Fußball

Die Lehren des 24. Spieltags Hopp dominiert und Klinsmann lässt grüßen

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"Warum soll ich nicht mehr in mein Stadion gehen? Die Personen, die das anrichten, müssen dann weg bleiben", sagt Dietmar Hopp.

(Foto: imago images/Schreyer)

Jürgen Klinsmann verfolgt Hertha BSC auch am 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Im Mittelpunkt steht allerdings die Eskalation der Proteste gegen Dietmar Hopp. Daneben verzichtet Leipzig auf den Gipfelsturm und Werder Bremen verliert selbst als Zuschauer.

1. Leipzig genießt lieber die Aussicht, als den Gipfel zu erklimmen

Leipzig mag tabellarisch ein Spitzenteam sein, Spitzenspiele aber liegen dem vom österreichischen Getränkekonzern großzügig unterstützten Klub nicht. Das 1:1 gegen Bayer 04 Leverkusen war im siebten Anlauf das sechste sieglose Spiel gegen ein Team aus den Top Fünf der Bundesliga (Stand: 24. Spieltag). Am dritten Spieltag gab's ein 3:1 bei Borussia Mönchengladbach. Seitdem? 1:1 gegen München, 1:1 in Leverkusen, 3:3 in Dortmund, 2:2 gegen Gladbach, 0:0 beim FC Bayern und jetzt eben ein 1:1 gegen Bayer 04. Weil die Münchner am Tag zuvor in Hoffenheim gewannen, beträgt der Rückstand des Zweiten RBL drei Punkte, alles deutet auf die achte Meisterschaft des FC Bayern in Folge hin.

"Wir sind von Anfang an viel hin- und hergetrabt, dann wird man mental sehr müde", haderte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann. "Uns haben die Mittel und die Überzeugung gefehlt", kritisierte Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer sich und seine Kollegen. "Dann ist es so dahin geplätschert", mäkelte Nagelsmann, auch wenn Geschäftsführer Oliver Mintzlaff anmerkte, mit Blick auf die eigenen Ambitionen sei nichts passiert, schließlich befinde sich der Klub noch immer souverän auf Kurs Champions-League-Qualifikation. Was zugleich die Antwort auf die Frage wäre, die Nagelsmann vor knapp sechs Wochen aufgeworfen hatte: "Wollen wir das Gipfelkreuz erreichen oder bleiben wir kurz darunter stehen und genießen die schöne Aussicht?" Die CL-Quali als Ziel, für den ambitionierten Nagelsmann ist das ziemlich sicher ein "schöne Aussicht", aber nicht das "Gipfelkreuz".

Und Zweiter zu werden, das erscheint zu wenig für die Ansprüche des Klubs, der sich jüngst auf Twitter dafür feierte, innerhalb von "nur" zehn Jahren aus der fünften Liga ins Champions-League-Achtelfinale aufgestiegen zu sein - und die Kommentare, dass das ja nicht allein sportlicher Exzellenz, sondern auch großzügiger Zuwendungen von Red Bull geschuldet sei, als "humorlos" abtat. Auf den Rängen in Leipzig gab es am Sonntag übrigens keine Hopp-Proteste, sondern "Love, Peace and Rasenball". Liebe, Frieden und ein Fantasiewort, das zur Vereinsgründung geschaffen wurde, um das Verbot von Unternehmens- in Vereinsnamen mehr oder minder galant zu umschiffen.

2. Alles zu den Protesten gegen Dietmar Hopp

Das beherrschende Thema dieses Spieltags - und ziemlich sicher auch der nächsten Wochen - sind die Schmähungen gegen Dietmar Hopp und die Reaktionen darauf.

3. Muss sich Hertha bei Klinsmann bedanken?

Mit freundlichen Grüßen von Jürgen Klinsmann. So sind die Hertha-Tore beim schrägen 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf gefallen. Denn obwohl die Berliner bereits 0:3 zurücklagen, holten sie noch wenigstens einen Punkt im Kampf gegen den Abstieg. Weil nämlich die Wintereinkäufe von Klinsmann stachen: Matheus Cunha und Krzysztof Piatek erzielten die Tore zwei und drei für Hertha BSC, nachdem Düsseldorfs Erik Thommy die Gäste mit einem Eigentor mit der rechten Hand überhaupt erst wieder hatte ins Spiel kommen lassen. Hatte der Kurzzeit-Trainer etwa doch Recht? Es war offenbar nicht alles schlecht, was er in seinen 76 Tagen beim Hauptstadtklub veranlasst hatte. Aber gut, dank des weltweit größten Winter-Transferbudgets von knapp 80 Millionen Euro waren gute Neuverpflichtungen drin. Fraglich also, ob das so viel mit der Expertise Klinsmanns zu tun hat, wenn man zwei Spieler verpflichtet, die durchaus einen guten Ruf haben, in ihren Teams aber dennoch kaum zum Einsatz kommen und daher wechselwillig sind.

Sei's drum, bei der Hertha möchte man das Kapitel Klinsmann einfach nur noch abhaken. Was maximal schlecht gelingt, wenn alle Gegner den neuen Feind nun zum Anlass nehmen, mit Spott nicht zu sparen. So sangen die Fortuna-Fans schon begeistert: "Jürgen Klinsmann, du bist der beste Mann." Und damit sind wir trotzdem wieder beim Hauptproblem: Die Berliner haben ohnehin genug mit sonstiger Kritik zu tun. Denn das, was das Team von Trainer Alexander Nouri in der ersten Halbzeit in Düsseldorf fabrizierte, war höchstens bemüht. "Es fällt mir unheimlich schwer, die erste Hälfte zu erklären", so Nouri.

