Marktberichte

Nur teilweise zurück in der Spur Dax beschenkt Anleger mit Weihnachtsrally

Wie am Donnerstag kommt der Dax spät, aber er sichert sich so erneut einen Aufschlag und im Tagesverlauf ein neues Jahreshoch. Auch der Dow kann anfangs zulegen, verabschiedet sich dann aber mit einem Minus ins Wochenende.

"Das heutige Etappenziel ist die 11.400." Diese am Freitagmorgen n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel apostrophierte Marke hat der Dax zu Handelsschluss geknackt. Aber es war ein hartes Stück Arbeit. Zwar kletterte der Dax bis auf ein neues Jahreshoch von 11.452 Punkten, danach gab er einen Großteil seiner Gewinne aber wieder ab. Erst am Nachmittag, mit einer positiven Eröffnung der Wall Street, kam noch einmal etwas Schwung in den Markt. "Der Optimismus hält an und schürt so auch Hoffnungen für die kommende Woche", kommentierte n-tv-Börsenexpertin Susanne Althoff.

Der Dax verabschiedete sich mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent und 11.404 Punkten aus dem Handel. Am Donnerstag war er erst spät in die Puschen gekommen, hatte dann aber am Ende rund 1 Prozent fester geschlossen. Der MDax legte 0,6 Prozent auf 21.825 Zähler zu. Der TecDax gewann 0,3 Prozent auf 1766 Stellen.

"Der Dax hat seine Ampel vor Weihnachten noch einmal auf Grün gestellt", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. "Ein turbulentes Aktienjahr 2016 findet einen versöhnlichen Abschluss. Risiken werden zum Jahresende ausgeblendet", unterstrich er.

Dax: Etwas Ruhe bei Lufthansa

Bei dem Einzelwerten im Dax blieben die Banken im Fokus der Anleger. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Pfandbriefbank (pbb) aus Kreditsicht positiv beurteilt. Diese Einschätzung macht eine Hochstufung wahrscheinlicher, womit sich die Refinanzierung der Banken verbilligen könnte. Ohnehin gelten Bankenaktien als Profiteure des Trends steigender Zinsen, ausgelöst von der Zinserhöhung der US-Notenbank und deren Ankündigung eines steiler als bislang verlaufenden Zinspfads im kommenden Jahr. Deutsche Bank legten 1,5 Prozent zu. Commerzbank gaben dagegen leicht nach. pbb schlossen kaum verändert.

Lufthansa kletterten etwa 1 Prozent. Positiv bewerteten Händler, dass es vorerst keine Streiks bei Eurowings und Lufthansa geben wird. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Konzern hatten sich darauf geeinigt, im Streit um höhere Gehälter einen gemeinsamen Schlichter anzurufen. Bis Ende Januar soll eine Lösung erreicht sein. In dieser Zeit herrscht Friedenspflicht, es wird also keine Streiks der Piloten geben.

Bei VW brummt das Geschäft, der Konzern hatte im November seinen weltweiten Absatz um 7,9 Prozent hochgeschraubt und damit deutlich stärker als im bisherigen Jahresverlauf. Von Januar bis November 2016 kommt Europas größter Autokonzern nun auf einen Zuwachs von gut 3 Prozent. Im vergangenen Monat legten die Wolfsburger besonders in China und auch in den USA zu, wo der Abgasskandal vor gut einem Jahr aufgedeckt wurde. VW stiegen etwa 0,8 Prozent.

Munich Re gewannen etwa 0,5 Prozent. Hier spielte eine Analystenstimme eine Rolle. So hatte die Societe Generale die Aktien zum Kauf empfohlen. Dagegen senkte sie den MDax-Wert Hannover Rück auf "Halten", deren Papiere gingen daraufhin kaum verändert aus dem Handel.

TecDax: Evotec kooperiert 

Evotec verteuerten sich etwa 4 Prozent. Das Biotechnologieunternehmen kooperiert mit dem US-Schwergewicht Celgene und erhält dafür eine Startzahlung von 45 Millionen Dollar. Maximal könnten es 250 Millionen Dollar werden.

Europa: Actelion-Hype

Mit Blick auf Berichte über einen möglichen Übernahmepreis von umgerechnet 282,60 Franken zogen die Aktien von Actelion mehr als 10 Prozent und die Papiere von Sanofi gaben 2,5 Prozent nach. Den genannten Übernahmepreis halten Händler mehrheitlich für viel zu hoch: "Das wäre ja eine Irrsinnsprämie, die man im Sektor noch nicht gesehen hat", sagte ein Marktteilnehmer: "Man darf ja nicht vergessen, dass die Übernahmespekulationen losgingen, als Actelion bei rund 150 Franken standen."

USA: Dow Richtung 20.000?

