Fußball

So läuft der 22. Spieltag BVB pfeift auf Fairplay, Bayern zählt Millionen

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Manuel Neuer lässt sich das Spiel gegen die Kölner vermutlich nicht entgehen. Auch nicht wegen eines Virus'.

(Foto: imago images/Philippe Ruiz)

Freundlich kann ja jeder, heißt die Devise bei Borussia Dortmund - und will jetzt dreckig spielen. Sonst ist die Meisterschaft der Fußball-Bundesliga dahin. Der FC Bayern träumt derweil von internationalen Weihen und RB Leipzig hat schon Mitleid mit dem Gegner aus Bremen.

Was macht der FC Bayern?

Hinter den Kulissen wird womöglich schon das große Geld verteilt oder zumindest verplant. Denn der FC Bayern darf sich beste Chancen ausrechnen, bei der Premiere der reformierten Klub-Weltmeisterschaft dabeizusein. Wie das ZDF berichtet, locken allein 50 Millionen US-Dollar als Antrittprämie, der Sieger soll 115 Millionen US-Dollar erhalten. Bei so viel Kohle ist schon mal ein neuer Spieler drin - in der heutigen Transfermarkt-Zeit womöglich auch nur ein halber. Sei's drum, die Münchner wird's freuen, hat sich doch ihr Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ohnehin schon zufrieden gezeigt ob der Fifa-Reform. Und was bedeutet das für die Fußball-Bundesliga? Pessimistisch gesagt, dass der deutsche Rekordmeister noch weiter abrückt von den anderen Teams. Ein so spannender Meisterschaftskampf wie in dieser Saison könnte dann wieder ausbleiben.

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Ob Jhon Cordoba seine Torserie fortführt?

(Foto: imago images/Herbert Bucco)

Wobei natürlich auch derzeit der FC Bayern die besten Chancen auf den achten Titel in Folge hat - als Tabellenführer mit einem knappen Punkt Vorsprung auf RB Leipzig. Aber da es eben nur ein kleiner Punkt ist und die beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach mit nur vier Punkten zurück ebenfalls noch dicht dran sind, wäre noch jeder Ausrutscher zu viel. Beim 1. FC Köln ist ein solcher Fauxpas allerdings nicht zu erwarten, ist doch der Aufsteiger als 13. kein echter Konkurrent. Seit elf Duellen konnten die Kölner nicht mehr gewinnen, die Münchner dagegen holten in diesen Partien 31 der 33 möglichen Punkte. Brenzlig könnte es am 22. Spieltag nur werden, sollte Manuel Neuer durch seinen Magen-Darm-Virus noch zu geschwächt sein, um am Sonntag um 15.30 Uhr (alle Spiele im ntv-Liveticker) mitzuwirken. Denn dann trifft ein uneingespielter Ersatz - Sven Ulreich - auf einen höchst eingespielten Stürmer Jhon Cordoba, der in den vergangenen sechs Heimspielen alle seine sieben Saisontore erzielte. Da Trainer Hansi Flick jedoch bereits verlauten ließ, dass Neuer wohl "am Sonntag wieder fit ist" ... Tipp: Cordoba trifft zwar, aber 1:4

Wie findet der BVB seine Zweikampfstärke wieder?

"Ausgerechnet Eintracht Frankfurt", wird sich BVB-Cheftrainer Lucien Favre gedacht haben. Nach zwei Niederlagen in Folge (2:3 gegen Werder Bremen im Pokal und 3:4 gegen Bayer Leverkusen in der Liga) spricht alles in Dortmund über schwarz-gelbe Abwehrschwächen und mangelhaftes Zweikampfverhalten. Und jetzt kommt die SGE zu Besuch, die wie kaum eine andere Mannschaft in Deutschland für Robustheit, Härte und aggressiv geführte Zweikämpfe steht. BVB-Sportdirektor Michael Zorc nahm unter der Woche seine Spieler in die Pflicht, nicht nur schön zu spielen, wie die Borussia es manchmal in Perfektion betreibt, sondern auch mal dreckig: "Wir führen die Fairplay-Tabelle an. Aber dafür gibt es keine Punkte."

