Fußball

So läuft der zehnte Spieltag Bayern will's einfach, Berlin den Derby-Sieg

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"Guck mal, ist doch eigentlich ganz einfach." Ob Thomas Müller Niko Kovac' philosophische Ausführungen versteht?

(Foto: imago images/Sven Simon)

Bayern-Trainer Niko Kovac lobt vor dem Spiel bei Frankfurt die Eintracht-Fans und philosophiert sich in Einfachheits-Rage. Der BVB will gegen die Wölfe klettern, die wiederum "die wilde Sau" rauslassen wollen. Hertha und Union kämpfen um die Hauptstadt-Krone.

Was macht der FC Bayern?

Der FC Bayern gewinnt zwar wieder, aber äußerst mühsam und wirklich nicht ansehnlich. Coach Niko Kovac hat deshalb das Allheilmittel ausgerufen: einfacher Fußball. Klare Zweikampfführung, sauberes Passspiel. Damit sollen seine Spieler wieder Souveränität entwickeln. "Back to the roots" nennt Kovac das. "Wenn man es einfach hält, dann wird man auch erfolgreich sein." Aber ob es so einfach ist mit dem einfachen Fußball? Vielmehr macht es sich Kovac derzeit oft zu einfach, wenn er die Verantwortung für Misserfolge einzig auf seine Spieler schiebt. Ganz und gar nicht einfach dürfte dafür der Gang in die Kabine für den Bayern-Trainer sein, denn es soll laut "Kicker" eine "Kluft" Spieler und Coach trennen.

Einfach "besonders" wird aber Kovac' Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte in Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de), wie er sagt. Der Bayern-Coach erklärte auch noch fix seine Liebe zu den Eintracht-Fans, "die besten der Liga", aufgrund deren tollen Choreos, aber: "Letzten Endes muss ich sagen, dass wir auch klasse Fans haben." Überzeugung hört sich anders an. Man darf also einfach gespannt sein, was die Frankfurt-Fans diesmal beim Spiel gegen die Münchner auf die Beine stellen und wie sie auf die Aussagen reagieren. Einfachheitshalber hat sich die SGE schnell mal die Heimstatistik gegen die Bayern zurechtgelegt: Dort führt die Eintracht mit 18 zu 14 Siegen bei 16 Unentschieden. Was sagt Kovac dazu? "Die Einfachheit ist die Schwierigkeit", philosophiert der Trainer: "Darin liegt auch die Schönheit." Na dann: Genug geredet, einfach mal rausgehen und Fußball spielen. Tipp: 1:3, weil Statistiken einfach auch mal falsch liegen und weil Robert Lewandowski jetzt im Pokal schon ein Spiel Pause mit dem Toreschießen gemacht hat und er sicher nicht ein zweites hinzukommen lassen wird.

Was macht Borussia Dortmund?

Die Schwarzgelben empfangen eine von vier Mannschaften, die sie in der Tabelle gerne überholen würde. Zumindest, wenn das vor Saisonstart ausgegebene Ziel "Meisterschaft" noch aktuell ist. Als Fünfter reichte es derzeit nur zur Europa League, das wiederum fiele definitiv unter "Ziel verfehlt". Also sollte ein Sieg für den BVB gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr). Problem: Die Wölfe sind als einziges Team in der Liga ungeschlagen. Die Ergänzung "in der Liga" ist seit Mittwoch notwendig. Da verabschiedete sich der VfL mit einem 1:6 (0:1) gegen Leipzig aus dem DFB-Pokal.

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"In Österreich würde man sagen, wir haben wilde Sau gespielt", sagte Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner mit Blick darauf, dass es bis zur 55. Minute 0:1 stand und in der 61. Minute das 0:4 fiel. Nicht ganz so lange brauchte Dortmunds Julian Brandt im Borussia-Duell, um aus 0:1 ein 2:1 zu machen. Coach Lucien Favre ging das zu schnell, er zog sich beim Jubeln einen Muskelfaserriss zu. Der BVB steckt weiter in der Krise, spielerisch ist es zurzeit meist mau. Die Wölfe haben zwar in der Liga noch kein Spiel verloren, von den bisherigen Gegnern steht allerdings nur einer in der oberen Tabellenhälfte. Klingt nicht nach einem Leckerbissen, der da im Westfalenstadion serviert wird. Mal gucken, wer die wilde Sau rauslässt. Tipp: 1:1 - auch weil Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer seine Aussage nach dem Pokalspiel nicht ernst meinte. Da erklärte er nämlich: "Ich werde jetzt jeden köpfen, na klar." Wobei der Auftritt davor auch so schon kopflos wirkte.

Wie läuft das Berliner Derby?

