Fußball

Die Lehren des 26. Spieltags FC Bayern spaziert, BVB quält sich, Liga lebt

Wenn der FC Bayern Spaß beim Fußball hat, kann es derzeit für die Gegner bitter werden. Zumindest in der Bundesliga.

Wenn der FC Bayern Spaß beim Fußball hat, kann es derzeit für die Gegner bitter werden. Zumindest in der Bundesliga.

(Foto: imago images / Xinhua)

Die Bundesliga begeistert: Borussia Dortmund und der FC Bayern gestalten ihren Weg zum Meisterschafts-"Endspiel" in München überaus unterschiedlich, aber erfolgreich. Auf Schalke ist alles wie früher und Thomas Doll hat sich in Augsburg keinen Gefallen getan.

1. In der Liga macht dem FC Bayern keiner was vor

Das mit der Champions League hat in dieser Saison nicht ganz so gut geklappt wie sonst, war ja auch blöd, dass der Gegner im Achtelfinale gleich FC Liverpool hieß. In der Fußball-Bundesliga aber macht dem FC Bayern mittlerweile keiner mehr etwas vor. Dem 6:0 gegen den VfL Wolfsburg am 25. Spieltag ließen die Münchner nun am 26. Spieltag ein ebenso lustvolles 6:0 gegen einen ebenso harmlosen 1. FSV Mainz 05 folgen. Damit bleiben sie an der Tabellenspitze. So recht mag niemand glauben, dass die Mannschaft von Trainer Niko Kovac sich das in den verbleibenden acht Partien noch aus der Hand nehmen lässt.

Es ist keine allzu gewagte Prognose, dass spätestens am 18. Mai feststeht: Der deutsche Fußballmeister heißt zum siebten Mal in Folge FC Bayern München. Und im DFB-Pokal sind die Münchner ja auch noch dabei, am 3. April geht's im Viertelfinale im eigenen Stadion gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim. Noch aber sind sie punktgleich mit der Dortmunder Borussia, nur das bessere Torverhältnis hält sie auf Platz eins. Der Trend spricht aber klar für die Münchner, die vor nicht allzu langer Zeit noch neun Zähler hinter dem BVB standen. So durfte Klubpräsident Uli Hoeneß unwidersprochen konstatieren: "Ich finde, dass wir im Großen und Ganzen seit etwa drei Monaten sehr guten Fußball spielen." Zumindest für die Liga trifft das zu. Und da kommt es in knapp drei Wochen am 8. April zum Gipfeltreffen gegen die Dortmunder. Die Frage ist, ob die bis dahin durchhalten und dranbleiben.

2. Der BVB hat durchaus das Potenzial

Während die Bayern also von Kantersieg zu Kantersieg spazieren, müssen die Dortmunder deutlich mehr investieren, um Schritt zu halten. Das 3:2 bei der Berliner Hertha war ein Kraftakt. Kapitän Marco Reus, dem in der Nachspielzeit der Siegtreffer gelang, sagte beim Bezahlsender Sky: "Wir wissen schon, dass es momentan nicht so leichtfüßig geht wie in der Hinrunde." Nun sind sie beim BVB verständlicherweise geneigt, diesen Last-Minute-Sieg so zu interpretieren, dass das genau die Spiele sind, die eine Mannschaft gewinnen muss, wenn sie Meister werden will. Und der Titel ist das Ziel, das hatte Sportdirektor Michael Zorc vor dem Spiel gesagt und auch hinterher noch einmal betont. Da ist auch was dran, das Potenzial, am Ende ganz oben zu stehen, haben die Dortmunder durchaus, an Talent und Willen fehlt es nicht. Die zweite Halbzeit im Olympiastadion war das Beste, was die Mannschaft von Trainer Lucien Favre seit langer Zeit gezeigt hat. Aber haben sie auch die Reife? Das noch größere Problem aber ist, dass das alles nichts bringt, wenn die Münchner so weitermachen.

3. Die Bundesliga lebt, und das ganz gut

In der vergangenen Woche war von Tiefpunkten, tieferen Tiefpunkten und grundsätzlich vom völligen Zusammenbruch des Systems Bundesliga die Rede. Es entstand der Eindruck: Der deutsche Fußball ist am Ende, Europa hat "uns" längst abgehängt. Und alles nur, weil in den kontinentalen Wettbewerben ab dem Viertelfinale aus deutscher Sicht nur noch ein einsamer Adler seine Kreise zieht. Ein Blick auf die Tabelle aber verrät: Die Liga ist so lebendig wie seit vielen Jahren nicht mehr, es gibt sogar die Idee eines offenen Zweikampfes um die Meisterschaft - und das noch bis in den April hinein.

Werder Bremen jubelt sich nach Europa - vielleicht.

