Marktberichte

"Es ist ein Gewürge" Dax gewinnt einen zähen Kampf

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Die 150-Milliarden-Dollar-Fusion ist geplatzt: Die Aktien von Pfizer und Allergan ziehen leicht an.

(Foto: REUTERS)

Gegenbewegung nach dem 2,6-Prozent-Kurssturz? Von wegen: Der Dax pendelt zur Wochenmitte mal leicht im Plus, dann leicht im Minus - trotz steigendem Ölpreis. Erst sehr spät bekommt er die Kurve. In den USA geht es teils deutlicher nach oben.

"An der Börse geht es munter, manchmal rauf und manchmal runter. Es ist ein Gewürge." So treffend hat n-tv-Börsenexperte Frank Meyer den Handel am deutschen Aktienmarkt zur Wochenmitte kommentiert. Nach dem Ausverkauf am Dienstag markierte der Dax bei 9506 Zählern sein Tagestief. Die charttechnisch wichtige Marke von 9500 durchbrach er aber nicht. Kurz vor Handelsende zogen die Kurse dann an. Dafür verantwortlich war in erster Linie ein weiterer Preissprung bei Öl nach einem Rückgang der US-Lagerdaten.

Der Dax, der am Dienstag 2,6 Prozent verloren hatte und auf ein Vierwochentief gefallen war, schloss 0,6 Prozent im Plus bei 9625 Punkten. Der MDax verabschiedete sich 0,8 Prozent fester aus dem Handel mit 20.044 Zählern. Der TecDax wies einen Aufschlag von 1,1 Prozent und einen Schlussstand von 1633 Stellen auf.

Konjunktur: Märkte kriegen ihr Fed weg

Hauptgesprächsthema blieb die US-Zinspolitik. Aus diesem Grund werden Investoren die Worte der Fed-Chefin von Cleveland, Loretta Mester, auf die Goldwaage legen. Nach widersprüchlichen Aussagen ihrer Kollegen aus der US-Notenbank erhoffen sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der geplanten Zinserhöhungen. Mester sollte allerdings erst nach Börsenschluss in Deutschland sprechen.

Ebenfalls erst am Abend (20.00 MESZ) wollte die US-Notenbank Federal Reserve das Protokoll ihrer Sitzung vom März veröffentlichen. Im Blick hatten die Anleger aber bereits die am Nachmittag erschienenen US-Öllagerbestände. Und die wiesen einen Rückgang zur Vorwoche um fast 5 Millionen Barrel auf. Das stützte.

Rohstoffe: Preissprung bei Öl

Der Ölpreis kletterte deutlich. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Abend 39,06 Dollar. Das waren 3,1 Prozent mehr als am Dienstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte sogar 4,2 Prozent auf 37,42 Dollar zu. Händler verwiesen auch auf Aussagen des Opec-Mitglieds Kuwait zu möglichen Produktionskürzungen als Begründung.

Die großen Ölproduzenten hätten keine andere Wahl, als eine Übereinkunft für eine Drosselung der Produktion zu erzielen auf ihrem Treffen am 17. April, saget die kuwaitische Opec-Gouverneurin Nawal Al-Fezaia. Bis zum Treffen werde der Ölmarkt sehr volatil bleiben, kommentierte ein australischer Händler. Auch die Analysten der ANZ Bank mahnten zur Vorsicht: Investoren sollten erst den Ausgang der Gespräche abwarten. Die Förderländer sprechen seit Monaten immer wieder über eine umfassende Förderbremse, bislang allerdings ohne Ergebnis.

Wegen der weltweiten Überproduktion ist der Ölpreis seit Mitte 2014 um etwa zwei Drittel eingebrochen. Am Freitag vergangene Woche hatten dann Aussagen aus Saudi-Arabien den Ölpreis bis gestern Abend stark unter Druck gesetzt. Das Land hatte deutlich gemacht, seine Produktion nur herunterzufahren, falls der Iran und andere Förderer mitziehen würden.

Dax: Die Verlierer von gestern ...

