Fußball

So läuft der 18. Spieltag Jürgen Klinsmann hat keinen Grund zu feiern

Im Bundesliga-Jahr 2020 plant Hertha-Trainer Klinsmann Großes, der FC Bayern hat andere Probleme. Leipzig meldet Ambitionen an, der BVB stellt sich ein und dieselbe Frage mehrfach. Bremen verfolgt weiter das Fuß-Pech, während ein Trainer "allen auf den Sack geht".

Was bereitet Jürgen Klinsmann vor?

Der Trainer von Hertha BSC hat Lust, zu feiern. Dabei steht seine Mannschaft an diesem 18. Spieltag der Fußball-Bundesliga vor dem wohl schwerstmöglichen Heimspiel der verbleibenden Saison: Der FC Bayern ist am Sonntag zu Gast (ab 15.30 Uhr, wie alle Spiele im Liveticker bei ntv.de). Für Jürgen Klinsmann "ist Party angesagt", sollte Hertha das Spiel gewinnen. Ein Unentschieden wäre auch "mega". Über seine formale Befähigung zum Job an der Seitenlinie gab es in dieser Woche Diskussionen, die Klinsmann aber nur wenig störten. Er habe alle wichtigen Unterlagen per Mail an die entsprechenden Stellen geleitet.

Diskussionen gibt es auch bei den Gästen. Das heikle Thema beim FC Bayern: neue Spieler. Trainer Hans-Dieter Flick forderte "mindestens zwei", Sportchef Hasan Salihamidzic aber sagt: "Unsere Mannschaft zu verstärken, ist schwer". Nicht, weil sie schon so gut sei, sondern weil andere Top-Klubs im Winter nur selten Top-Spieler abgeben wollen. Heikel daran: Der Kader ist nicht besonders tief. Niklas Süle, Lucas Hernández, Javier Martínez und Kingsley Coman fehlen bis auf Weiteres, Serge Gnabry ist angeschlagen, Robert Lewandowski wurde gerade an der Leiste operiert, Joshua Kimmich ist gelbgesperrt. Die Startelf bildet sich fast von alleine - und auf der Bank sitzen vorwiegend Nachwuchsspieler, deren Alter höher ist als die Zahl ihrer Bundesliga-Einsätze. Tipp: Keine Klinsmann-Party, der FC Bayern gewinnt mit 3:1.

Welche Frage stellt sich Borussia Dortmund?

Eine Frage, die bei Borussia Dortmund ehrlicherweise auf einige Spieler zutrifft: Spielt er oder spielt er nicht? Muskuläre Probleme bei Marco Reus, Paco Alcácer erst angeschlagen, dann entnervt, weil der Klub mit Erling Haaland einen Konkurrenten für den Angriff verpflichtet hat. Der, also Haaland, jedoch ebenso angeschlagen war und im Wintertrainingslager längst nicht alle Einheiten absolvierte. Der 19-Jährige selbst sagte, er habe "natürlich noch Trainingsrückstand" vor dem Rückrundenauftakt beim FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr). Trainer Lucien Favre ergänzte, dass das Riesentalent "nicht alle Spiele machen kann", Sportdirektor Michael Zorc hielt fest: "Beide sind einsatzbereit." Also Reus und Haaland. Im Hinspiel gegen den FCA gab's ein 5:1, allerdings ist Augsburg inzwischen erstarkt. Von den jüngsten sieben Spielen gewannen die bayrischen Schwaben fünf, die einzige Niederlage gab es beim Herbstmeister in Leipzig. Tipp: Haaland gibt in der zweiten Halbzeit sein BVB-Pflichtspiel-Debüt und die Borussia gewinnt mit 2:0.

Was macht eigentlich der Herbstmeister?

Er verleiht Spieler innerhalb der konzerneigenen Fußballgruppe. Und wird am Ende der Saison in der kurzen, aber dafür umso kontroverseren Geschichte von RB Leipzig erstmals deutscher Meister. Sagen nicht wir, sondern die 239 Bundesligaprofis, die an der Umfrage des "Kicker" teilgenommen haben. 43,1 Prozent sehen Leipzig als Favorit, 36 Prozent tippen auf den FC Bayern. Zutrauen in seine Spieler hat auch RB-Trainer Julian Nagelsmann, wie er RTL/ntv im Interview sagte: "Wir haben natürlich das Potenzial dazu" - auch wenn, klar, dafür viel passen muss.