Allerdings gilt Frankfurt als echter Favoritenschreck und hat in dieser Saison schon die Bayern und Leipzig geschlagen. Im Jahr 2020 ist die Eintracht sogar noch ungeschlagen und beim BVB fallen Kapitän Marco Reus und Mittelfeldstratege Julian Brandt weiter aus. Aber es gibt auch Fakten, die die Borussia optimistisch stimmen können: Von den vergangenen 28 Heimspielen an einem Freitagabend verloren die Schwarz-Gelben kein einziges. Außerdem gewannen sie gegen die Eintracht vor eigener Kulisse zuletzt acht Mal in Serie. Favre wird trotzdem wieder angezählt - und könnte ausgerechnet gegen Frankfurts Trainer Adi Hütter ausgetauscht werden, wie die "WAZ" berichtet. Demnach soll der Österreicher eine Ausstiegsklausel in seinem bis 2021 laufenden Vertrag besitzen. Allerdings droht Favre wohl erst das endgültige Aus, sollte die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten, so der "Kicker". Und Favre, der auf die anhaltende Kritik wie immer wenig bis gar nicht reagiert, hatte dann noch etwas Positives zu berichten: "Die Stimmung im Training war heute sehr gut." Mentalitätsmäßig könnte das ja aber fast zu nett und zu wenig dreckig rüberkommen. Tipp: Gegen Frankfurt reicht es trotzdem, Haaland, Sancho und Co. bringen der SGE beim 2:1 die erste Niederlage des Jahres bei.

Was passiert beim Tabellendreher-Duell Leipzig-Werder?

Junge Bundesliga-Trainer müssen schließlich zusammenhalten. Und so lobte der 32-jährige RB-Coach Julian Nagelsmann sein Gegenüber von Werder Bremen, Florian Kohfeldt, mal eben zu einem "der fähigsten Trainer". Er leide mit dem 37-Jährigen, dessen Mannschaft auf dem 17. Tabellenplatz nur noch einen Platz vom Tabellenende entfernt ist. Die Leipziger ebenfalls, als Zweiter allerdings am anderen Ende des Tableaus. "Willst du Werder oben sehen, musst du die Tabelle drehen", wird sich der RB-Trainer also vielleicht zusätzlich noch gedacht haben und trotz aller Kohfeldt-Sympathie wohl auf eine Fortsetzung der Werder-Krise hoffen. Dafür soll 20-Tore-Mann Timo Werner sorgen, der unter der Woche mit Jürgen Klopps FC Liverpool in Verbindung gebracht wurde.

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Clemens Fritz bei der Fußpflege - irgendwie schwer vorstellbar oder?

(Foto: imago images/Joachim Sielski)

Um die Krise möglichst schnell ein wenig abebben zu lassen, fuhr Werder am Mittwoch extra noch in ein Kurz-Trainingslager in Leipzig. Kohfeldt nahm dafür eigens den im Abstiegskampf erprobten Clemens Fritz mit an Bord. Der frühere Kapitän, der mittlerweiel die Scouting-Abteilung leitet, soll die Spieler einschwören auf das, was sie in den nächsten Monaten erwartet - und was sie in den vergangenen Wochen verpasst hatten anzunehmen. In der Leipziger Nobelunterkunft der Werderaner können die Profis auch auf Fußpeeling mit Aprikosenkernen zurückgreifen, wahlweise auch auf Black Hot Stones. Das gab es bei Fritz sicher noch nicht. Tipp: Doch auch mit sanft-glatten Fußsohlen kickt Werder nicht besser als zuvor, 3:1 für Leipzig.

Was steht sonst noch an?

