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Stürmische Zeiten beim FC Bayern.
Stürmische Zeiten beim FC Bayern.(Foto: imago/DeFodi)
Freitag, 09. November 2018

So läuft der elfte Spieltag: BVB-Orkan stürzt Bayerns Meister-Abo

Von Judith Günther und Stefan Giannakoulis

Der FC Bayern geht nicht als Favorit ins Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga - diese Rolle gehört dem BVB. Hoeneß verweigert sich derweil der Realität, bei Hertha eskaliert ein Ultra-Konflikt und Bayer läutet die Aufholjagd ein.

Wie ist der FC Bayern aufgestellt?

Der FC Bayern hat an diesem Mittwoch mit 2:0 in der Champions League gegen AEK Athen gewonnen, das ist doch schon mal was. Nur taugte die sportliche Leistung erneut nicht als Anschauungsmaterial fürs Handbuch "Hohe Fußballkunst". Das war dann weniger was. Vor allem nicht in München, wo sie gerne und häufig mit einem Hang zur Selbstgefälligkeit über die eigenen Fähigkeiten dozieren. Nun geht es an diesem Samstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) am elften Spieltag der Bundes-, nicht Superliga zum Tabellenführer nach Dortmund.

Frisch und gut rasiert: Niko Kovac.
Frisch und gut rasiert: Niko Kovac.(Foto: imago/ActionPictures)

Und da wäre überhöhtes Selbstvertrauen aktuell so angebracht wie Taktiktipps verliebter Spielerfrauen. Der Fokus lag deswegen auf anderen Themen. Trainer Niko Kovac war damit zugange eine trojanische Wagenburg zu bauen, Präsident Uli Hoeneß vermittelte derweil für zweieinhalb Minuten den Eindruck, tatsächlich zu so etwas wie Selbstkritik und Demut in der Lage zu sein. Denn es sei ja so, dass die Scheißdreck-Aussage an die Adresse von Juan Bernat vielleicht doch keine gute Idee gewesen sei. Nur, um dann, zurück dahoam in München, den schön zurechtgelegten Sympathiehaufen direkt wieder kaputt zu trampeln. "Ich würde das nie mehr in der Öffentlichkeit sagen, ich würde es höchstens denken." So viel zum Thema Hoeneß'scher Sinneswandel.

Immerhin, in einem Punkt ließ er die eigene Aussage unwidersprochen. "Wir fahren nicht als Favorit nach Dortmund, sondern als Außenseiter, zum ersten Mal seit langer Zeit", hatte der Präsident gesagt. Wohl auch, weil ihm wenig anderes übrig blieb. Der FC Bayern befindet sich in einer beispiellosen Selbstfindungskrise. Anders ist nicht zu erklären, dass Hoeneß sogar das eigene Meister-Abo gekündigt hat. Nicht erklärt werden muss dagegen, dass der Partie am Samstag mehr als nur einen Hauch von Endspiel beiwohnt. Gewinnt der FC Bayern, rückt er auf einen Punkt an Dortmund heran. Verliert er, beträgt der Rückstand sieben Punkte. Und dann dürfte es, ungeachtet gegenteiliger Beteuerungen, ganz bald um die berufliche Zukunft des Trainers gehen. Tipp: Nichts gegen Kovac, aber der FC Bayern verliert beim BVB mit 0:2.

Was macht der BVB?

Der stapelt ebenfalls besser zu tief als zu hoch, Bescheidenheit ist keine exklusive Münchner Kernkompetenz. "Wir haben in den vergangenen drei, vier Monaten Fortschritte gemacht. Wir müssen aber taktisch noch viel lernen, gerade die jungen Spieler." Auf welche Teile seines Kaders sich Lucien Favre bezog, ließ der gastgebende Trainer offen - Kandidaten gibt es allerdings genug. Jaden Sancho, Achraf Hakimi, Jacob Bruun Larsen: Das ist nur eine kleine U-21-Auswahl der Dortmunder Sturm-und-Drang-Elf. Dass die noch Fehler macht, ist klar - die Dortmunder Stärke ist gleichzeitig die größte Schwäche. Deutlich wurde das spätestens beim 0:2 im Champions-League-Rückspiel bei Atlético Madrid an diesem Mittwoch.