Die US-Börsen hielten ihre Rekordjagd zum Wochenausklang nicht bei. Der Dow-Jones-Index kletterte zu Beginn leicht nach oben, schloss am Ende aber mit 0,04 Prozent im Minus bei 19.844 Punkten. Die 20.000er-Marke bleibt damit aber in Reichweite. Börsianer rechneten damit, dass die Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom unter dem künftigen Präsidenten Donald Trump den Dow bald über die psychologisch wichtige Marke treiben wird. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 2258 Zähler. Der Nasdaq100 fiel um 0,4 Prozent auf 4915 Stellen.

Bei den Einzelwerten stachen Honeywell hervor. Die Aktien gaben 1,5 Prozent nach, nachdem der Luftfahrt-Zulieferer einen enttäuschenden Ausblick auf 2017 abgeliefert hatte. Adobe konnten dagegen mit einem überraschend hohen Quartalsumsatz glänzen. Die Aktien des "Photoshop"-Machers stiegen etwa 1,5 Prozent. Oracle enttäuschte wiederum mit einem geringer als von Analysten erwartet ausgefallenen Umsatz. Die Papiere verloren mehr als 2 Prozent.

Devisen: "Der Dollar dominiert"

Der Euro hielt sich zum Wochenschluss lang gut zum Dollar, das Tageshoch betrug 1,0472 Dollar. Am Abend drehte die Gemeinschaftswährung aber wieder ab, notierte mit 1,0434 Dollar nur knapp über der 1,04er Marke, Am Donnerstag war der Euro noch zeitweise bis auf 1,0367 Dollar gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang 2003. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,0439 Dollar fest nach 1,0419 Dollar am Donnerstag.

Große Einflüsse durch Konjunkturdaten gab es vor dem Wochenende nicht. Der Handel stand weiter ganz im Zeichen der US-Geldpolitik. Am Mittwochabend hatte die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins angehoben und für das kommende Jahr die Möglichkeit noch weiterer Zinserhöhungen ins Spiel gebracht. Auf die geldpolitischen Beschlüsse in den USA folgte eine ausgeprägte Dollar-Stärke im Handel mit anderen wichtigen Währungen. "Der Dollar dominiert", beschrieben Experten des Bankhauses Metzler die Lage am Devisenmarkt.

Ihrer Einschätzung nach wird in den kommenden Wochen weiter viel Druck auf den Euro aufgebaut. Daher sei zu Beginn des nächsten Jahres ein kurzes Abtauchen der Gemeinschaftswährung unter die Parität zum Dollar wahrscheinlich. Dann könnte der Euro zeitweise auch weniger wert sein als ein Dollar.

Rohstoffe: Ölpreis stabilisiert sich

Der Ölpreis verbuchte Gewinne. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 55,26 Dollar. Das waren 2,3 Prozent mehr als noch am Donnerstagabend. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg 2,0 Prozent auf 51,93 Dollar.

Am Markt wurden die Preisaufschläge mit dem zeitweise etwas schwächeren Dollar erklärt. Seit der Zinserhöhung der US-Notenbank vom Mittwochabend hatte die US-Währung stark zugelegt, zuletzt aber auf hohem Niveau leicht nachgegeben. Das habe Druck von Rohöl genommen, das in Dollar gehandelt wird und deshalb mit höherem Dollarkurs für viele Investoren teurer wird. Das drückt meistens die Nachfrage und die Weltmarktpreise.

Asien: Positiver Wochenausklang

An den südostasiatischen Börsen zeigten sich am letzten Handelstag der Woche leichte Aufschläge. Der Tokioter Nikkei ging 0,7 Prozent fester aus dem Handel mit 19.401 Punkten. Es waren vor allem die Finanzwerte, die den japanischen Leitindex erneut auf ein Einjahreshoch führten.

"Am Aktienmarkt werden auf die Schnelle die falkenhaften Töne der Federal Reserve verdaut. Und man blickt bereits voraus, versuchte Marktanalystin Margaret Yang von CMC Markets die Gesamtstimmung in der Region einzufangen. Die Märkte nähmen den sich aufklarenden Ausblick für die US-Konjunktur und die Veränderungen, die der designierte US-Präsidenten Donald Trump bringen könnte, zur Kenntnis.

Der Shanghai Composite schloss 0,2 Prozent höher bei 3124 Zählern. Der HSI in Hongkong bewegte sich kaum, nachdem der Leitindex der chinesischen Sonderwirtschaftszone am Donnerstag nach einer Zinserhöhung der lokalen Zentralbank noch das Schlusslicht war. "Der Ausverkauf gestern in Reaktion auf die US-Zinsbeschlüsse war übertrieben", sagte Chefhändler Andrew Sullivan von Haitong. Die lokale Bankbehörde folgt mit ihren Zinsbeschlüssen in der Regel den US-Vorgaben.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/dpa/rts

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