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Chat-Apps im Sicherheits-Check Amnesty empfiehlt Whatsapp

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Whatsapp führt das Ranking von Amnesty International an.

(Foto: Amnesty International)

Amnesty International prüft die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und den Privatsphäreschutz von beliebten Messenger-Apps. Whatsapp schneidet gut ab, andere populäre Dienste fallen aber krachend durch.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Menschenrechtsorganisation sich mit Smartphone-Apps beschäftigt. Vor allem deshalb ist eine aktuelle Studie von Amnesty International bemerkenswert: Die Organisation hat elf beliebte und weitverbreitete Messenger-Apps, mit denen Millionen Menschen weltweit kommunizieren, unter die Lupe genommen. Welche Apps bieten die beste Verschlüsselung? Das Ergebnis: Hunderte Millionen Nutzer chatten mit unsicheren Apps und nehmen in Kauf, dass privateste Informationen ausspioniert werden können. Gute Wertungen bekommt nur eine Handvoll Apps.

Berechtigtes Vertrauen?

Die Bedeutung der Untersuchung erklärt Amnesty selbst: "Unsere Kommunikation ist ständig bedroht, durch Cyberkriminelle, bösartige Hacker und staatliche Spionage. Junge Menschen, Aktivisten und Journalisten, die Persönliches über Messenger-Apps teilen, sind besonders gefährdet. Viele von uns trauen diesen Apps und geben intime persönliche Details preis. Unternehmen, die es nicht schaffen, unsere Kommunikation grundlegend zu sichern, missbrauchen dieses Vertrauen."

Im Ranking von Amnesty geht es ausschließlich darum, wie die Messenger Ende-zu-Ende-(E2E)-Verschlüsselung einsetzen und ob die Unternehmen hinter den Apps ihren Nutzern versichern, private Daten vor den neugierigen Augen Dritter zu schützen. Vor diesem Hintergrund erscheint es dann auch weniger überraschend, wenn Facebook mit Whatsapp am besten abschneidet, obwohl der Konzern derzeit in der Kritik steht, weil er sich bei Whatsapp-Nutzerdaten bedienen will: 73 von 100 möglichen Punkten gibt Amnesty dem Zuckerberg-Imperium mit seinen zwei Messenger-Apps und insgesamt rund 2 Milliarden Nutzern, denn es leiste am meisten, um bedrohte Menschenrechte durch Verschlüsselung zu schützen. Außerdem gehe kein Anbieter transparenter mit den Maßnahmen um, die er unternehme, heißt es bei Amnesty.

Whatsapp auf Platz eins

Whatsapp schneidet dabei deutlich besser ab als der Messenger. Denn "Whatsapp ist der einzige Dienst, der Nutzer explizit warnt, wenn ein Chat keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat." Ähnlich gut werden Apples Dienste iMessage und Facetime bewertet, sie bekommen 67 von 100 Punkten. Beide bieten volle E2E-Verschlüsselung, außerdem habe sich Apple öffentlich gegen "Hintertüren in der Verschlüsselung" ausgesprochen und veröffentliche Regierungsanfragen zu Nutzerdaten. Apple könne aber mehr unternehmen, um Nutzer innerhalb der App zu warnen, wenn sie unverschlüsselt kommunizieren, zum Beispiel mit Nicht-iPhone-Nutzern.

Gleichauf mit Apples Diensten liegt Telegram mit monatlich 100 Millionen aktiven Nutzern. Privatsphäre und Datenschutz werden groß geschrieben bei Telegram, doch Amnesty kritisiert, dass E2E-Verschlüsselung nicht standardmäßig eingestellt ist, sondern nur optional aktiviert werden kann. Außerdem werden Nutzer auch hier nicht gewarnt, wenn sie mit schwacher Verschlüsselung kommunizieren. Deshalb gibt's 67 von 100 Punkten.

Duo besser als Allo

Googles Apps landen nicht alle unter den Top-Platzierungen, das Gesamtergebnis fällt mit 53 von 100 Punkten nicht ganz so gut aus. Nur die Videochat-App Duo nutzt E2E-Verschlüsselung, bei Allo ist sie optional, bei Hangouts fehlt sie ganz. Immerhin: Das Unternehmen veröffentlicht Regierungsanfragen und spricht sich gegen Hintertüren aus.

Das vor allem in Asien beliebte Line sowie Viber Media bekommen von Amnesty Punkte abgezogen, weil sie zwar E2E-Verschlüsselung einsetzen, ihre Nutzer aber nicht transparent informieren. Schlecht schneidet Microsofts Skype mit 40 von 100 Punkten ab: Die Chat-Anwendung mit Video-Feature sei weltweit eines der Hauptziele von staatlicher Überwachung und nutze trotzdem nur eine schwache Form der Verschlüsselung, obwohl Microsoft sich verbal explizit für Menschenrechte einsetze.

Snapchat und Blackberry fallen durch

Noch deutlich schlechter kommt der populäre US-Dienst Snapchat weg. Mehr als 100 Millionen Menschen nutzen den Dienst täglich, doch für die Privatsphäre seiner Nutzer tue Snapchat nicht genug. Der Dienst setzt keine E2E-Verschlüsselung ein und tut laut Amnesty zu wenig, um Nutzer darüber zu informieren, wie er damit umgeht, wenn deren Rechte bedroht sind. Besonders problematisch ist laut Amnesty, dass es den Nutzern ein falsches Gefühl von Privatheit vermittelt, wenn ihre Nachrichten nach einer Zeit wieder verschwinden.

Am unrühmlichen Ende des Rankings finden sich Blackberrys Messenger, der E2E-Verschlüsselung nur als kostenpflichtiges Extra anbietet und keinerlei Transparenz-Berichte oder öffentliche Bekenntnisse zur Datensicherheit anbietet (20 von 100 Punkten), sowie der chinesische Dienst Tencent mit seinen Apps WeChat und QQ mit 0 von 100 Punkten. Begründung: "Tencent scheitert nicht nur daran, die Kriterien adäquat zu erfüllen, es ist auch das einzige Unternehmen, das nicht öffentlich zugesichert hat, keine Hintertüren für staatliche Überwachung einzubauen."

Eine ausführliche Version der Studie kann bei Amnesty in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch als kostenloses PDF heruntergeladen werden.

Quelle: n-tv.de, jwa

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