Es ist das erste Duell dieser Berliner Klubs in der Bundesliga-Historie. Beide waren unter der Woche erfolgreich und dürfen im Pokal überwintern. Union gar zum ersten Mal seit 19 Jahren. Die Eisernen hatten weitaus weniger Probleme mit dem schwierigeren Los (SC Freiburg) als die Alte Dame mit ihrer Aufgabe (Dynamo Dresden), haben einen Tag mehr Pause und wollen den Schwung mit ins heimische Derby (Samstag, 18.30 Uhr) nehmen. Auch auf die knappe Niederlage gegen den FC Bayern kann Union aufbauen, taktische Flexibilität (mal eine Viererkette in der Abwehr mit drei zentralen Mittelfeldspielern, mal eine variable Dreier- beziehungsweise Fünferkette) macht die Köpenicker schwer ausrechenbar. Die Hertha hat dafür das mentale Momentum auf ihrer Seite nach dem emotionalen Sieg im Elfmeterschießen.

Die Berliner Polizei macht sich derweil auf das Schlimmste gefasst und bereitet sich akribisch auf das Risikospiel vor. Beide Fanlager pflegen ihre Rivalität und sollen daher getrennt anreisen. 2000 Hertha-Fans haben Tickets erhalten, Köpenick wird abgeriegelt. Auch auf den Tribünen wird es hoch hergehen. Union-Kapitän Christopher Trimmel freut sich auf das Derby: "Diese Spiele haben einen eigenen Charakter und wir Spieler müssen diese Stimmung aufsaugen." Aber er fordert zugleich: "Ich habe in den letzten Jahren immer gehofft, dass dieses Derby wieder stattfindet und es ist wichtig, dass es ein Fußballfest wird, ohne Gewalt." Tipp: 1:2, Hertha jubelt in Köpenick.

Was ist sonst noch los?

TSG Hoffenheim - SC Paderborn (Freitag, 20.30 Uhr): Bei der TSG Hoffenheim läuft's. Der 2:0-Erfolg beim MSV Duisburg und der damit verbundene Einzug ins Pokal-Achtelfinale war der vierte Sieg in Folge: Erst in München (2:1), dann gegen Schalke (2:0), bei Hertha (3:2) und jetzt beim Drittligisten. Und weil der Spieltermin am Freitag auf den 1. November fällt, ist Hoffenheim somit den kompletten Oktober unbesiegt geblieben. "Wir haben immer gesagt, wir sind auf einem guten Weg", sagte Hoffenheims Coach Alfred Schreuder. Gelingt das auch gegen das Tabellen-Schlusslicht aus Ostwestfalen, könnte die TSG von Platz zehn zumindest vorübergehend bis auf Platz fünf springen. Paderborn dagegen gelang vor Wochenfrist gegen Düsseldorf der erste Sieg im neunten Bundesliga-Spiel der Saison. SCP-Trainer Steffen Baumgart drückte seine Hoffnung folgendermaßen aus: "Wir müssen sehen, wer bis Freitag fit wird." Tipp: Hoffenheim siegt weiter, diesmal mit 3:0.

RB Leipzig - FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr): Kaum werden die ersten Zweifel an Julian Nagelsmann und seinem Beitrag zum Projekt RB Leipzig laut, da schlagen die selbsternannten Roten Bullen zu. Das 6:1 war zwar einerseits sehr deutlich, aber andererseits auch doch erst der zweite Sieg aus den vergangenen sieben Spielen. Trotzdem sagte der junge RB-Coach: "Ich glaube, dass jeder in diesem Verein so intelligent ist und weiß, dass man mir vertrauen kann und sollte." Womit das auch geklärt wäre. Für einen ist die Situation aber weiterhin "total, total, total unzufriedenstellend" - für Ersatzkeeper Yvon Mvogo. Der durfte zwar im Pokal ran, ist sonst aber klar die Nummer zwei hinter Peter Gulacsi. Die Mainzer dagegen befreiten sich mit dem 3:1-Erfolg über Köln in der Vorwoche, es war der dritte Sieg im vierten Duell mit einem direkten Konkurrenten. Nach dem Erstrundenaus im Pokal blieb FSV-Coach Sandro Schwarz am Mittwoch nur übrig, sich zu amüsieren. Über seinen guten Freund Marco Rose, seines Zeichens Coach in Mönchengladbach. Der sah als erster Coach im Pokal Rot - in der Liga war Schwarz mit Gelb-Rot der erste Trainer, der vom Platz flog. "Wir haben uns nicht abgestimmt", beteuerte Schwarz. Tipp: 2:0

Bayer Leverkusen - Borussia Mönchengladbach (Samstag, 15.30 Uhr): Der Spitzenreiter der Bundesliga kommt noch immer aus Mönchengladbach. Unter der Woche dominierte die Borussia die aus Dortmund über lange Phasen des Pokalspiels. Die späte Niederlage nach der Drei-Minuten-Magie von Julian Brandt könnte aber das Selbstbewusstsein der Fohlen angeknackst haben. Wird Marco Rose seine Gemüter diesmal zügeln können? Im Pokal erhielt der Trainer eine Rote Karte. Leverkusen wartet vor dem 75. rheinischen Duell seit drei Bundesliga-Spielen auf einen Sieg. Aber die Werkself liegt auch nur vier Punkte hinter dem Tabellenführer. In der vergangenen Saison konnte Gladbach beide Ligaspiele gewinnen, wurde aber von Leverkusen im Pokal 5:0 zerlegt. Gewonnen hat Bayer 04 diese Woche immerhin schon mal: den Digital Champions Award im Bereich "Digitale Prozesse und Organistation". Blöd nur, dass Fußball noch analog prozessiert wird. Tipp: 0:0. Warum? Gefühlssache.