"Wenn wir gute Spiele machen", außerdem "braucht man auch wie in der Hinrunde das Quäntchen Glück". Um Potenzial ging es auch bei Stürmer Timo Werner und Bayerns Sportchef Salihamidzic. Der hatte gesagt, der deutsche Nationalspieler passe nicht ins System der Münchner. Werner fand das nicht so gut, er traue sich das definitiv zu, diese Qualität habe er. Transfergerüchte gibt es aber nicht, zudem läuft sein Vertrag noch bis 2023. Am Samstag ab 18.30 Uhr spielen die Leipziger gegen den 1. FC Union Berlin. Der Neuling hat sich seit dem 0:4 am ersten Spieltag gesteigert und liegt mit 20 Punkten aus 17 Spielen exakt auf Kurs der 40 Punkte, die als magische Marke gelten, um nicht abzusteigen. Tipp: Werner trifft zum 19. Mal, Leipzig siegt mit 3:1.

Was ist sonst noch so los?

FC Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach (Freitag, 20.30 Uhr): Gleich zum Rückrundenstart wartet die Liga mit einem Leckerbissen auf. Im Rennen um die Spitze stehen die Schalker auf Platz fünf, die Gladbacher gar drei Ränge davor - nur zwei Punkte hinter Leipzig. Überhaupt läuft es bei der Borussia. Kaum Verletzungssorgen und eine intensive Taktikvorbereitung versprechen viel, zumal der VfL ohne die Belastungen aus DFB-Pokal und Europaliga spielt. Sportdirektor Max Eberl verkündete: "Die Qualifikation für die Champions League wäre für uns wie die Meisterschaft." Wie realistisch das ist, wird sich wohl in Gelsenkirchen andeuten. Auch die kurzzeitig vom Nübel-Theater gestörten Gastgeber streben die Königsklasse an und haben dafür einen der "besten jungen Innenverteidiger, die es derzeit in Europa gibt", vom FC Barcelona ausgeliehen. Sagt Trainer David Wagner über Jean-Clair Todibo. Ob der junge Franzose wirklich so gut ist, kann er ja gleich beweisen, wenn er es mit dem Ex-Schalker Breel Embolo zu tun bekommt. Tipp: Auf Schalke springt die Borussia (zumindest vorübergehend) an die Tabellenspitze, 2:3.

TSG Hoffenheim - Eintracht Frankfurt: Was ist los bei der Eintracht? Nur noch drei Pünktchen trennen sie vom Relegationsplatz. Seit dem furiosen 5:1-Erfolg gegen den FC Bayern Anfang November gelang den Frankfurtern kein Ligasieg mehr. Trainer Adi Hütter sagt: "Wir haben in den letzten Monaten viel Kredit verspielt." Deshalb setzt er nun auf eine Viererkette vor dem genesenen Torwart Kevin Trapp. Dessen Gegenüber wird mit Philipp Pentke ein Debütant sein, weil Hoffenheims Oliver Baumann verletzt ist. Spannend wird auch die Premiere von Munas Dabbur. Der für etwa zwölf Millionen Euro verpflichtete israelische Nationalstürmer ist immerhin schon zweimal Torschützenkönig in Österreich geworden und will nun die TSG mit Treffern beglücken. Tipp: Dabbur trifft zwar gleich zum Einstand, der große Wurf gelingt aber der SGE, 1:3.

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Autsch: Werder-Trainer Kohfeldt hat's nun auch erwischt.

(Foto: imago images/ActionPictures)

Fortuna Düsseldorf - SV Werder Bremen: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß - so würde wohl Zitatgeber Andreas Brehme die Bremer Hinrunde umschreiben. Und nun? Geht's so ähnlich weiter, denn Trainer Florian Kohfeldt hat sich eine Fuß(!)verletzung zugezogen. "Florian hat richtig Schmerzen, kann nicht auftreten und hat Bettruhe verordnet bekommen", sagte Sportchef Frank Baumann. Gegen die Fortuna soll Kohfeldt aber auf der Bank sitzen. Das Ruder herumreißen müssen ohnehin die Spieler. "Wir werden bis zum Ende kämpfen", versprach Klub-Ikone Claudio Pizarro. Wohlwissend, dass die Bremer Vorletzte sind und mit 41 Gegentoren die schwächste Defensive der Liga stellen. Nun geht's zum direkten Konkurrenten nach Düsseldorf, der nur einen Punkt vor dem SVW auf dem Relegationsplatz steht. Zugang Steven Skrzybski will seine trostlose Schalker Zeit vergessen machen und die Fortuna zum Sieg schießen. Doch selbst wenn das gelingen sollte, stapelt Trainer Friedhelm Funkel tief: "Wir werden gegen Bremen nicht den Klassenerhalt feiern, aber auch der Abstieg wird noch nicht besiegelt sein." Tipp: Das Kellerduell findet keinen Gewinner, 2:2.