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War Atlético im Hinspiel noch von "einem Zyklon namens Dortmund" verprügelt worden ("AS"), gelang im Rückspiel nun so gut wie nichts und insbesondere in der Offensivabteilung faktisch nichts. Den schwarzgelben Dauerrausch hält das allerdings nicht auf. Vielleicht waren sie beim BVB sogar ein bisschen froh über die erste Niederlage im 16. Pflichtspiel: Lieber auswärts in Madrid als daheim gegen München.

Und nun? Wie geht's gegen den selbsterklärten Außenseiter aus München weiter? Zahlen die Sanchos, Hakimis und Bruun Larsens Lehrgeld gegen seniorisierende, aber Ligagipfel-erprobte Bayern-Routiniers? Gibt es das nächste Spektakel aus der "Fast and furious"-Abteilung? Axel Witsel kennt sich offenkundig in psychologischer Kriegsführung aus: "Die Bayern haben in Sachen Erfahrung und damit, mit Druck umzugehen, uns gegenüber einen Vorteil. Aber unsere jungen Spieler bringen ein bisschen Wahnsinn in unser Spiel und dieser Wahnsinn kann unglaubliche Dinge auf dem Platz auslösen." Heißt: Wenn wir verlieren, kann uns keiner einen Vorwurf machen. Wenn nicht, hat der BVB vielleicht sogar die Chance, am Ende die Bundesliga zu gewinnen. Die Leitung zwischen Genie und Wahnsinn ist in Dortmund eben kurz. Tipp: Die Dortmunder gewinnen mit 2:0.

Was passiert sonst noch?

Hannover 96 - VfL Wolfsburg (Freitag, 20.30 Uhr): Was sagt ein Mann, der eine Mannschaft trainiert, die auf dem drittletzten Platz der Tabelle steht? "Das ist ein wichtiges Spiel." Und welchen Plan hat Hannovers André Breitenreiter? "Wir wollen mit Selbstvertrauen und guter Stimmung in die Länderspielpause gehen. Aber selbst, wenn wir am Freitagabend gewinnen, haben wir den Klassenerhalt danach noch nicht sicher." Ganz wichtig: Die Partie gegen Wolfsburg gilt in Niedersachsens Landeshauptstadt nicht als Derby. Da muss schon die Eintracht aus Braunschweig kommen. Die ist allerdings Tabellenletzter der dritten Liga. Tipp: 1:1.

TSG Hoffenheim - FC Augsburg: Die Hoffenheimer sind enttäuscht, dass sie nach dem 2:2 in Lyon die Vorrunde der Champions League wohl nicht überstehen werden. "Es bleibt ein Hintertürchen auf - besser als wenn es zu wäre. Aber große Freude werde ich nicht entwickeln", sagte Trainer Julian Nagelsmann. Und nun? Volle Konzentration auf die Liga! Tipp: 2:0.

SV Werder Bremen - Bor. Mönchengladbach: Auch wenn Uli Hoeneß es nicht glauben mag: Mönchengladbach steht auf Platz zwei in der Tabelle, hinter dem BVB, aber eben noch vor den Münchnern. Zur Einstimmung der Versuch eines Gesprächs über die Lage der Liga nach dem 2:0 des FC Bayern gegen AEK Athen in der Champions League:

  • Journalist: "Also sehen Sie die Situation insgesamt gar nicht so kritisch, dass man jetzt Dritter in der Bundesliga ist?" - Hoeneß: "Meines Wissens sind wir Zweiter. Torverhältnis interessiert mich nicht." - Journalist: "Gladbach ist Zweiter." - Hoeneß: "Aber die haben doch nicht mehr Punkte als wir. Höchstens das bessere Torverhältnis, aber das interessiert mich nicht am zehnten Spieltag. Wollen wir darüber jetzt diskutieren?" Tja, worüber? Alter Schwede.

Tipp: Mönchengladbach gewinnt mit 2:1 in Bremen und bleibt auf Platz zwei in der Tabelle.

