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Besser, aber auch viel teurer Ist das Nexus 5X seinen Preis wert?

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Das Design des Nexus 5X ist sehr schlicht.

(Foto: kwe)

Das Nexus 5X ist eindeutig besser als sein erfolgreicher Vorgänger, LG hat das meiste richtig gemacht. Aber das Gerät hat auch ein großes Problem, das letztendlich der Grund für sein Scheitern sein könnte.

Wie der Name schon sagt, ist das Nexus 5X eine Neuauflage des Nexus 5. Google hat es wahrscheinlich bei LG in Auftrag gegeben, weil im vergangenen Jahr das Nexus 6 viele potenzielle Käufer durch seine schiere Größe abgeschreckt hat. Die eigentliche Neuheit in diesem Jahr ist das 6P, das erste Nexus-Gerät des chinesischen Herstellers Huawei. LG hat allerdings schon das Nexus 4 für Google hergestellt und daher reichlich Erfahrung. Außerdem hat eine Weiterentwicklung auch oft klare Vorteile: Fehler wurden erkannt und ausgemerzt, fehlende Funktionen hinzugefügt. Ob das LG und Google beim Nexus 5X gelungen ist, hat n-tv.de getestet.

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Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, wirkt aber nicht billig.

(Foto: kwe)

LG hat sich beim Design des neuen Nexus klar am etwas kleineren Vorgänger orientiert, es aber nicht wirklich übernommen. Die Ecken des Polycarbonat-Gehäuses sind deutlich stärker abgerundet, die Kanten abgeflacht und nicht mehr so scharf. Das Nexus 5X hat seinen Lautsprecher unten auf der Vorderseite und oben einen Zwilling für die Telefonie. Das alte 5er hat den Mono-Grill im Stereo-Look im unteren Rahmen. Hinterm Lautsprechergitter hat das Nexus 5X übrigens auch eine Benachrichtigungs-LED, die allerdings erst blinkt, wenn sie in den Einstellungen aktiviert wurde.

Auf der Rückseite ist die bisher von einem Ring eingerahmte runde Kamera zur Mittelachse gewandert und steigt dort wie ein flacher Vulkan aus dem Kunststoff hervor, links von ihr befinden sich Dual-LED-Blitz und Infrarot-Laser-Fokus. Im Ring sitzt beim neuen Nexus 5 jetzt ein Fingerabdrucksensor. An der Verarbeitung gibt's nichts zu meckern, das 136 Gramm leichte Smartphone liegt gut in der Hand, der auf der Rückseite mattierte Kunststoff fühlt sich angenehm an.

Display und Leistung gut

Das Display ist von knapp 5 auf 5,2 Zoll angewachsen, wodurch die Pixeldichte bei Full-HD-Auflösung etwas niedriger als beim Vorgänger-Bildschirm ist. 423 ppi sind aber immer noch genug, um bei Normalabstand eine gestochen scharfe Darstellung ohne sichtbare Pixel zu garantieren. Auch sonst gefällt das LCD des Nexus 5X: angenehme Kontraste, natürliche Farben, ausreichende Helligkeit und keine Probleme bei spitzen Blickwinkeln. Im direkten Vergleich wirkt es insgesamt brillanter als der Bildschirm des Vorgängers.

Die wichtigsten Spezifikatonen

  • Prozessor: Qualcom Snapdragon 808, sechs Kerne, bis zu 1,8 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 2 Gigabyte
  • Interner Speicher: 16 oder 32 Gigabyte
  • Display: LCD, 5,2 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel (423 ppi)
  • Kameras: hinten 12,3 Megapixel, vorne 5 Megapixel
  • Akku: 2700 Milliamperestunden
  • Sensoren: Fingerabdrucksensor, Gyroskop, Beschleunigung, Barometer, Näherung/Umgebungslicht, Hall
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.0
  • Betriebssystem: Android 6.0
  • Maße: 147,0 x 72,6 x 7,9 Millimeter
  • Gewicht: 136 Gramm

Rechenzentrum des Nexus 5X ist Qualcomms Snapdragon 808, dessen sechs Kerne mit bis zu 1,8 Gigahertz rechnen, der Arbeitsspeicher ist 2 Gigabyte groß. Damit erreicht das Gerät in Benchmark-Tests zwar keine absoluten Spitzenplätze, vor allem bei der Grafikleistung. Doch das spielt im Alltag kaum eine Rolle, das Smartphone macht in jeder Situation einen starken und flüssigen Eindruck. Selbst Spiele, die das Nexus 5X in die Knie zwingen könnten, sind im Play Store nicht leicht zu finden.

Ausdauer befriedigend

Wichtiger als überflüssige Muskelspielereien ist die Laufzeit, also wie effizient Prozessor und Technik mit den knappen 2700 Milliamperestunden des Akkus haushalten. Und hier leisten die Stromspar-Funktionen von Android 6 und der Snapdragon offenbar vernünftige Arbeit. Zwar war der Testzeitraum viel zu kurz für eine wirklich belastbare Aussage. Aber die Batterie hielt trotz überdurchschnittlicher Belastung einen Tag durch und auch US-Tests bescheinigen dem Gerät akzeptable Laufzeiten.

