Technik

Abhängigkeit von China Apple hat Probleme durch Shanghai-Lockdown

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Sollte der Lockdown noch länger anhalten, könnte es bei den iPhones im zweiten Halbjahr zu Lieferengpässen kommen.

(Foto: Apple)

Der harte Corona-Lockdown in Shanghai ist nicht nur eine enorme Belastung für die Bevölkerung der Millionen-Metropole, sondern bringt zunehmend auch internationale Technologieunternehmen in Bedrängnis. Unter anderem drohen Apple empfindliche Produktionsausfälle.

Seit dem 28. März herrscht in Shanghai ein harter Corona-Lockdown, mit dem die chinesische Regierung versucht, seine rigorose No-Covid-Politik durchzusetzen. Auch im benachbarten Kunshan geht seit vergangener Woche nichts mehr. Das hat nicht nur für die mehr als 26 Millionen Einwohner der Region schwere Konsequenzen, die praktisch unter Hausarrest stehen, Inzwischen spürt auch zunehmend die Weltwirtschaft die Folgen.

Mehr als 800 internationale Unternehmen haben in Shanghai oder Kunshan regionale oder landesweite Zentralen, 121 davon zählen zu den 500 umsatzstärksten Konzernen der Welt. Viele ihrer Fabriken produzieren in der Region für den Weltmarkt, vor allem für die Elektronikbranche. Immerhin hält die Regierung bisher den Hafen von Shanghai in Betrieb, über den fast 17 Prozent des chinesischen Container-Verkehrs laufen.

Stillstand könnte bis Juni andauern

Grundsätzlich alle Fabriken, die keine lebensnotwendigen Produkte herstellen, mussten in Shanghai und Kunshan ihre Bänder stilllegen. Laut "Nikkei Asia" gehören zu ihnen auch Pegatron und Quanta, die für Apple iPhones und MacBooks herstellen. Dem treffsicheren Analysten Ming-Chi Kuo zufolge könnte die Produktion dort im besten Fall Ende des Monats oder Anfang April wieder vollständig laufen. Makro- und Strategieforscher Bruce Pang von China Renaissance Securities sagte "Al Jazeera", er rechne damit, dass die Einschränkungen noch mindestens bis Juni anhielten.

Betrachtet man die Entwicklung der Infektionszahlen in Shanghai, dürfte es eher länger dauern, denn trotz des Lockdowns steigen sie weiter steil an. Lockerungen in Wohngebieten, wo es zwei Wochen lang keine neuen Ansteckungen gegeben hat, helfen der Industrie wenig. Angesichts der extrem hohen Infektiosität der Omikron-Variante dürften solche Viertel auch eine vorübergehende Ausnahme sein.

Einführung des neuen MacBook Air gefährdet

Problematisch für Apple ist vor allem der Stillstand in den Quanta-Fabriken, denn sie stellen fast alle Laptops des Konzerns her. Sollte der Lockdown in der Region Shanghai noch länger anhalten, könnte dies somit bedeuten, dass Apple seine Pläne für 2022 über den Haufen werfen und die Einführung neuer Modelle verschieben muss. "Bloomberg" zufolge möchte das Unternehmen bei der Eröffnung seiner Entwicklerkonferenz WWDC am 6. Juni unter anderem das von vielen Nutzern sehnlichst erwartete neue MacBook Air vorstellen.

Kommende Lockdown-Änderungen vorherzusagen, sei schwer, twitterte Kuo. Hoffnung mache ihm, dass Apple "das beste Lieferketten-Management und gute Beziehungen zur chinesischen Regierung hat." Je länger der Lockdown andauere, desto negativer wirke sich dies allerdings auf das Verbrauchervertrauen aus, so der Analyst. Außerdem werde dies wahrscheinlich im zweiten Halbjahr zu Lieferengpässen führen - auch bei Apple-Produkten.

iPhones vorerst kaum betroffen

Das trifft durch den Produktionsstopp bei Pegatron schon jetzt auf die iPhones zu. Doch bisher hielten sich die Auswirkungen noch in Grenzen, da der Großteil der Geräte von Foxconn gefertigt werde, das die Ausfälle zum Teil kurzfristig ausgleichen könne, so Kuo. Der Analyst sieht allerdings die Gefahr, dass sich die Omikron-Welle in China ausbreitet und in Folge auch die Foxconn-Fabriken betroffen sein und die Bänder in den Pegatron-Werken nicht so schnell wieder anlaufen könnten.

Apple ist lediglich der prominenteste Auftraggeber, zahlreiche große und kleine Elektronikkonzerne lassen in der Region produzieren oder beziehen von dort wichtige Bauteile. Viele der Fabriken gehören taiwanischen Auftragnehmern wie Foxconn. Insgesamt hätten 161 taiwanische Unternehmen ihren Betrieb in Shanghai und Kanshan einstellen müssen, berichtet "Taipei Times".

Manche produzieren auf Kosten der Arbeiter weiter

TSMC, der weltweit größte Vertragshersteller von Chips, gehört offenbar nicht dazu. Dessen Fabriken könnten weiterproduzieren, indem die Arbeiter das Gelände nicht verließen und dort auch schliefen und aßen, berichtete "Data Center Dynamics". Dieses sogenannte "Closed-Loop System" versuchen auch andere Hersteller durchzuhalten - auf Kosten der Arbeiter.

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Die meisten Fabrikarbeiter seien Migranten ohne soziale Absicherung, die dies in Kauf nähmen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten", sagte Julian Evans-Pritchard von Capital Economics "Al Jazeera". "Eine große Zahl lebt bereits in normalen Zeiten in vom Arbeitgeber bereitgestellten Schlafsälen."

Definitiv geschlossen haben laut "Nikkei Asia" Unimicron und Nan Ya Printed Circuit Board Corporation, die neben der US-Firma BizLink die wichtigsten Lieferanten von Leiterplatten für Tesla sind und dessen erste Giga-Fabrik in Shanghai steht."CNN" zufolge lieferte das Werk noch vergangenen Monat über 65.000 Autos aus, seit dem 28. März stehen auch dort die Bänder still. Die Auswirkungen des Lockdowns könnten aber auch schon bald die erst kürzlich in Betrieb genommene zweite Giga-Fabrik in Grünheide bei Berlin treffen, die vermutlich ebenfalls auf Leiterplatten aus Shanghai angewiesen ist.

Quelle: ntv.de

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