1. FSV Mainz 05 - SC Freiburg: Mit stolzen 26 Punkten kommen die Freiburger aus der Winterpause und sind auf Platz acht das Überraschungsteam der Hinrunde. Kaum auszudenken, was alles noch mit einem gesunden Luca Waldschmidt erreicht worden wäre. Seit Mitte November fehlte der Torjäger den Breisgauern wegen einer Knieverletzung sowie einer Mittelgesichtsfraktur, nun hindert den Nationalspieler womöglich eine Erkältung am Einsatz. "Es wird eng", sagte Trainer Christian Streich. Sein Kollege Achim Beierlorzer geht "mit einem guten Gefühl in die Rückrunde", immerhin haben die Mainzer nach einem Testspielsieg gegen den BVB Selbstvertrauen getankt. Allein das wird aber wohl nicht reichen – Tipp: 1:3.

1. FC Köln - VfL Wolfsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Irgendwie sind die Kölner kurz vor der Winterpause dann doch noch aus dem Tabellenkeller geklettert, nach drei Siegen in Folge rangiert das Team von Trainer Markus Gisdol auf Platz 15. Damit die Erfolgskurve weiter nach oben zeigt, wurde Angreifer Mark Uth ausgeliehen - vom FC Schalke, gegen den er dann aber nicht spielen darf. Nun geht's aber erst mal gegen offensiv schwerfällige Wolfsburger. Der am Rhein wohlbekannte VfL-Sportdirektor Jörg Schmadtke forderte deshalb: "Wir müssen schnell in Schwung kommen - und das am besten schon in Köln." Topzugang beim Werksklub ist allerdings ein Innenverteidiger: Etwa zehn Millionen Euro soll das kroatische Defensivtalent Marin Pongracic gekostet haben. Tipp: Pongracic und Co halten dicht und bereiten den Kölnern einen Fehlstart, 0:1.

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Geht seinem Team "auf den Sack": Paderborn-Trainer Baumgart (deutlich außerhalb der Coaching-Zone).

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

SC Paderborn 07 - Bayer Leverkusen (Sonntag, 18 Uhr): Letzter gegen Sechster - noch Fragen? Nun, ganz so einfach ist das ja nicht. Denn die favorisierte Werkself "muss besser verteidigen", wie Trainer Peter Bosz motzt. Ob sich da etwa Lücken für die Paderborner Hauruckoffensive auftun? Außerdem gut für die ostwestfälische Hoffnung: Bei den Leverkusenern sind vier potenzielle Startelfspieler verletzt oder gesperrt, allen voran der argentinische Edel-Neuzugang Exequiel Palacios, der eine Rotsperre von River Plate Buenos Aires mitgebracht hat. Das ist schade, denn der Junge hat immerhin rund 20 Millionen Euro gekostet. Etwas weniger blätterte Paderborn für Angreifer Dennis Srbeny hin, der für eine sechsstellige Ablöse vom englischen Zweitligisten Norwich City zurückkehrte - auf Wunsch von Trainer Steffen Baumgart. Der sorgt allerdings für Unmut im SCP-Team: "Der kann keine fünf Minuten still sitzen und ist mehr außerhalb als in der Coaching-Zone. Damit geht er uns allen auf den Sack", polterte Kapitän Christian Strohdiek jüngst. Tipp: Baumgart strapaziert die Gemächte der SCP-Spieler bei der Niederlage weiter, 1:4.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Einige haben nach der letzten Saison angefangen zu träumen. Denen will ich am liebsten in den Hintern treten. Das ist keine Euphorie, das ist Größenwahn!" (Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel staucht seine Spieler zusammen)

Vor dem Rückrundenauftakt noch ein kurzer Fakt zur Hinrunde: Vor Beginn des 18. Spieltages gibt es genau sechs Feldspieler, die in dieser Saison noch keine einzige Bundesliga-Sekunde verpasst haben: Wolfsburgs Josuha Guilavogui, die beiden Freiburger Christian Günter und Robin Koch, Schalkes Bastian Oczipka, außerdem Christopher Trimmel vom 1. FC Union und Matthias Zimmermann von Fortuna Düsseldorf.

Quelle: ntv.de