Werder Bremen - SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr): Werder kann doch noch gewinnen: Für die Grün-Weißen kam die Pokalrunde gerade recht, denn nach einer schier endlosen Unentschieden-Serie in der Bundesliga konnte Bremen beim 4:1 gegen Heidenheim endlich mal wieder einen Sieg eintüten. Der Gast aus Freiburg stolperte zwar im Pokal über Union Berlin, ist aber seit fünf Spielen gegen Werder ungeschlagen. Ohnehin stehen die Breisgauer in dieser Saison weitaus besser da als die Nordlichter. Allerdings: Mit Waldschmidt, Höfler und Keeper Schwolow fallen wohl drei Stützen aus. "Wahrscheinlich geht's am Samstag nicht, aber wir wollen bei allen drei noch abwarten", sagt SC-Trainer Christian Streich. "Unmöglich ist es nicht." Tipp: 2:1-

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Fortuna Düsseldorf - 1. FC Köln (Sonntag, 15.30 Uhr): Das Schicksal spielt in Düsseldorf. Also, das von Achim Beierlorzer. Der Effzeh-Trainer steht nicht erst seit dem Pokal-Aus in der Kritik, das 2:3 beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken könnte aber der Anfang seines Endes in der Domstadt sein. Laut "Bild"-Zeitung bleiben ihm die Spiele in Düsseldorf und in der kommenden Woche gegen Hoffenheim, um Geschäftsführer Armin Veh zu überzeugen. Der übrigens geht auf jeden Fall, und zwar im Sommer 2020. "Ich habe in einem Kommentar gelesen, dass ich nur an mich denke", ließ Veh verlauten. "In dem Fall stimmt's sogar. Weil es für mich eine entscheidende Entscheidung ist. Da wüsste ich nicht, an wen ich da sonst denken soll." Fußball kann so ehrlich sein. Aber zurück zum Sonntag, zurück nach Düsseldorf. Es ist das erste Derby dieser rheinischen Vereine seit mehr als 22 Jahren. Zuletzt trafen sich beide Klubs in der Saison 1996/97 in der Eliteklasse, damals siegte Köln auswärts 3:0 und zu Hause 2:0. Das wird sich diesmal ändern. Sagt zumindest Düsseldorfs Alfredo Morales: "Die werden keine Chance haben, hier etwas zu holen." Tipp: Wir glauben das einfach mal, Düsseldorf gewinnt 2:1.

FC Augsburg - FC Schalke 04 (Sonntag, 18 Uhr): Ausnahmsweise gibt es mal gute Nachrichten beim Tabellenvorletzten aus Augsburg. Der Kapitän Daniel Baier kehrt zurück und soll dem FCA Struktur und Stabilität verleihen. Beides kann die zweitschlechteste Abwehr der Liga (21 Gegentore) gebrauchen. Beim 0:0 gegen Wolfsburg behielt man immerhin zum ersten Mal eine weiße Weste. Allein mit Stabilität gewinnt man allerdings keine Spiele, das weiß auch der Kapitän. Man wolle "vorne dazu ein Tor schießen". Der Augsburger Plan steht also. Schalke 04 will nach drei Spielen ohne Erfolg endlich mal wieder einen Dreier erringen, damit die Anfangseuphorie der Saison nicht ganz verpufft. Der Anfang gestaltete sich auch im Pokalspiel bei Arminia Bielefeld butterweich, mit 3:0 führten die Knappen zur Pause. In der Schlussphase ließen die Schalker aber erschreckend nach, fingen sich noch zwei Treffer und konnten den Sieg gerade so über die Zeit bringen. "Die letzten 15 Minuten waren die schlechtesten der Saison", sagte Keeper Alexander Nübel. Mal schauen, wo die Königsblauen am Sonntag weitermachen: Am Anfang oder am Ende. Tipp: 1:2.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Schreibt doch einfach 'FC Bayern' in die Überschrift und lasst das Blatt darunter dann leer." Bayern-Torwart Manuel Neuer glaubt nach einer abermals müden Perfomance seiner Mannschaft im Pokal in Bochum, dass Journalisten über "unsere Leistung" derzeit nichts weiter schreiben müssten. Haben wir aber trotzdem getan!

Quelle: ntv.de