Fehlt immer noch: Nils Petersen.
Fehlt immer noch: Nils Petersen.(Foto: dpa)

SC Freiburg - FSV Mainz 05: Nach dem durchaus bemerkenswerten Unentschieden in München am vergangenen Spieltag müssen die Freiburger nun schon wieder auf Nationalspieler Nils Petersen verzichten. "Dass Nils nicht spielen kann, tut weh", sagt Trainer Christian Streich. Die Mainzer wollen den Schwung des Sieges gegen Bremen nutzen. "Wir dürfen uns jetzt nicht zufrieden zurücklehnen. Wir müssen weiter machen und Punkte holen", sagt Trainer Sandro Schwarz. Tipp: 2:1.

Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC: Da kommen unschöne Erinnerungen an das chaotische Relegationsrückspiel am 15. Mai 2012 auf. Nun spielen erstmals beide Klubs in der ersten Liga - und bei den Berlinern geht es rund. Der Streit zwischen Ultras und dem Verein hat mit der Anzeige "wegen Beleidigung und übler Nachrede" gegen Manager Michael Preetz eine neue Eskalationsstufe erreicht. Was sagt Trainer Pal Dardai? "Herthaner gegen Herthaner - das verstehe ich nicht." Sportlich heißt es: Fortuna gegen Hertha, 17. gegen Achter. Da urteilt Dardai mit Blick auf 2012: "Mit einer Wiedergutmachung müssen wir uns nicht beschäftigen. Das war damals eine andere Hertha." Tipp: 1:3

1. FC Nürnberg - VfB Stuttgart (alle Samstag, 15.30 Uhr): Für Katastrophentouristen dürfte das erstmals in dieser Saison ausverkaufte Max-Morlock-Stadion ein lohnendes Reiseziel sein. Wobei betont werden muss, dass die Nürnberger bereits exakt doppelt so viele Punkte haben wie der VfB. "Die Stuttgarter brauchen einen neuen Impuls, wir dürfen sie nicht zu ihrem Spiel finden lassen. Ich hätte vor der Saison nicht erwartet, dass sie mit mickrigen fünf Punkten am Tabellenende stehen", sagt Nürnbergs Trainer Michael Köllner. Tipp: 1:0.

RB Leipzig - Bayer 04 Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr): Die Partie im stimmungsvollen Celtic-Park haben die Leipziger verloren, nun könnte es eng werden mit der Zwischenrunde in der Europaliga. In der Bundesliga sieht es prima aus, das Team von Trainer Ralph Rangnick ist mittlerweile auf Platz vier angekommen. Die Leverkusener sind nach dem Sieg gegen Zürich in Europa schon einen Schritt weiter. "Solche Ergebnisse sind immer gut, um sich zusätzliches Selbstvertrauen zu holen", sagt Trainer Heiko Herrlich, der nun die Aufholjagd in der Liga einläuten will: "Ich hoffe, dass uns das Ergebnis einen Schub für Leipzig gibt." Tipp: 2:0.

Eintracht Frankfurt - FC Schalke 04 (Sonntag, 18 Uhr): Einen Moment lang stand Adi Hütter, der Trainer der Frankfurter Eintracht, am Donnerstagabend alleine zwischen seinen Spielern auf dem Rasen und den 5000 Fans auf der Tribüne. "Ein toller Moment", sagte der Österreicher nach dem Einzug in die nächste Runde der Europaliga: "Sie haben darauf gewartet, dass ich mal in die Kurve gehe." Vorgenommen hatte er sich den Weg Richtung Auswärtsblock schon vor dem 3:2 (1:0) bei Apollon Limassol. "Ich merke, dass ich mehr und mehr in Frankfurt ankomme und mich die Fans schätzen", sagte Hütter, der seit dem Sommer Erstaunliches vollbracht hat. Trotz der vielen Abgänge im Sommer spielt der DFB-Pokalsieger inzwischen wieder wie eine Spitzenmannschaft. Tipp: 2:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Nein, ich lebe wie Jörg in Wolfsburg." Geschäftsführer Jörg Schmadtke im Interview mit dem "Sportbuzzer" auf die Frage, ob er aufgrund der finanziellen Voraussetzungen beim VfL wie Gott in Frankreich lebe.

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Quelle: n-tv.de