Wirtschaft

Der Fisch stinkt vom Kopf Die Deutsche Bank verdient eine Chance

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Die Deutsche Bank zieht endlich in der Chefetage Konsequenzen aus ihren endlosen Skandalen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach langem Zögern wird die Deutsche Bank endlich die Top-Manager los, die für Betrug, Manipulation und die Vertuschung ihrer unzähligen Skandale verantwortlich sein sollen. Das ist eine echte Gelegenheit zum Neustart.

Es war allerhöchste Zeit für den radikalen Schnitt: Das Investmentbanking wird aufgespalten, sechs neue Manager ziehen in den Vorstand ein - bei der Deutschen Bank bleibt kein Stein auf dem anderen. Jahrelang hatte sich das Geldhaus unter seinen glücklosen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen darum gedrückt, aus den endlosen Skandalen seiner dunklen Vergangenheit echte Konsequenzen zu ziehen.

Nun macht der neue Chef John Cryan dagegen Nägel mit Köpfen. Das verdient Respekt. Es ist ermutigend, dass sich der gebetsmühlenartig beschworene Kulturwandel nicht länger nur in Sonntagsreden und Sparprogrammen niederschlägt, sondern da, wo er von Anfang an hätte beginnen müssen: in der Chefetage.

Denn der Fisch stinkt immer vom Kopf. Die Deutsche Bank war weltweit das einzige Geldhaus, das nach dem Crash die Brandstifter der Finanzkrise zu Feuerwehrmännern machte und seinen obersten Investmentbanker Anshu Jain zum Chefaufklärer. Diesen Fehler hat die Bank schon im Juni korrigiert: Jain und Fitschen traten vorzeitig zurück. Nun verabschiedet sie sich sichtbar auch von anderen Relikten der Ackermann-Ära.

Zockergeschäfte mit heißer Luft

Zum Beispiel dem Group Executive Committee: Den erweiterten Vorstand hatte Ackermann 2002 eingeführt, um die Bank angelsächsischer und die Spartenchefs mächtiger zu machen - allen voran die Investmentbanker. Nun dreht der neue Chef John Cryan das Rad zurück. Er will eine "besser kontrollierte Bank". Gut so.

Denn egal, ob Betrug mit Ramschhypotheken, Bilanztricks, Zinsskandal oder Devisenschummel: Die Rekordgewinne der Ackermann-Jahre waren größtenteils heiße Luft. Sie beruhten auf Zockergeschäften und Manipulation. Mehr als zehn Milliarden Euro Strafen hat die Bank inzwischen für diese fragwürdige Vergangenheit kassiert. Die Altlasten lähmen den Konzern, haben ihm einen Rekordverlust von mehr als sechs Milliarden Euro beschert. Der Aktienkurs dümpelt vor sich hin.

John Cryan stellt nun auch den anderen Top-Managern den Stuhl vor die Tür, die das Desaster zu verantworten haben: den Anführern von "Anshu's Army", den engen Gefolgsleuten des einst gefeierten und dann gefeuerten Investmentbankers an der Bankspitze. Sofort gehen muss Colin Fan, einer der beiden bisherigen Investmentbanking-Chefs. Auch Michele Faissola muss seinen Hut nehmen. Unter Anshu Jain war er direkt verantwortlich für manipulierte Zinsgeschäfte. Die Finanzaufsicht Bafin wirft ihm vor, womöglich von Manipulationen gewusst, aber nicht reagiert zu haben. Alan Cloete, Jains anderer langjähriger Intimus, musste die Bank deswegen schon im Mai verlassen.

Adieu für "Anshu's Army"

Vorstand Stephan Leitner geht freiwillig. Als oberster Compliance-Chef war er für die schleppende Aufarbeitung der Skandale verantwortlich. Die Bafin wirft ihm falsche Aussagen bei den internen Ermittlungen vor. Auch der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause tritt ab. Sein Fehlverhalten hatte die Bafin als "ziemlich ernst" eingestuft. Er muss sich ebenfalls mangelnden Aufklärungswillen vorwerfen lassen.

Ob die Deutsche Bank in Zukunft wirklich die Finger von fragwürdigen Geschäften lässt, weil sie sich von fragwürdigen Managern verabschiedet, bleibt offen. Der nötige Kulturwandel fängt nun eigentlich erst wirklich an. Er muss auf allen unteren Ebenen weitergehen. Gerettet ist die Deutsche Bank damit noch nicht. Sie wird sich noch Jahre mit ihren Skandalen befassen müssen. Aber sie hat sich jetzt eine echte zweite Chance verdient. Es ist vielleicht die letzte, die sie bekommt.

Quelle: ntv.de

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