Bei den Einzelwerten im Leitindex rückten vor allem die Verlierer des Ausverkaufs in den Fokus: die Papiere der Automobilhersteller, der Rohstoffsektor und die Banken. Die deutschen Autobauer Audi, BMW und Daimler verhandeln mit dem Onlinehändler Amazon und mit Microsoft über eine Beteiligung an dem Kartendienstleister Here. Die Gespräche könnten dazu führen, dass die beiden US-Konzerne Minderheitsbeteiligungen an Here erwerben, so Daimler. Der Konzern hatte zudem zur Hauptversammlung geladen - und dämpfte die Gewinnerwartung. Daimler schlossen am Ende 0,4 Prozent leichter, BMW dagegen 0,3 Prozent im Plus.

VW verbesserten sich 0,5 Prozent. In den USA bescheinigte dem Konzern eine Studie wegen des Abgas-Skandals einen Imageschaden. Volkswagen verliert zudem seinen Chefentwickler für Lastwagen und Busse: Lars Stenqvist wechselt zum Konkurrenten Volvo.

Streit bei Siemens

Siemens gewannen 0,6 Prozent leichter. Nach der Ankündigung neuer Einschnitte bei Siemens verlangten Arbeitnehmervertreter einen Strategieschwenk von Konzernchef Joe Kaeser. Statt ein seit Langem gefordertes Zukunftskonzept zum Erhalt der Arbeitsplätze vorzulegen, jage bei dem Elektrokonzern ein Stellenabbau den nächsten, sagte Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn. "Wir befürchten, dass die industrielle Basis aus Deutschland rausgehen soll."

HeidelbergCement drehten kurz vor Handelsschluss etwa 0,5 Prozent ins Plus. Händlern zufolge belastete eine Abstufung durch JP Morgan von "Übergewichten" auf "Neutral". Keine Belastung für die Aktien sahen Marktteilnehmer dagegen im Verkauf der Aktivitäten von Italcementi in Belgien. Dies hänge lediglich an kartellrechtlichen Bedingungen und sei mit dem Kauf der Italiener klar gewesen, sagte ein Händler.

Die chinesische Versicherungsgruppe Anbang übernimmt die Allianz Life Insurance Korea und Allianz Global Investors Korea vom Münchener Dax-Konzern. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die örtlichen Aufsichtsbehörden. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Allianz zogen mehr als 1 Prozent an.

MDax: Auftrag für Rheinmetall-Tochter

Der zum Rheinmetall-Konzern gehörende Automobilzulieferer Kolbenschmidt Pierburg (KSPG) erhielt einen Auftrag eines chinesischen Automobilherstellers im Wert von 85 Millionen Euro. Es handele sich dabei um Regelklappen, Aktuatoren für Saugrohre und elektrische Umschaltventile, die in Zweiliter-Dieselmotoren für SUVs, Pick-up Trucks und Lieferwagen eingebaut würden, so Rheinmetall, deren Titel mehr als 2 Prozent anzogen.

EnBW erlitt im Streit um das Atommoratorium eine Niederlage: Das Landgericht Bonn hatte eine Klage des Energiekonzerns gegen den Bund und das Land Baden-Württemberg abgewiesen. EnBW hatte wegen der vorübergehenden Zwangsabschaltung der Atomkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg Schadenersatz von rund 261 Millionen Euro gefordert. EnBW verteuerten sich 0,5 Prozent.

H&M legten rund 5 Prozent zu - trotz der als schwach eingestuften Zahlen. "H&M ist jetzt auch einmal von dem unkalkulierbaren Wetter heimgesucht worden wie schon so oft von deutschen Modefirmen gehört", sagte ein Händler. Der Nettogewinn war dadurch im ersten Quartal um 30 Prozent eingebrochen. Aber: Der Ausblick sei positiv ausgefallen und das Online-Geschäft entwickele sich gut.

USA: New York steigt in den Abend

Dow Jones
Dow Jones 35.294,76

An der New Yorker Wall Street sprechen Händler zur Wochenmitte von einer leichten Erholung. Der Dow-Jones-Index gewann 0,6 Prozent auf 17.716 Punkte. Der S&P-500 stieg um 1,1 Prozent auf 2067 Zähler. Der Nasdaq-Composite legte um 1,6 Prozent auf 4921 Punkte zu.

Das Protokoll zur jüngsten Fed-Sitzung sorgte nur vorübergehend für einen kleinen Dämpfer. Die Währungshüter wandten sich überwiegend gegen eine Zinserhöhung im April, doch einige Fed-Vertreter zeigten sich dafür offen. Vergangene Woche hatte Fed-Chefin Janet Yellen hohe Erwartungen geweckt, als sie sich in einer Rede sehr taubenhaft gegeben hatte.

