieferung rechnet sich damit erst ab großen Mengen.

Gold in USD
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Nachdem Gold sich jahrelang unter dem Strich nur seitwärts entwickelt hatte, bewegt sich der Preis seit rund zwei Jahren wieder nach oben. Anfang August übersprang Gold zwischenzeitlich sogar die Marke von 2000 US-Dollar, hat seitdem allerdings wieder ein wenig nachgegeben. Seit Jahresanfang hat sich das Edelmetall aber immer noch um rund 23 Prozent verteuert. Grund sind die niedrigen beziehungsweise negativen Zinsen. Normalerweise spricht man bei Gold von sogenannten Opportunitätskosten, weil es weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Diese fallen schon seit geraumer Zeit weg. Außerdem gilt Gold als Versicherungsschutz gegen mögliche Verwerfungen an den Finanzmärkten.

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Jetzt dürfte Xetra-Gold zusätzlich davon profitieren, dass es zu den ausgesprochen seltenen Anlagen zählt, bei denen das Finanzamt nicht die Hand aufhält, wenn die Anleger mögliche Gewinne realisieren.

Dr. Michael Bormann ist Steuerexperte und seit 1992 Gründungspartner der Sozietät bdp Bormann Demant & Partner www.bdp-team.de. Schwerpunkte seiner Tätigkeiten sind neben Steuern die Bereiche Finanzierungsberatung sowie das Sanierungs- und Krisenmanagement bei mittelständischen Firmen.

Quelle: ntv.de

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