Werder Bremen jubelt sich nach Europa - vielleicht. Darauf hoffen: Max Kruse, Marco Friedl und Martin Harnik.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Dahinter wird es sogar noch spannender: Von Woche zu Woche rücken die Europa-Aspiranten enger zusammen, bis zur TSG Hoffenheim auf Rang neun gibt es sieben Vereine, die sich noch ergebnisoffen um zwei Champions-League- und zwei Europa-League-Plätze bewerben. Das Tableau ist dynamisch, Tendenzen und Vorhersagen lassen sich kaum verlässlich treffen. Welchen deutschen Fußballfan interessiert bei dieser Gemengelage, ob der FC Bayern in den nächsten fünf Jahren noch einmal PSG oder ManCity wird schlagen können - außer denen halt, die gerne die Lederhosen anbehalten?

Und im Keller kämpfen große Traditionsvereine mit einer gewaltigen Anhängerschar ums sportliche Überleben. Der FC Schalke 04 kämpft mit sich selbst, Hannover 96 mit dem Schiedsrichter, der VfB Stuttgart gerade recht erfolgreich und der 1.FC Nürnberg wohl vergeblich. Die Bundesliga ist nicht trister Alltag, sondern das Rückgrat des deutschen Fußballs. Sie ist kein Durchlauferhitzer für die Bald-Welt-Liga-Teams, sondern für die große Mehrheit der Fans das Spielfeld, auf dem die fürs Gemüt wichtigen Entscheidungen ausgefochten werden. Kein Tiefpunkt in Sicht.

4. Huub Stevens ist und bleibt Huub Stevens

Als Huub Stevens während seiner ersten Schalke-Amtszeit das Mantra "Die Null muss stehen!" etablierte, ging es in Gelsenkirchen noch um Titel, unvergessen ist die magische Nacht von Mailand, als Marc Wilmots seinen Klub zum Uefa-Cup-Sieg und damit in den königsblauen Fußball-Himmel schoss. Die Zeiten haben sich geändert, das Mantra blieb. In Spiel eins nach Domenico Tedesco startete Stevens gegen RB Leipzig seine Rettungsmission mit bewährten Mitteln, sprich mit geordneter Defensive alter Prägung.

Huub Stevens will den FC Schalke 04 retten - mit dem Huub-Prinzip.

Huub Stevens will den FC Schalke 04 retten - mit dem Huub-Prinzip.

(Foto: imago images / Moritz Müller)

Benjamin Stambouli gab den zurückgezogen Sechser, Nebenmann Suat Serdar ist auch kein Kreativgeist und mit der Nominierung von Sebastian Rudy als Achter verzichtete Stevens ebenfalls auf ein Überraschungsmoment. Das alles sind legitime Maßnahmen, vor allem gegen eine konterstarke Mannschaft wie RB Leipzig - und es funktionierte. Der Holländer stabilisierte das Team wieder, das Ensemble brach auch nach dem Rückstand nicht auseinander wie zuletzt so häufig. Schalke lebt.

Das Problem: Die Null steht weiterhin, denn die defensive Sicherheit führte auch am Wochenende zu zu wenigen offensiven Lichtblicken. Wer Spiele gewinnen will, auch das darf als Mantra gelten, muss irgendwann ein Tor schießen, sonst droht der Super-GAU Relegation. Nach der Länderspielpause geht es für Stevens Eleven zum Tabellenvorletzten nach Hannover. Die Niedersachsen trafen in der Rückrunde siebenmal - genau so oft wie der Uefa-Cup-Sieger von 1997. Auf ein Spektakel sollte dort also niemand hoffen.

5. "Gockelig" sind immer die anderen

Manuel Gräfe und Thomas Doll hatten am Samstag viel zu besprechen.

Manuel Gräfe und Thomas Doll hatten am Samstag viel zu besprechen.

(Foto: imago images / Krieger)

Natürlich, Thomas Doll steht unter Druck. Mit jedem punktlosen Wochenende stirbt bei Hannover 96 nicht nur der Glaube an den Klassenerhalt ein bisschen, es gehen auch ganz konkret die Gelegenheiten zum Punkten aus. Aber das entschuldigt nicht die Dollschen Tiraden in Richtung von Schiedsrichter Manuel Gräfe, der in den Augen des Trainers gegen den FC Augsburg der Totengräber des lange greifbaren 96-Punktgewinns war. Gräfe habe nicht nur falsch gepfiffen, sondern auch "gelabert", "gesabbelt" gar. "Gockelig hingestellt" eben. Unser Kollege Alex Feuerherdt bewertet den ganzen Vorgang noch einmal in aller Ausführlichkeit - und findet: Dolls Groll auf Gräfe ist peinlich!

6. Warum der FC Bayern noch mächtiger wird

Unser Gastautor Pit Gottschalk hat es auf den Punkt gebracht: Wenn Vereine wie der Branchenprimus aus München demnächst bei der neuen Klub-WM noch mehr Geld scheffeln als eh schon, dann wird das sehr schnell zu einem Problem für die Bundesliga: "Schon jetzt kassiert der FC Bayern dank Champions League und einer ungerechten Geldverteilung in der Bundesliga so viel mehr Cash als die deutsche Konkurrenz, dass eine Klub-WM den Vorteil potenziert. Kein anderer Klub sollte sich Hoffnung machen, dass er teilnehmen darf. Ein globaler Wettbewerb mit globaler Vermarktung will globale Marken. Das erfüllen nur Bayern und bedingt BVB." Den kompletten Text gibt es hier.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema