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Server wackeln, Gangster lauern Alle wollen Pokémon Go spielen

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(Foto: Biantic Labs)

Der Ansturm auf das Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go ist gewaltig. Das Smartphone-Spiel stürmt die Charts, die Server der Anbieter gehen in die Knie. Gangster nutzen den Hype aus und locken Spieler und Ungeduldige in die Falle.

"Pokémon Go" ist nicht das erste Smartphone-Spiel, das Augmented Reality nutzt, aber es ist das erste, was zum Blockbuster wurde - und zwar in Rekordzeit. Nur 13 Stunden benötigte die iOS-App, um in den USA an die Spitze der US-Charts zu stürmen. "Pokémon Go" belegt dabei nicht nur Platz 1 bei den kostenlosen Downloads, sondern liegt auch bei den umsatzstärksten Anwendungen ganz vorne. Die Spieler nutzen offenbar wie wild die In-App-Käufe, um mit Pokébällen Platz für neue Monster zu schaffen oder sich mit neuen Items für Kämpfe zu rüsten. Android-Nutzer sind kaum weniger euphorisch und auch in Neuseeland und Australien, wo die AR-Jagd ebenfalls freigegeben wurde, räumt die App ab. Das begeistert nicht nur Spiele-Hersteller Nintendo, sondern auch dessen Anleger. Die Aktie schoss um fast 25 Prozent in die Höhe.

Gemischte Realität

Das Besondere von Augmented Reality ist, dass virtuelle Gegenstände in die Umgebung der Spieler eingeblendet werden, die sie "durch" das Display eines Smartphones oder Tablets betrachten. Ihre Position stellt das Gerät per GPS fest. So sind nicht nur digitale Schnitzeljagden möglich. Entwicklerstudio Niantic Labs hat mit "Ingress" bereits Millionen Spieler begeistert, die weltweit um die Kontrolle von Portalen an Denkmälern und anderen markanten Orten ringen, über die Außerirdische "exotische Materie" auf die Erde schicken. Für das seit 20 Jahren bewährte Spieleprinzip von "Pokémon" ist Augmented Reality perfekt geeignet. Spieler spüren putzige Monster in ihrer Umgebung auf und sammeln sie. Dann können sie sie trainieren und in Kämpfen gegen andere Pokémon antreten lassen.

Server-Probleme bremsen

Der gewaltige Ansturm hat Nintendo und Entwicklerstudio Niantic Labs allerdings überrascht, die Infrastruktur kam mit der großen Anzahl von Online-Spielern nicht klar. Schon kurz nach Start von "Pokémon Go" am 6. Juli häuften sich die Beschwerden von Spielern, die sich nicht anmelden konnten und die Macher mussten auf Twitter die Server-Probleme eingestehen. "Wir dachten schon, dass das Spiel erfolgreich sein wird, aber es hat offensichtlich einen Nerv getroffen", sagte Niantic-Chef Hohn Hanke "Business Insider". Damit aus dem Mega-Hype kein Mega-Frust wird, startet "Pokémon Go" vorerst nicht in weiteren Ländern. Erst wenn die Server-Kapazitäten ausreichend sind, wird das Spiel unter anderem auch in Deutschland verfügbar sein.

Das wollen viele aber nicht abwarten. Für den Zusammenbruch der Server sind möglicherweise auch ungeduldige Android-Nutzer verantwortlich, die sich das Spiel über alternative Quellen herunterladen und so auch in Ländern in die augmentierte Pokémon-Welt eintauchen können, wo es offiziell noch nicht möglich ist. So twittern auch deutsche Nutzer bereits eifrig über ihre Fortschritte und zeigen, an welchen Orten sie überall Monster entdecken.

Hacker und Räuber lauern

Vielleicht ist es aber keine allzu gute Idee, die App-Stores zu umgehen. Es gibt Gerüchte, wonach Nintendo Geräte, auf denen unberechtigterweise "Pokémon Go" läuft, sperren wird, wenn in den Ländern der Spieler die App offiziell verfügbar ist. Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass Fortschritte verloren gehen. Schlimmer ist aber, dass Android-Nutzer für die Installation der App die Sicherheitseinstellungen außer Kraft setzen, indem sie "unbekannte Quellen" akzeptieren. Die Firma Proofpoint hat bereits eine manipulierte Version des Spiels gefunden, die eine gefährliche Hintertür enthält, über die Angreifer Geräte ausspionieren und kontrollieren können.

Gangster bedrohen Spieler aber auch in der realen Welt. "Ars Technica" berichtet, in den USA hätten vier junge Männer im Alter zwischen 16 und 18 Jahren bis zu elf Menschen ausgeraubt, nachdem sie sie über "Pokémon Go" in die Falle gelockt hatten. Sie nutzten dafür, dass Spieler per In-App-Kauf einen "Beacon" kaufen können, mit dem besonders seltene Pokémons zu sogenannten Poké-Stops gelockt werden, wodurch wiederum andere Spieler angezogen werden.

Wasserleiche statt Wasser-Pokémon

In den USA wandern Teenagern bereits in Scharen durch Straßen, Parks oder die freie Natur. Dabei hatte eine 19-Jährige im US-Bundesstaat Wyoming ein schauriges Erlebnis. Der jungen Frau wurde ein Wasser-Pokémon an einem Flussufer auf dem Display angezeigt. Auf dem Weg dorthin stieß sie auf eine im Wasser treibende Leiche. Laut "The Verge" handelt es sich in diesem Fall aber wohl nicht um ein Verbrechen. Der Mann sei vermutlich einem Unfall zum Opfer gefallen.

Quelle: n-tv.de, kwe

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