Fußball

Kiel muss in der Relegation ran Alle zittern, aber Bochum und Fürth steigen auf

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Anthony Losilla beendete das kurze Bochumer Zittern.

(Foto: imago images/foto2press)

Der VfL Bochum ist nach elf Jahren zurück in der Fußball-Bundesliga. Greuther Fürth gelingt trotz Rückständen und Unterzahl noch der Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz – weil Holstein Kiel innerhalb weniger Minuten eine perfekte Ausgangsposition verspielt und doch in die Relegation muss.

Der VfL Bochum und die SpVgg Greuther Fürth steigen in die Fußball-Bundesliga auf. Für Holstein Kiel reichte es am letzten Spieltag der 2. Liga nur zu Relegationsplatz drei. Im Kampf um den letzten offenen Platz im Oberhaus müssen die Kieler nun in zwei Spielen gegen den Bundesliga-Drittletzten 1. FC Köln antreten. Die Würzburger Kickers und Eintracht Braunschweig steigen direkt ab, der VfL Osnabrück kann sich noch in der Relegation retten.

Die Bochumer machten durch ein 3:1 (1:0) gegen den SV Sandhausen nach elf Jahren die Rückkehr in die Bundesliga perfekt. Dort hat der Traditionsklub aus dem Revier in seiner Vereinsgeschichte bereits 38 Jahre verbracht. Für Fürth ist es der zweite Aufstieg nach 2012. Trotz langer Unterzahl nach dem Platzverweis für Anton Stach schafften die Franken ein 3:2 (0:1) gegen Fortuna Düsseldorf und überflügelten damit im Endspurt doch noch die Kieler.

Holstein verspielte durch ein 2:3 (1:0) gegen den SV Darmstadt 98 noch den direkten Aufstieg und eine historische Premiere. Der Verein aus der Landeshauptstadt wäre der erste Fußball-Erstligist überhaupt aus Schleswig-Holstein und der insgesamt 57. in der Bundesliga-Geschichte. Nun müssen es die Kieler, die im DFB-Pokal den FC Bayern bezwungen hatten und erst im Halbfinale gescheitert waren, über den Umweg der Relegation probieren.

Das Hinspiel bei den Kölnern findet am Mittwoch (18.30 Uhr/DAZN und im Liveticker bei ntv.de) statt, das Rückspiel in Kiel am nächsten Samstag (18 Uhr, DAZN). Der FC hatte sich am letzten Bundesliga-Spieltag durch ein 1:0 gegen den bereits abgestiegenen FC Schalke 04 in die Relegation gerettet und Werder Bremen noch auf den zweiten Abstiegsplatz verdrängt.

VfL Bochum - SV Sandhausen 3:1 (1:0)

Der VfL Bochum hat nach elf Jahren die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga geschafft. Die Mannschaft von Trainer Thomas Reis bezwang im heimischen Ruhrstadion den SV Sandhausen in einer umkämpften Partie 3:1 (1:0) und sicherte sich so am 34. Spieltag die Meisterschaft in der 2. Liga. Für den Revierclub ist es der siebte Bundesliga-Aufstieg nach 1971, 1994, 1996, 2000, 2002 und 2006. Sandhausen blieb trotz der Niederlage Tabellen-15. und konnte sich über den Klassenverbleib freuen.

Vor coronabedingt leeren Zuschauerrängen trafen für den VfL Milos Pantovic (29.), Kapitän Anthony Losilla (78.) und Robert Zulj (87.). Sandhausens Kevin Behrens glich in der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich aus (60.). Durch die Zwischenstände auf den anderen Plätzen reichte auch das Unentschieden jederzeit, die Nervosität beim Tabellenführer wuchs aber. Die kurze Phase des Zitterns beendete dann Losilla.

Viele Bochum-Fans versammelten sich schon vor der Partie in der Umgebung des Ruhrstadions. Ihre Gesänge waren zum Teil während des Spiels zu hören. Auch die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort.

Greuther Fürth - Fortuna Düsseldorf 3:2 (0:1)

Riesenjubel in Franken: Die SpVgg Greuther Fürth hat in einem dramatischen Saisonfinale ihren zweiten Aufstieg in die Fußball-Bundesliga erzwungen. In Unterzahl besiegte das Team von Trainer Stefan Leitl mit großer Moral und Kraftanstrengung Fortuna Düsseldorf mit 3:2 (0:1) und verdrängte am letzten Spieltag mit 64 Punkten Holstein Kiel noch von Platz zwei. Die Kieler patzten daheim gegen Darmstadt 98.

Auch nach der Roten Karte von Mittelfeldspieler Anton Stach (45.+3) gaben die Fürther nicht auf und kamen zweimal nach einem Rückstand zurück. Branimir Hrgota (53./Handelfmeter), Julian Green (69.) und der eingewechselte Dickson Abiama (83.) erzielten die Tore. Nach dem Abpfiff lagen sich die Fürther in den Armen, außerhalb des Stadions jubelten Hunderte Fans, die ihr Team unterstützt hatten. Es ist für die Fürther der zweite Aufstieg nach 2012, "ein Wunder", wie es der Erfolgscoach nannte.

Kristoffer Peterson (26. Minute) und Shinta Appelkamp (56.) hatten die Düsseldorfer zweimal in Führung gebracht. Fürth kam in der ersten Hälfte nicht ans Leistungslimit, wuchs aber in Unterzahl nach der Pause über sich hinaus.

Holstein Kiel - SV Darmstadt 98 2:3 (1:0)

Holstein Kiel hat den direkten Aufstieg doch noch verspielt. Gegen Darmstadt 98 kassierten die Norddeutschen eine bittere 2:3 (1:0)-Heimniederlage und mussten den zweiten Platz am letzten regulären Spieltag der SpVgg Greuther Fürth überlassen. Nun kann Kiels erster Sprung ins Oberhaus nur noch über die Relegation gelingen, in der die "Störche" in der kommenden Woche zwei Duelle mit dem Bundesliga-16. 1. FC Köln bestreiten. 2017/18 machte Kiel gegen den VfL Wolfsburg (0:1/1:3) allerdings keine guten Erfahrungen mit den Ausscheidungspartien.

Janni Serra (18. Minute) brachte die von 1000 rund um das Stadion postierten Fans unterstützten Kieler gegen Darmstadt zwar mit seinem 13. Saisontreffer in Führung. Doch Liga-Toptorjäger Serdar Dursun (51./58.) mit seinen Toren Nummer 26 und 27 und Immanuel Höhn (75.) machten den fünften Darmstädter Dreier in Serie perfekt. Fin Bartels' Treffer (88.) machte zwar Hoffnung, kam aber zu spät.

In der Relegation fehlen Mühling und Meffert (5. Gelbe Karte) einmal. Im achten Match nach ihrer 28-tägigen Corona-Quarantäne wurde der Kieler Kräfteverschleiß mehr und mehr deutlich. Die Kieler zeigten nach der unglücklichen 2:3-Niederlage der Vorwoche in Karlsruhe zudem Nerven und vergaben auch ihre zweite Riesenchance, als erster Verein aus Schleswig-Holstein in die 1. Liga zu gelangen. Ihren nächsten und zugleich letzten Matchball gegen Köln müssen sie nun aber nutzen.

Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 4:0 (3:0)

Nach nur einer Spielzeit muss Eintracht Braunschweig wieder in die 3. Liga. Die chancenlosen Niedersachsen verloren beim Hamburger SV mit 0:4 (0:3) und verpassten damit die letzte Gelegenheit, sich wenigstens noch in die Relegation zu retten.

Vor 250 Zuschauern im Volksparkstadion war die einseitige Partie schon nach der ersten Halbzeit entschieden. In der 7. und 21. Minute war Sonny Kittel für die Hanseaten erfolgreich, kurz vor dem Pausenpfiff traf Robin Meißner (45.+2). Für den Endstand sorgte Simon Terodde (76.). Es war der 23. Saisontreffer des zu Schalke 04 wechselnden Torjägers.

Nach dem Absturz in die Drittklassigkeit dürften die Gäste und Trainer Daniel Meyer zukünftig getrennte Wege gehen. Trotz der sportlichen Talfahrt hatte die Eintracht bis zum Schluss an ihrem Coach festgehalten. Beim HSV zeichnet sich die Verpflichtung von Tim Walter als Nachfolger von Interimscoach Horst Hrubesch ab. Nach übereinstimmenden Medienberichten steht eine endgültige Einigung mit dem 45-Jährigen kurz bevor.

Erzgebirge Aue - VfL Osnabrück 2:1 (0:1)

Der VfL Osnabrück hat den dringend benötigten Sieg bei Erzgebirge Aue aus der Hand gegeben und muss in der Relegation um den Klassenverbleib spielen. Die Niedersachsen verloren bei den Sachsen 1:2 (1:0) und verpassten es, den direkten Konkurrenten SV Sandhausen noch zu überflügeln.

Mit einem Sieg hätte sich der VfL direkt retten können, so muss er nun in zwei "Endspiele" gegen den FC Ingolstadt, der die Saison in der 3. Liga auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen hat. Die Partien finden am Donnerstag (18.15 Uhr) und Sonntag (13.30 Uhr) statt, zunächst muss Osnabrück nach Ingolstadt.

