Sport

Corona-Krise macht erfinderisch Was Sportsender ohne Live-Sport zeigen

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Was Live-Sport angeht, passiert grad so gut wie nichts.

(Foto: imago images/PA Images)

So viele Menschen sind zu Hause, manche haben durch die Corona-Krise so viel freie Zeit wie selten. Ein Paradies für Sportsender - doch passiert im Sport derzeit so gut wie nichts. Wie gehen die verschiedenen Anbieter damit um?

Eigentlich hat sich für das Sportfernsehen ein Schlaraffenland geöffnet. Die meisten Menschen befinden sich in der Corona-Krise rund um die Uhr zu Hause, viele von ihnen schalten aus Langeweile die Flimmerkiste an. Beste Bedingungen für eine Mega-Quote - doch es fehlt der Live-Sport. Überall. Und das führt zu harten Konsequenzen.

TV-Tipp

Die Dokumentation "Ausgespielt! Die Corona-Krise im Sport" läuft am Samstag (28. März) um 8.30 Uhr und um 11.30 Uhr bei ntv. Sie ist auch bei TVNOW verfügbar.

Werbeeinnahmen brechen weg und die Zahl der Abo-Kunden geht zurück. Mit Sport aus der Konserve allein kommt das Publikum nicht zurück. Die Macher versuchen daher, mit kreativen Ideen die (nahezu) livesport-freie Zeit zu überstehen.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender müssen Lösungen finden und setzen in der ARD-Sportschau oder dem ZDF-Sportstudio auf Hintergründiges oder Talks. "Es ist bei uns nicht so, dass nur in den Keller gegangen und geschaut wird, was im Videoarchiv noch da ist", sagte Sprecher Michael Röhrig von Sport1.

Man müsse "neue Formate einbinden, passende Programmangebote und Werbeumfelder schaffen, zum Beispiel durch Sonderprogrammierungen und Thementage". So zeigt der Spartensender am kommenden Sonntag die Sportdokumentation "Inside United Volleys" über den Bundesligisten aus Frankfurt. Aus Kostengründen sind aber auch Wiederholungen ein Muss, statt aktuelle DEL-Viertelfinals im Eishockey, laufen frühere Darts-Weltmeisterschaften. Eurosport zeigt nachmittags Biathlon-Weltcups aus der Konserve statt Live-Bilder von der Katalonien-Rundfahrt.

"Wir schauen, was das Archiv hergibt", gibt Eurosport-Sprecher Dominik Mackevicius unumwunden zu. Highlights, Rückblicke, Best-of-Serien - das käme beim Zuschauer noch am besten an. Allerdings wolle man die Fans digital einbinden. In einer Online-Abstimmung bestimmen die User, welches Grand-Prix-Finale im Tennis gezeigt wird. Darüber hinaus reichert Eurosport sein Programm mit Experten-Podcasts an.

Auch Sky versucht, seine Kunden nicht nur mit Sport aus der Vergangenheit bei der Stange zu halten. Im neuen Format "Dein Verein" wird jeden Tag ein Bundesligaklub mit Interviews und Analysen näher durchleuchtet. Außerdem bietet Sky Dokumentationen wie "Come on Klopp" über den bisherigen Saisonverlauf des FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp an. Mitunter laufen bei Sky Sport News HD auch wichtige Pressekonferenzen von Politikern oder Experten des Robert-Koch-Instituts, die nur marginal etwas mit Sport zu tun haben.

Manchen Kunden reicht das nicht, die Fragen nach einer Rückerstattung häufen sich beim Bezahlsender. Noch ist Sky diesbezüglich in der Findungsphase, "was für unsere Kunden angemessen" sein könnte.

Härter trifft es den Streaminganbieter DAZN, dessen rasanter Aufstieg durch Corona vorerst gestoppt wurde. Laut des Wirtschaftsmagazins "Horizont" haben sich die täglichen Abo-Kündigungen seit der Spielpause in der Bundesliga nahezu verdreifacht.

Dass Kunden den Anbieter, der sich zuletzt zahlreiche Rechtepakete für unterschiedliche Sportarten gesichert hatte, monatlich kündigen können, erweist sich in der Krise als unternehmerischer Nachteil. Um die Kündigungswelle etwas abzuflachen, setzt DAZN neben Highlight-Programmen auch auf eigene Dokus wie "Being Mario Götze" oder "The Making of: Cristiano Ronaldo".

MagentaSport von der Deutschen Telekom bietet derzeit kostenlos an, sich Spiele aus dem Fußball, Eishockey und Basketball im Re-Live noch mal anzuschauen.

Doch all das ersetzt natürlich nicht den Live-Sport. "Wir hoffen", sagt Eurosport-Sprecher Mackevicius, "dass die schwere Zeit bald vorbei ist, und wir wieder loslegen können."

Quelle: ntv.de, Jörg Soldwisch, sid