Technik

Einzigartige Ohrhörer Das Loch-Konzept der Sony LinkBuds geht auf

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Die Sony LinkBuds haben Löcher in den Treibern.

(Foto: kwe)

Die Sony LinkBuds sind anders als alle anderen Ohrhörer. Sie sehen anders aus, funktionieren anders und klingen anders. Sie sind der Gegenentwurf zu ANC-Stöpseln und sollen guten Sound ohne Isolation von der Außenwelt ermöglichen. Im Großen und Ganzen geht das Konzept auf.

Das Angebot an kabellosen Ohrhörern ist riesig und ständig kommen neue Bluetooth-Stöpsel auf den Markt. Sie sehen zwar nicht alle gleich aus, doch grundsätzlich gibt es Buds, die komplett in der Ohrmuschel sitzen oder solche, die eher darin hängen. Und immer mehr Stöpsel bieten eine aktive Unterdrückung von Außengeräuschen (ANC). Innovationen sieht man nur selten und wenn, dann meist nur im Detail.

Die rund 180 Euro teuren Sony LinkBuds mit ihren ringförmigen Lautsprechern sind aber etwas völlig Neues. Sie sperren die Außenwelt nicht aus, sondern heißen sie willkommen. ntv.de hat ausprobiert, wie sich die eigenwilligen Ohrhörer im Alltag machen.

Recyceltes Plastik fürs gute Gewissen

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Die Sprenkel im Grau stammen von recyceltem Kunststoff.

(Foto: kwe)

Schon das kleine, sehr kompakte Ladecase ist anders. Es schließt nicht magnetisch, sondern mechanisch und im Kunststoff erkennt man feine Sprenkel. Sie sind auf eine Beimischung von recyceltem Kunststoff aus Autoteilen zurückzuführen und sollen wie die plastikfreie Verpackung ein Statement Sonys für mehr Umweltbewusstsein in der Unterhaltungselektronik sein.

Bevor man die LinkBuds einsetzt, schaut man sie erstmal etwas ratlos an. Sie bestehen aus zwei auf der Innenseite abgeflachten Kugeln, die in zwei Ringe übergehen, die die Lautsprecher enthalten. Auch das Gehäuse der nach IPX4 vor Schweiß und Spritzwasser geschützten Buds enthält recycelten Kunststoff. Damit sie in den Ohren halten, gibt es Silikon-Haltelaschen in verschiedenen Größen. Sie klemmen sich unter die innere Falte der Ohrmuscheln, nachdem die Ring-Treiber vor dem Gehörgang platziert wurden.

Echte Transparenz

Hat man Laschen in der passenden Größe gefunden, sitzen die jeweils nur rund 4 Gramm leichten LinkBuds sicher, aber so bequem in den Ohren, dass man sie kaum spürt. Solange keine Musik spielt, bemerkt man sie auch nicht, da durch die großen Löcher in den Lautsprechern Außengeräusche nahezu ungedämmt zu hören sind.

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Auch wenn man Musik hört, bekommt man mit, was um einen herum passiert.

(Foto: Sony)

Man kann sich problemlos unterhalten oder fernsehen, ohne die Lautstärke am TV-Gerät zu erhöhen. Zu Fuß oder auf dem Fahrrad kann man im Straßenverkehr gefahrlos Musik hören. Ideal ist der Einsatz der Buds, wenn man eine Übersetzer-App live dolmetschen lässt.

Klasse ist die Speak-to-Chat-Funktion. Ist sie aktiviert, stoppt die Wiedergabe automatisch, wenn man spricht. Schweigt man für eine bestimmte Zeit, startet sie wieder.

Gelungene Steuerung

Die Steuerung der Ohrhörer funktioniert bequem über Tipper auf den Wangenknochen oder eine andere Stelle nahe dem Ohr, da die LinkBuds auf Wunsch die Erschütterungen registrieren. Das funktioniert erstaunlich akkurat und ist enorm angenehm im Vergleich zu den lauten Plops beim Antippen anderer Ohrhörer.

Im Prinzip kann man so alles regeln, allerdings gibt es insgesamt nur vier abrufbare Aktionen, da lediglich zwei oder drei Tipper links und rechts möglich sind. Die Lautstärke kann man auch adaptiv an die Umgebung anpassen lassen und auf Wunsch pausiert die Wiedergabe automatisch, wenn man einen Bud herausnimmt.

Feiner Sound, aber schwache Bässe

Der Sound der Ohrhörer ist grundsätzlich sehr gut. Sie sind neutral und ausbalanciert abgestimmt, der Klang ist transparent und luftig. Die Mitten sind sehr schön definiert, die Höhen tönen glasklar und liefern viele Details.

Wären die Tiefen nicht, wären die LinkBuds Sonys anderen In-Ears vermutlich ebenbürtig. Doch wenig überraschend kann die extrem offene Bauweise keine druckvollen Bässe aufbauen. Die Tiefen sind durchaus vorhanden, lassen aber keine Partystimmung aufkommen. Ein bisschen kann man mit dem Equalizer der exzellenten App nachhelfen, aber auch der Bass-Boost hat seine Grenzen.

Eine überzeugende Vorstellung bieten die Ohrhörer bei Telefonaten, bei denen Umgebungsgeräusche ausnahmsweise gefiltert werden, damit sich beide Gesprächspartner gut verstehen.

360-Grad-Klang möglich

Um den Klang zu optimieren, kann man mithilfe der Smartphone-Kamera die Ohrform analysieren lassen. Und die LinkBuds unterstützen sogar 360-Grad-Klang, wenn man einen Streaming-Dienst integriert, der entsprechende Songs anbietet.

Neben SBC und AAC unterstützen die Buds zwar keine hochauflösenden Codecs, dafür soll Sonys DSEE-Technologie durch Komprimierung verlorene Feinheiten wiederherstellen. Die Bluetooth-Verbindung (5.2) ist auch über größere Distanzen hinweg sehr stabil.

Gelungene Spezial-Lösung

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Die Laufleistung der LinkBuds ist nicht toll, aber noch okay. Im Idealfall halten sie bis zu 5,5 Stunden durch, mit aktivierten Komforteinstellungen und höherer Lautstärke sind eher 4,5 bis 5 Stunden realistisch. Die Ladebox hat Reserven für weitere zwölf Stunden. Nach zehn Minuten im Case spielen die Ohrhörer wieder rund 90 Minuten lang Musik.

Unterm Strich sind Sony die LinkBuds gelungen, bis auf die etwas schlappen Bässe und die mittelmäßige Ausdauer erfüllen sie ihre Aufgabe hervorragend. Sie sprechen ein ganz bestimmtes Klientel an, das genau die speziellen Eigenschaften wünscht, die die gelochten Ohrhörer bieten. Andere Stöpsel können ihnen das in dieser Qualität nicht bieten.

Quelle: ntv.de

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