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Unter der Kamera befindet sich ein ausgezeichneter Fingerabdruckscanner.

Geht der Stromvorrat zu Ende, ist das Gerät dank Schnelllade-Funktion schon nach einigen Minuten an der Steckdose wieder für ein paar Stunden einsatzfähig. Im Test stieg der Ladestand innerhalb von 15 Minuten von 51 auf 71%. Das klappt aber nur, wenn das mitgelieferte USB-C-Ladeteil zum Einsatz kommt. Ein anderes zu verwenden ist erstmal nur schwer möglich, da Google kein Kabel dazupackt, mit dem man das Gerät an herkömmliche USB-Anschlüsse stecken könnte. Im Play Store kostet das Kabel 15 Euro, bei Amazon die Hälfte. Kabelloses Laden gibt's beim neuen 5er nicht mehr.

Kamera und Fingerabdrucksensor sehr gut

Die 12,3-Megapixel-Kamera hat Google bei der Vorstellung der beiden neuen Nexus-Modelle besonders hervorgehoben. Die Pixel ihres Sensors sind mit 1,55 Mikrometern (μm) außergewöhnlich groß und zusammen mit der großen Blende f/2.0 soll sie so lichtstark sein, dass durch extrem kurze Verschlusszeiten kein optischer Bildstabilisator nötig ist. Tatsächlich macht die Kamera sehr schöne Fotos mit leuchtenden, aber natürlichen Farben. Die Kontraste sind knackig und die Belichtung meistens prima dosiert. Die Bilder haben außerdem viele Details ohne matschige Kanten.

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Aus schwierigen Lichtverhältnisse holt die Kamera viel raus, vor allem bei HDR-Aufnahmen.

(Foto: kwe)

Wie versprochen zeigt die Kamera bei schlechten Lichtverhältnissen eine starke Leistung und ein optischer Bildstabilisator wird nur selten vermisst. Sie ist zudem fix betriebsbereit, stellt zackig scharf und löst schnell aus. Perfekt ist die Kamera allerdings nicht, auch bei ihr rauschen dunkle Bereiche leicht und im Video-Modus wäre eine effektive Bildstabilisierung wünschenswert. Im Gegensatz zum Nexus 6P nimmt das 5X Zeitlupen nur mit 120 Bildern pro Sekunde auf und es fehlt die Möglichkeit, schnelle Serienbilder zu schießen. Bei HDR-Aufnahmen benötigt das Gerät nach drei Bildern erstmal ein Verarbeitungspäuschen. Die 5-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite ist ebenfalls lichtstark und leistet bei Selfies und Videochats gute Arbeit.

Große Klasse ist der 360-Grad-Fingerabdruckscanner unter der Rück-Kamera. Er ist so platziert, dass er vom Zeigefinger bequem in natürlicher Handhaltung erreicht wird. Beim Auflegen entsperrt der Sensor das Gerät ohne Verzögerung. Es ist auch möglich, über den Scanner Bezahlvorgänge zu bestätigen – beispielsweise im Play Store. Weitere Funktionen bietet er bisher aber noch nicht.

Speicherausstattung und Preis ausreichend

Ärgerlich ist, dass Google erneut auf einen Steckplatz für microSD-Karten verzichtet hat, obwohl diese jetzt unter Android 6.0 den internen Speicher ohne Einschränkungen erweitern können. Das Nexus 5X gibt's wahlweise mit 16 oder 32 Gigabyte internen Speicher, wobei das Betriebssystem bereits rund 8 Gigabyte belegt. Für die meisten Nutzer kommt daher nur das 32-Gigabyte-Modell infrage, das stolze 530 Euro kostet. Die 16-Gigabyte-Variante gibt's im Play Store für 480 Euro.

Der Preis ist letztlich auch der Spaßverderber beim Nexus 5X. Obwohl Google beim Kauf eines Nexus-Smartphone einen Chromecast (39 Euro) gratis dazugibt, ist das Nexus 5X trotz seiner Qualitäten zu teuer - das Vorgängermodell gab's vor der Euro-Talfahrt noch ab 350 Euro. Sonst ist Google und LG eine prima Neuauflage des 5ers gelungen. Glanzstücke sind die Kamera und der Fingerabdruckscanner, bis auf den fehlenden microSD-Karten-Platz zeigt das Smartphone keine echte Schwächen.

Nexus-Smartphones haben den großen Vorteil, für mehrere Jahre immer die neueste und damit sicherste und beste Android-Version zu haben. Wer darauf verzichten oder etwas länger warten kann, findet Alternativen wie das OnePlus 2, das Honor 7 oder das LG G4, die für weniger Geld ähnlich gute oder sogar bessere Hardware bieten. Und wer keinen Fingerabdrucksensor benötigt, bekommt mit dem Moto G3 und anderen Motorola-Smartphones Geräte, die als Fast-Puristen ebenfalls schnelle Android-Updates erhalten. Das Nexus 5X wird es wahrscheinlich schwer haben. Schade.

Quelle: n-tv.de

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