Wirtschaft

Bunte Holding Google macht auf Warren Buffett

Ein Straßenname wird zum Programm: In der ABC-Straße in Hamburg befindet sich die deutsche Niederlassung des Internet-Konzern Google. Foto: Axel Heimken

In der ABC-Straße in Hamburg befindet sich die deutsche Niederlassung des Internet-Konzern Google.

(Foto: dpa)

Larry Page und Sergey Brin sind seit dem kometenhaften Aufstieg von Google selbst Idole. Doch sie haben auch eines: Investment-Guru Warren Buffett. Seine Industrieholding inspirierte die Google-Erfinder offenbar zu ihrem neuen "Alphabet". Analysten sind entzückt.

Bei Google ist ein neues Zeitalter angebrochen: Der Internet-Konzern wandelt sich in eine Holding namens "Alphabet" um. Google, der Name, der schon zum Verb wurde, steht dann künftig nur noch für die Web-Tochterfirma. Google-Chef Larry Page wird an der Alphabet-Spitze das Ganze überwachen, Mitgründer Sergey Brin wird ihm als "Präsident" zur Seite stehen. Googles-Topmanager Sundar Pichar darf sich künftig Google-Chef nennen und die Internet-Suchmaschine lenken, mit der alles begann.

Schon seit langer Zeit besteht der Google-Konzern aus weitaus mehr als der Suchzeile. Drohnen, selbstfahrende Autos, vernetzte Thermostate und Rauchmelder – das sind nur einige der Projekte, an denen Google arbeitet. Mit wechselndem Erfolg. Siehe Google Glass. Und Google Plus.

Analysten sahen das nicht gerne. Google hatte zwar dank der Online-Werbung im Umfeld der Suchanfragen immer genug Geld. Doch wieviel Geld wohin floss, blieb undurchsichtig. Nun räumt Larry Page auf. Hinter dem Namen Google steckt künftig nur noch das Kerngeschäft mit der Suchmaschine, der Videoplattform YouTube sowie dem Mobil-System Android. Hier wird das Geld verdient. Andere Tochterunternehmen, wie das Innovationslabor Google X, die Gesundheitssparte Calico oder die Heimvernetzungstochter Nest kommen in die Holding mit dem putzigen Namen.

"Brillante Aktion"

*Datenschutz

Die Aufteilung kommt Branchenbeobachtern bekannt vor: "Die geplante Struktur der Holding ähnelt der Warren-Buffett-Holding Berkshire Hathaway", schreibt etwa der "Guardian": Berkshire Hathaway versammelt eine Vielzahl von Firmen und Beteiligungen, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie Buffett gefallen. Da gibt es Ketchup und Cola, Zeitungen und Schuhe. Und Versicherungen.

Dass sich Google vom Meister-Investor Warren Buffett inspirieren ließ, ist wohl kein Zufall: Larry Page himmelt den 84-Jährigen seit Jahren offen an. Außerdem haben Page und Brin offensichtlich auch keine Lust, sich auf die Suchmaschine reduzieren zu lassen: "Wie wir bereits bei der Gründung schrieben, ist Google keine konventionelle Firma. Wir haben auch nicht die Absicht, eine solche zu werden", sagte Page nun zur Gründung von "Alphabet".

Die Branche zeigte sich angetan von dem neuen Wind. Analysten verteilten fast durch die Bank weg das Prädikat "kaufen" für die Google-Aktie. "Alphabet Inc. ist ein guter Anfang für mehr Transparenz. Der Fokus kann sich jetzt auf die Profitabilität von Google richten", hieß es etwa bei Morgan Stanley. "Das ist eine brillante Aktion, die es Page, Brin und ihrer Firma ermöglicht, den Zwängen ihrer Vergangenheit zu entfliehen", schrieb der Journalist Jeff Jarvis. Jarvis ist seit Jahren ein Anhänger von Google und veröffentlichte unter anderem das Buch "Was würde Google tun?". Sein jüngster Blogeintrag hieß nun: "Was würde Alphabet tun?"

Bei aller Begeisterung könnte sich der Internet-Riese für den Geschmack der Finanzmarktexperten in Zukunft jedoch noch mehr öffnen. Denn zum einen sollen die Finanzen der Alphabet-Töchter außer Google weiter in einem Batzen präsentiert werden. Gleichzeitig ist Youtube mit mehr als einer Milliarde Nutzer kein eigener Bestandteil von Alphabet, sondern bleibt unter den Fittichen von Google. "Ohne Zweifel, damit hier keine Umsätze enthüllt werden müssen, die lange hinter den Analysten-Erwartungen zurückblieben", meint der Branchendienst "The Information".

Trotz der noch nicht ausgeräumten Bedenken schoss die Google-Aktie im nachbörslichen elektronischen Handel zeitweise um mehr als sechs Prozent nach oben. Mehr als 600 Dollar kostet der Titel, dennoch ist noch ordentlich Luft nach oben, bis die Aktie das Vorbild Berkshire Hathaway eingeholen wird: Hier kostet die Aktie rund 215.300 Dollar.

Quelle: n-tv.de, sla/dpa

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