Sebastian Kerk (25.) hatte den VfL in Führung gebracht. Doch Aue, das den Klassenerhalt bereits seit Wochen sicher hat, konterte durch Dimitri Nasarow (65., 76.). Die Gastgeber hatten zuletzt zwei Niederlagen gegen Düsseldorf (0:3) und Paderborn (3:8) kassiert, diesmal zeigten sie die gewünschte Reaktion und drehten die Partie im zweiten Durchgang verdient.

Vor Nasarows Doppelpack hatte sich Osnabrück auf seinen Torhüter Phillip Kühn verlassen können, der unter anderem gegen Ben Zolinski (63.) und Florian Ballas (64.) herausragend parierte. Mit der Einwechslung des 31-jährigen Nasarow kippte die Partie.

Jahn Regensburg - FC St. Pauli 3:0 (2:0)

Jahn Regensburg hat sich den Klassenerhalt gesichert. Die Mannschaft von Trainer Mersad Selimbegovic besiegte den FC St. Pauli mit 3:0 (2:0) und musste so nicht auf die Spiele der Konkurrenten schauen. Jann George (14.) brachte die zuvor in sechs Spielen in Folge sieglosen Regensburger in Führung. Andreas Albers (43.) erhöhte noch vor der Pause. Zwischen den beiden Toren hatten die Gastgeber das Spiel im Griff und ließen kaum Chancen zu.

Nach dem Wechsel wurden die Gäste stärker, klare Gelegenheiten blieben aber Mangelware. Sebastian Stolze (64.) sorgte für die Entscheidung. Gäste-Spieler Daniel Buballa sah wegen wiederholten Foulspiels (82.) noch Gelb-Rot.

1. FC Heidenheim - Karlsruher SC 1:2 (0:1)

Der Karlsruher SC hat seine Saison mit einem Erfolg beendet. Die Mannschaft von Trainer Christian Eichner setzte sich mit 2:1 (1:0) beim 1. FC Heidenheim durch, wo Kapitän Marc Schnatterer sein letztes Spiel für den Verein nach knapp 13 Jahren absolvierte.

Karlsruhe schloss die Spielzeit mit 52 Punkten auf dem sechsten Platz ab und zog noch an Heidenheim (51) vorbei, das auf dem achten Rang landete. Die Treffer für den KSC erzielten Robin Bormuth (39.) und Babacar Gueye (56.), Stefan Schimmer (80.) verkürzte für Heidenheim.

Der FCH hatte zunächst mehr vom Spiel, zu gefährlichen Torchancen kamen beide Mannschaften jedoch selten. KSC-Keeper Markus Kuster lenkte einen Kopfball von Denis Thomalla (17.) über die Latte. Bormuth brachte dann per Kopf die Gäste nach einer Ecke in Führung. Gueye baute diese aus, nach der Halbzeit agierte Heidenheim dann zunächst offensiv zu harmlos. Erst in der Schlussphase wurden die Gastgeber druckvoller.

Hannover 96 - 1. FC Nürnberg 1:2 (1:1)

Hannover 96 hat seinen Trainer Kenan Kocak mit einer Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg verabschiedet. Die Niedersachsen verloren ihr sportlich bedeutungsloses letztes Spiel mit 1:2 (1:1) und beenden eine enttäuschende Saison nur auf dem 13. Tabellenplatz.

Beide Tore für die Nürnberger schoss der 19 Jahre alte Erik Schuranow in der 6. und 74. Minute. Marvin Ducksch sorgte in der 36. Minute mit seinem 16. Saisontor für den zwischenzeitlichen Ausgleich. Trainer Kocak muss den Klub nach dieser Saison nach nur anderthalb Jahren verlassen. Als Nachfolger verpflichteten die 96er bereits Jan Zimmermann vom TSV Havelse.

Würzburger Kickers - SC Paderborn 1:1 (0:1)

Trainer Steffen Baumgart hat einen Sieg zum Abschied beim SC Paderborn verpasst. Die Ostwestfalen mussten sich bei Schlusslicht Würzburger Kickers mit einem 1:1 (1:0) begnügen. Baumgart verlässt den Verein nach vier Jahren und übernimmt in der kommenden Saison den 1. FC Köln, der sich den Bundesliga-Klassenerhalt in der Relegation gegen Holstein Kiel sichern will.

Sven Michel (11.) brachte die Gäste früh in Führung. Danach vergaben beide Teams gute Gelegenheiten. Ein Eigentor von Aristote Nkaka (46.) sorgte für den Ausgleich. Würzburg stand schon vor dem Spiel als Absteiger in die 3. Liga fest.

Quelle: ntv.de, ter/tsi/dpa/sid

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