Mit Genugtuung verfolgten die Börsianer die steigenden Ölpreise. Die Lagerbestände an Rohöl sind in Amerika in der vergangenen Woche um fast 5 Millionen Barrel gefallen, nachdem sie zuletzt deutlich gestiegen waren. Außerdem zeigten sich Vertreter Kuwaits zuversichtlich, dass trotz aller Streitereien zwischen den Opec-Mitgliedern Saudi-Arabien und Iran eine Einigung auf den Weg gebracht werden könne, um den Ölausstoß zu begrenzen.

Auf der Unternehmensseite spielte die abgesagte Fusion von Allergan und Pfizer eine Hauptrolle. Der US-Pharmariese Pfizer gab die Pläne für die 150 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Wettbewerbers Allergan auf. Pfizer zieht damit die Konsequenzen aus neuen Fusionsvorschriften der US-Regierung, die darauf abzielten, Pfizer und Allergan ihren Zusammenschluss zu verleiden.

Die beiden Fusionspartner wollten den Sitz des größten Pharmakonzerns der USA nach Irland verlegen, um Steuern zu sparen. Doch genau das ist nach den neuen Vorschriften nicht mehr möglich - dass damit die ganze Übernahmeidee platzt, wirft nach Ansicht vieler Beobachter kein gutes Licht auf die ursprünglichen Motive des Zusammenschlusses. Für die Allergan-Aktie ging es nach dem jüngsten Kurseinbruch um 3,5 Prozent nach oben. Pfizer legten um 5 Prozent zu.

Devisen: Euro gibt nach

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,16

Der Euro fiel bis auf ein Tagestief von 1,1326 Dollar. Am Abend notierte die europäische Gemeinschaftswährung dann wieder bei 1,1377 Dollar. Das war noch ein Abschlag von 0,1 Prozent zum Dienstagabend. In der Nacht hatte sie knapp unter der Marke von 1,14 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setze den Referenzkurs am Mittag auf 1,1336 Dollar fest nach 1,1367 Dollar am Dienstag.

Zahlen aus der deutschen Industrie fielen zwar besser aus als erwartet, konnten den Euro aber zunächst nicht stützen. Die Industrieproduktion fiel im Februar zurück, jedoch nicht so stark wie befürchtet. Der Anstieg vom Januar wurde nachträglich etwas nach unten korrigiert.

Nach seinem Abwärtstrend seit Mitte Januar hatte sich der Dollar in den vergangenen Tagen zusehends stabilisiert. Eine nachhaltige Erholung des Dollar erwarten die Devisenexperten der Commerzbank jedoch nicht. Es bestehe am Markt eine "hohe Skepsis" mit Blick auf weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed, hieß es.

Asien: Nikkei erneut im Minus

Die Ausverkaufsstimmung an den ostasiatischen Aktienmärkten ebbte zur Wochenmitte ab. Überwiegend kleine Kursgewinne prägten die Börsenlandschaft. Für etwas Zuversicht sorgten unter anderem die sich erholenden Ölpreise. Etwas Unterstützung erhielt die Stimmung von den Einkaufsmanagerindizes für das chinesische Dienstleistungsgewerbe. Der von Caixin ermittelte Index war im März auf 52,2 Punkte von 51,2 im Februar gestiegen, nachdem Chinas offizieller Einkaufsmangerindex, der auch den Baubereich umfasst, zuletzt ebenfalls zugelegt hatte.

In Tokio fiel der Nikkei-Index 0,1 Prozent auf 15.715 Punkte und gab damit das siebte Mal in Folge nach. Am Dienstag war der japanische Leitindex um mehr als 2 Prozent abgerutscht. Gebremst wird er weiter vom starken Yen, der die Exportchancen japanischer Unternehmen verschlechtert.

Der chinesische Shanghai Composite schloss am Ende 0,1 Prozent leichter. Er hatte am Dienstag gegen die schwache Tendenz an den Nachbarbörsen aber auch zugelegt. Zudem läuft der chinesische Markt bereits seit Monaten seinen meisten asiatischen Pendants voraus angesichts eines nachlassenden Konjunkturpessimismus für das Reich der Mitte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans tendierte nahezu unverändert. In Hongkong und Südkorea ging es dagegen mit dem Hang Seng und dem Kospi leicht nach oben. Der australischen S&P/ASX200 legte ebenfalls zu.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts/dpa

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