"Wir müssen schleunigst das defensive Problem lösen. Wir können nicht verteidigen, wie wir es in den letzten anderthalb Spielen gemacht haben", kritisierte Sportgeschäftsführer Michael Preetz völlig zu Recht. Immerhin: Der Klub hat eine Reaktion gezeigt, auch wenn diese unglücklich vom Gegner eingeleitet wurde. Der Abstand zu Düsseldorf auf dem Relegationsplatz beträgt damit weiter sechs Punkte. Es sind die womöglich entscheidenden Punkte, die die Fortuna-Fans beim nächsten Mal davon abhalten, etwas von Klinsmann zu singen - weil es das Duell in der Liga gar nicht mehr geben kann.

4. Der Effzeh strebt aufwärts, Schalke taumelt abwärts

FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Köln. Das sind die vier Mannschaften, die in der Rückrunde die meisten Tore erzielt haben. Und den Kölnern fehlt dabei sogar noch das Derby gegen Borussia Mönchengladbach. 17 Tore hat der Effzeh in den sechs Spielen der Rückserie erzielt, das 3:0 am Samstagabend gegen den FC Schalke 04 war also gewissermaßen repräsentativ. Als Markus Gisdol die Rheinländer übernahm, ging es allein darum, irgendwie die Klasse zu halten. Nach dem siebten Sieg aus den jüngsten neun Spielen sind nun plötzlich die Europapokal-Ränge näher als Relegationsrang 16.

Oder wie es Verteidiger Benno Schmitz ausdrückt: "Ich glaube, dass wir durch den Trainerwechsel einen Neustart hatten." Das scheint besonders für Jhon Córdoba zuzutreffen, dessen Tor gegen heftigst kriselnde Schalker sein siebter Treffer in den vergangenen sieben Partien war. Im März bietet sich Köln nun die Chance, aus eigener Kraft und in direkten Duellen den Klassenerhalt fix zu machen: Am Freitag (6. März, 20 Uhr im Liveticker bei ntv.de) geht es nach Paderborn, danach wird das Derby gegen Gladbach nachgeholt, dann geht es zuhause erst gegen Mainz und schließlich gegen Düsseldorf. Und nur für die Statistikerinnen unter Ihnen: Der Rückstand auf Europa-League-Platz sechs liegt aktuell bei sieben Punkten.

Diesen Platz belegen (noch) die Schalker. Für die Königsblauen war das 0:3 im dritten Samstagabendspiel der Saison dagegen fast sowas wie ein Erfolg. Zuvor hatte es jeweils ein 0:5 beim FC Bayern und gegen RB Leipzig gegeben. Seit nunmehr sechs Spielen ist die Mannschaft von Trainer David Wagner in der Bundesliga ohne Sieg.

5. Werder spielt nicht und verliert trotzdem

Es sieht nicht gut aus in Bremen. Der SV Werder war am Wochenende unfreiwillig nur Zuschauer und ist doch einer der Verlierer des Spieltags. Denn durch den Mainzer 2:0-Erfolg gegen Paderborn liegt Bremen nun schon acht Punkte hinter dem 15. Platz, der den Klassenerhalt garantiert. Und obwohl Hertha BSC in Düsseldorf ein 0:3 aufholte, holte die Fortuna mit dem 3:3 zumindest einen Punkt - und liegt auf Rang 16 damit vier Punkte vor dem SVW. Zwar hat die Mannschaft von Florian Kohfeldt inklusive des verlegten Frankfurt-Spiels noch elf Chancen, Siege einzufahren. Dass die Grün-Weißen aber seit 786 Minuten ohne selbst erzieltes Tor dastehen, ist besorgniserregend.

Milot Rashicas Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 bei der 1:6-Demontage beim FC Bayern am 14. Dezember ist das bislang letzte Mal, dass ein Werder-Spieler als Torschütze für Bremen aufgeführt wird. Seitdem trafen nur noch Düsseldorfs Florian Kastenmeier und Augsburgs Tin Jedvaj ins eigene Tor. Da bleibt manchen Werder-Fans nur noch etwas Galgenhumor - wenn am Mittwoch (20.45 Uhr im Liveticker bei ntv.de) bei Eintracht Frankfurt der Halbfinal-Einzug im DFB-Pokal gelingt, fehlen nur noch zwei Siege bis zum Europapokal. Wenn auch dann in der neuen Saison womöglich als erster deutscher Zweitligist seit Alemannia Aachen im Jahr 2004.

Um den Titel des Bundesliga-Topscorers deutet sich ein enges Rennen an: Denn nach 24 Spieltagen stehen gleich drei Spieler punktgleich an der Spitze. Robert Lewandowski, nach seiner Verletzung vorerst zum Zuschauen verdammt, bleibt bis zu seiner Rückkehr bei 29 Punkten (25 Tore/4 Vorlagen). Timo Werner (21/8) blieb beim 1:1 seiner Leipziger gegen Leverkusen ohne Punkt, während Jadon Sancho (14/15) mit seinem Siegtreffer für den BVB aus dem Top-Duo ein Top-Trio machte.

Quelle: ntv.de