1. FC Union Berlin - Bayer 04 Leverkusen: Die Leverkusener reisen mit der Rest-Euphorie vom 4:3-Sieg gegen den BVB nach Berlin. Mit dem Achtungserfolg sind die Leverkusener den Dortmundern bis auf zwei Punkte auf die Pelle gerückt. Die Berliner empfangen sie allerdings mit dem 2:0-Sieg in Bremen im Rücken. Und die Leverkusener mit Trainer Peter Bosz sollten sich vom Hinspiel, das sie 2:0 gewannen, nicht täuschen lassen. Denn da hat das Team nicht die Heimstärke der Unioner zu spüren bekommen. Sechs der acht Siege des Aufsteigers stammen aus dem Stadion an der Alten Försterei. Auswärts stünden sie nur auf Platz 15, zu Hause dagegen reicht es für Platz acht der Tabelle. Das wird auch in der Tordifferenz deutlich. Minus zehn in der Fremde - plus drei in der Heimat. Allerdings spielen die Leverkusen eben auch lieber auswärts, zeigen die Plätze sieben in der Heim- und drei in der Auswärts-Tabelle. Es wird eng - die Statistik spricht leicht für Bayer, die alle drei bisherigen Pflichtspiele (1x Bundesliga, 2x Pokal) für sich entscheiden konnten. Tipp: 1:2

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FC Augsburg - SC Freiburg: Freiburgs Robin Koch sah am vergangenen Spieltag gegen die TSG Hoffenheim gar nicht gut aus. Nicht, weil der Nationalspieler patzte, sondern weil er sich eine üble Platzwunde am Kopf zugezogen hatte, als er nach einem Zweikampf gegen die Werbebande prallte. Das hindert den 23-Jährigen aber in dieser Woche schon nicht mehr daran, zu spielen, so sein Trainer Christian Streich: "Die Wunde ist gut vernäht worden." Ein Einsatz gegen den FC Augsburg ist also möglich für Koch. Als Innenverteidiger wird er es dann mit Florian Niederlechner zu tun bekommen. Der spielte in der vergangenen Saison noch unter Streich in Freiburg. Für Augsburg hat er in dieser Saison bereits elf Tore geschossen - Freiburgs Bester in der Torjägerliste ist Nils Petersen mit acht Treffern. Doch während Freiburg mit dem 1:0-Sieg gegen Hoffenheim die kleine Talfahrt stoppte, kassierte Augsburg zuletzt eine 5:0-Klatsche in Frankfurt - und doch betonte Streich: Die Teams "liegen nicht so weit auseinander". Tipp: 1:2

SC Paderborn - Hertha BSC: Die Post-Klinsmann-Ära ist bei Hertha BSC angebrochen. Weil ihr Chef sich einfach aus dem Staub gemacht hat, sind nun die bisherigen Co-Trainer Alexander Nouri und Markus Feldhoff in der Pflicht - vorerst. Denn eigentlich ist der Tabellen-14. auf der Suche nach einem Chefcoach mit "Strahlkraft", so wie sie Klinsmann hatte. Doch dazu sollten auch sportlicher Erfolg und weniger emotionale Ausbrüche und vorschnelle Entscheidungen kommen. Nun, eine solche Person ist auf dem freien Fußball-Markt wohl nicht so schnell zu finden. Und so geht es im Abstiegskampf-Spiel gegen den 18. aus Paderborn mit den bisherigen Vertretern. Denen attestiert Sport-Geschäftsführer Michael Preetz, dass man "überzeugt" sei, "dass wir die nötigen Punkte holen werden." Bei so viel Wirbel tut der gegnerische Trainer Steffen Baumgart gut daran, ganz bei sich zu bleiben. "Ich kann eh nicht beeinflussen, wie der Gegner spielt", sagt er - und hat damit völlig Recht. Und so kann er nicht verhindern, dass Hertha-Neuzugang Matheus Cunha erstmals im Kader stehen wird. Tipp: 1:2 - die Verwunderung über den Klinsmann-Abgang schweißt zusammen.

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Glasner und sein Team ziehen kommunikationstechnisch nicht an einem Strang.

(Foto: imago images/Christian Schroedter)

TSG Hoffenheim - VfL Wolfsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Wer sich stilecht auf diese Partie einstimmen möchte, könnte bereits am Freitagabend einschalten - dann empfängt nämlich die TSG Hoffenheim schon einmal den VfL Wolfsburg: In der Frauen-Bundesliga. Es ist ein echtes Spitzenspiel, denn die Wolfsburgerinnen führen die Tabelle vor Hoffenheim an. Davon können die Männer nur träumen. Während die TSG auf Platz sieben rangiert, haben die Wolfsburger fünf Punkte weniger und liegen auf Rang zehn. VfL-Trainer Oliver Glasner aber hat überhaupt keine Lust auf schlechte Laune und betonte: "Der VfL spielt jetzt die 23. Saison in der Bundesliga und hat sich sechs Mal für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert." Da es erst zwei Mal geglückt sei, "sich nach einer Europacup-Teilnahme im Jahr darauf gleich wieder für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren", sei das doch kein Grund für aktuelle Kritik. Allerdings hatten einige seiner eigenen Spieler zur Winterpause noch Europa als Ziel ausgegeben. Da scheint es an der internen Ausrichtung zu hapern. Die Frauen des Klubs lösen das souveräner. Nicht nur, weil sie zuletzt dreimal in Folge das Double gewannen. Tipp: 2:1

Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 18.30 Uhr): Das Rheinische Derby am vergangenen Spieltag hat Sturmtief "Sabine" abgeblasen, es wird am 11. März nachgeholt. Als kleine Entschädigung steht für Borussia Mönchengladbach nun das Derby gegen Fortuna Düsseldorf an. Für Uwe Rösler stehen die Chancen also nicht allzu gut, im vierten Spiel mit ihm als Fortuna-Cheftrainer endlich einen Liga-Sieg feiern zu können. Denn auch wenn beide Stadien keine 40 Kilometer voneinander entfernt liegen - in der Tabelle trennen die beiden Klubs Welten. Einerseits die Borussia, die noch immer Außenseiterchancen auf die Meisterschaft hat und mit 39 Punkten derzeit Rang vier belegt. Andererseits die Düsseldorfer auf Rang 16, mit satten 22 Punkten weniger. Tipp: 0:3

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Robin Quaison würde bei weiteren Toren sicherlich mit weiteren Umarmungen belohnt.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

1. FSV Mainz 05 - FC Schalke 04 (Sonntag, 18 Uhr): Wir lehnen uns weit aus dem Fenster: Die historische Serie von Mainz reißt nicht. In den ersten 21 Spieltagen spielten sie nie Remis. Und treffen nun mit dem FC Schalke 04 auf das Team, das in dieser Saison bereits acht Unentschieden kassierte - also die meisten. Doch auch wenn die Mainzer dank Robin Quaisons Dreierpack bei Hertha BSC 3:1 gewannen und die Schalker nur 1:1 gegen den Tabellenletzten Paderborn spielten, sind die Chancen klar verteilt. Die Mainzer kämpfen als 15. gegen den Abstieg, die Schalker stehen auf Platz sechs, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Allerdings müssen die Gelsenkirchener aufpassen, sie sind in den vergangenen drei Bundesliga-Partien sieglos. Ein viertes Spiel in Serie davon - und es wäre eine unschöne neue Erfahrung für Trainer David Wagner. Tipp: Soweit kommt es nicht, 0:1

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Man kann den Bayern ein Bein stellen, wenn man es trifft." (Kölns Manager Horst Heldt vor dem Duell mit dem FC Bayern.)

So eng war es im Kampf um die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga lange nicht. Nur ein Punkt trennen den FC Bayern und RB Leipzig, nur weitere drei zurück liegen die beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach gleichauf. Der Abstiegskampf ist ähnlich eng. Fortuna Düsseldorf hat 17 Punkte und ist 16. - aber nur dank eines einzigen Tores, das Werder Bremen weniger hat. Schlusslicht ist der SC Paderborn mit nur einem Punkt weniger.

Quelle: ntv.de