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Privater als Google und Facebook Was bringt "Anmelden mit Apple"?

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(Foto: Apple)

Künftig können sich Nutzer bei Diensten in Apps oder auf Websites auch mit ihrer Apple-ID anmelden. Das soll ihre Privatsphäre schützen und könnte nicht nur Facebook und Google ganz schön wehtun.

Viele Menschen nutzen die bequeme Möglichkeit, sich in Internetshops, bei Diensten oder Spielen mit ihrem Facebook- oder Google-Konto anzumelden. Damit geben sie wissend oder unwissend viele private Daten weiter. Apple hat jetzt angekündigt, ebenfalls ein sogenanntes "Single-Sign-On" anzubieten, allerdings mit einem großen Unterschied: Die Privatsphäre der Nutzer hat oberste Priorität. In der Berichterstattung fand das bisher wenig Beachtung, "Anmelden mit Apple" könnte allerdings einigen Aufruhr verursachen.

Im Detail schützt Apple die Privatsphäre seiner Nutzer, indem für die Anmeldung lediglich eine einmalige, zufällig generierte E-Mail-Adresse nötig ist. Selbst in den Fällen, in denen Entwickler nach einem Namen und einer E-Mail-Adresse fragten, hätten Nutzer die Möglichkeit, ihre E-Mail-Adresse privat zu halten und stattdessen eine einmalige zufällige E-Mail-Adresse zu verwenden, beschreibt Apple seinen neuen Service. Und das Unternehmen garantiert, auch selbst kein Profil zu Kunden oder deren Aktivitäten zu erstellen.

Google und Facebook geben Daten weiter

Genau dies liegt aber gewöhnlich im Interesse von Diensten oder Entwicklern, wenn sich Nutzer via Google oder Facebook anmelden. Die Verbraucherzentrale warnt, dass "sämtliche Informationen über alles, was Sie auf anderen Seiten machen, beim Anbieter des Benutzerkontos zusammenlaufen. Möglicherweise erhält dieser dann umfassende Daten zu Ihren Vorlieben, Gewohnheiten und ihrem Einkaufsverhalten und kann diese Informationen für eine umfassende Profilbildung nutzen."

Besonders übel treibt es dabei Facebook. Forscher der Princeton-Universität deckten im April 2018 auf, dass bei einem Facebook-Login neben dem eigentlichen Seitenbetreiber auch Drittanbieter ohne Wissen des Nutzers auf die öffentlichen Infos seines Facebook-Profils zugreifen können.

Aber auch beim Google-Login kann man sich nicht sicher sein, dass lediglich Google wertvolle Informationen zum Nutzerverhalten durch die Anmeldung erhält. Das Unternehmen weist auf seiner Support-Seite darauf hin, dass zumindest Name, E-Mail-Adresse und das Profilbild von Drittanbietern abgerufen werden können. Und Google warnt, dass unabhängig davon ein Drittanbieter den Zugriff auf Daten aus Google-Diensten zugreifen kann.

Nutzer müssen gut aufpassen

Das Unternehmen hält sich an diesem Punkt raus und überlässt es dem Nutzer, zu entscheiden, ob das okay ist. Wenn etwas schiefgeht, übernimmt Google auch keine Haftung. Die Verbraucherzentrale rät dringend dazu, genau durchzulesen, welche Berechtigungen ein Drittanbieter einfordert. Dazu gehöre unter anderem das Recht, im Namen des Nutzers unbemerkt Dinge zu liken oder zu posten.

Viele Nutzer setzen aber vermutlich oft ihr Häkchen, ohne das Kleingedruckte zu lesen. Dafür gibt es in Facebook und Google Übersichten, wo sie überprüfen können, welche Anwendungen mit ihrem Konto verknüpft sind und welche Berechtigungen sie haben. Wenn einem nicht gefällt, was man dort sieht, ist es auch möglich, dort die Verknüpfung rückgängig zu machen. Ob die Drittanbieter bereits gesammelte und gespeicherte Daten löschen, darf bezweifelt werden.

Eine große Gefahr beim Single-Sign-on besteht laut Verbraucherzentrale auch darin, dass Unbefugten Zugangsdaten in die Hände fallen - sei es durch Schlamperei, Phishing oder Hackerangriffe. Im schlimmsten Fall ist dies das Passwort zum Google- oder Facebook-Konto. Man sollte daher unbedingt eine Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen, bei der zusätzliche Aktionen neben der Passwort-Eingabe nötig sind, um sich anzumelden. Bei "Anmelden mit Apple" ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung übrigens obligatorisch.

Entwickler müssen mitmachen

Dass Apple jetzt seinen Nutzern ein Single-Sign-On gibt, bei denen sie ihre Privatsphäre nicht preisgeben, ist grundsätzlich eine gute Sache. Allerdings hat "Techcrunch" in den neuen App-Store-Richtlinien entdeckt, dass das Unternehmen dabei sogar so weit geht, dass ein Entwickler grundsätzlich immer auch Apples Lösung anbieten muss, wenn es in seiner Anwendung die Möglichkeit eines Drittanbieter-Logins gibt.

Welcher Apple-Nutzer würde bei so einer Auswahl noch auf Facebook oder Google tippen? Und das könnte für Apple ein Problem werden, vermutet "Business Insider". Denn nicht nur Facebook und Google müssten so auf Daten und Einnahmen verzichten, sondern auch die Entwickler von werbefinanzierten Apps, die einen Deal mit ihnen haben. Denn Anzeigen-Traffic wird schlechter honoriert, wenn dabei nicht Nutzerdaten fließen.

Marktmissbrauch?

Letztendlich könne der neue Service zu einem gewaltigen Problem für Apple anwachsen, schreibt "Business Insider". Der Zwang, bei einer Single-Sign-On-Option auch "Anmelden mit Apple" einzubinden, könne von Behörden in und außerhalb der USA als Missbrauch der Marktmacht ausgelegt werden. Das Wirtschaftsmagazin vergleicht die Problematik unter anderem mit Googles Zwang, seine Apps ins System einzubinden, wenn ein Hersteller Android und den Play Store nutzen möchte. Die EU hat dafür eine 5-Milliarden-Dollar-Strafe verhängt. Ebenso sieht "Business Insider" Parallelen zum "Browserkrieg" vor rund 20 Jahren. Damals drohte Microsoft die Zerschlagung, weil Microsoft durch eine Integration des Internet Explorers in Windows den zu Beginn der Internet-Zeit dominierenden Netscape Navigator verdrängte.

Vielleicht passt eher das Kartellverfahren, dass 2007 Opera mit einer Klage bei der EU-Kommission gegen Microsofts Praxis, den Internet Explorer bei der Windows-Installation automatisch mitzuinstallieren und als Standard-Browser festzulegen, auslöste. Es endete schließlich damit, dass Microsoft sich darauf einließ, beim Windows-Setup eine Auswahl verschiedener Browser anzuzeigen.

Noch Fragen offen

Für Nutzer, die Wert auf Privatsphäre legen, wäre es schön, wenn sie künftig auch bei der Drittanbieter-Anmeldung die Wahl hätten. Ob die Kartellwächter dies allerdings so durchgehen lassen, wie sich Apple das vorstellt, muss sich noch zeigen. Es stellt sich außerdem die Frage, ob auch Android- oder Windows-Nutzer in den Genuss kommen. Grundsätzlich ist das ja möglich, wenn sie eine Apple-ID einrichten. Aber ob die Entwickler "Anmelden mit Apple" auch in Anwendungen für andere Plattformen anbieten, ist noch nicht gesagt.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de

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