Marktberichte

Schwache Woche, nettes Ende Dax schließt unter 9700

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Die Südspitze Manhattans im Licht des frühen Aprils: Ölpreis und Fed-Chefin signalisieren stabile Rahmenbedingungen.

(Foto: REUTERS)

Der Einstieg ins zweite Quartal erfordert starke Nerven: Am Ende der ersten Börsenwoche im April blicken Anleger am deutschen Aktienmarkt auf ein klares Plus. An der Wall Street atmen die Ölkonzerne auf. Die Aktien von GAP verlieren fast 14 Prozent.

Der Dax hat am Freitag eine schwache Woche versöhnlich beendet. "Wir haben kaum Impulse", kommentierte n-tv-Börsenexperte Frank Meyer die Lage im Frankfurter Handelssaal. Doch die Investoren nutzten aus, was sie finden konnten - und die Kurse kletterten im Freitagshandel auf breiter Front. Händler verwiesen unter anderem auf den steigenden Ölpreis, der vor dem Wochenende leichten Rückenwind aufkommen ließ. "Nächste Woche kommt dann mehr Schwung in die Bude", heißt es unter Hinweis auf die bevorstehende Berichtssaison.

Der deutsche Leitindex Dax konnte seine anfänglichen Gewinne halten: Zum Handelsschluss notierte das prominente Börsenbarometer 0,96 Prozent fester bei 9622,26 Punkten. Der Wochenverlust schmolz damit auf 1,76 Prozent zusammen - es war allerdings die dritte negative Woche in Folge. Bei den mittelgroßen Werten gewann der MDax im Freitagshandel 1,35 Prozent auf 20.170,51 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,92 Prozent auf 1635,29 Punkte nach oben.

Nach dem 2,6-Prozent-Kursrutsch vom Dienstag und dem leichten Aufschlag zur Wochenmitte waren die Kurse am Donnerstag wieder gefallen. Der Dax hatte am Vortag stramme 1,0 Prozent eingebüßt. Die deutlich erholten Ölpreise werden am Markt als Indikator für die Einschätzung der Weltkonjunktur aufgefasst. Die begünstigte laut Analyst Mike van Dulken vom Broker Accendo Markets die Risikobereitschaft der Anleger. Selbst der etwas anziehende Euro, der ungünstig für deutsche Exporte in Länder außerhalb des Währungsraums ist, trübte die Stimmung kaum.

Die in der neuen Woche anlaufende US-Berichtssaison könnte dem deutschen Leitindex positive Impulse geben, glaubt auch Analyst Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen. "Die Marktteilnehmer gehen von einem deutlichen Gewinnrückgang aus, so dass die Messlatte nicht allzu hoch liegt."

Konjunktur: Es bleiben Fragezeichen

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Der Dax im Freitagshandel: "Nächste Woche kommt dann mehr Schwung in die Bude."

(Foto: REUTERS)

Das Treffen der drei ehemaligen Fed-Gouverneure Volcker, Bernanke und Greenspan mit der amtierenden Chefin Janet Yellen am Donnerstagabend habe an den Märkten bislang keine größeren Spuren hinterlassen. "Man war sich zwar einig, dass die US-Konjunktur auf einem guten Weg ist, aber wirklich zündende Aussagen gab es nicht", merkt ein Händler an. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass das Treffen im US-Handel noch einmal thematisiert werde.

Ihre Aufmerksamkeit richten Anleger unter anderem auf einen Auftritt von William Dudley, dem Chef der Federal Reserve Bank von New York. Sie erhoffen sich weitere Hinweise auf die US-Geldpolitik. Dudley ist im Fed-Offenmarktausschuss (FOMC), der die US-Geldpolitik bestimmt, stimmberechtigt.

Rohstoffe: Preissprünge beim Rohöl

Die Ölpreise sind kurz vor dem Wochenende massiv gestiegen. Spekulationen auf eine mögliche Eindämmung des Angebots an Rohöl trieben die beiden wichtigsten Ölpreise am Freitag immer stärker nach oben. Am späten Nachmittag legten beide Notierungen jeweils etwa sechs Prozent zu.

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete zuletzt 41,88 US-Dollar. Das waren 2,45 Dollar mehr als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im Mai stieg um 2,50 Dollar auf 39,76 Dollar.

Händler erklärten den Schub bei den Ölpreisen mit der Hoffnung auf eine Begrenzung der Fördermenge. Wichtige Mitgliedsstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Vertreter Russlands haben hierfür ein mit Spannung erwartetes Treffen am 17. April geplant.

Zuletzt hatte der russische Energieminister Alexander Nowak die Hoffnung auf einen Erfolg des Treffens geäußert. Russland zählt zu den treibenden Kräften einer Förderbegrenzung. Der Verfall der Ölpreise im vergangenen Jahr macht der russische Wirtschaft schwer zu schaffen.

Auch wenn am Markt die Hoffnungen auf eine Übereinkunft bei den Treffen zum Wochenschluss derzeit überwiegen, rechnen Experten in den kommenden Handelstagen mit weiteren Preisschwankungen am Ölmarkt. "Da ist eine Menge an Nervosität am Markt, was das Treffen am 17. April angeht", kommentierte Rohstoffexperte John Kilduff vom New Yorker Hedge Fonds Again Capital. Bereits im Verlauf der Woche hatte es starke Preisschwankungen gegeben.

Dax: Und wieder VW ...

Auch am letzten Handelstag der Woche blicken die Anleger im Dax auf die Autowerte. Wieder einmal liefert Volkswagen den Grund - mit dem "Zehn-Millionen-Mann", Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Auch der Streit um die Bonuszahlungen für die Vorstandsmitglieder sorgt für Wirbel. Offenbar hat VW-Markenchef Herbert Diess soll die Vertrauensfrage gestellt haben, wie Medien berichten. Die Aktien von VW verteuern sich um 1,6 Prozent.

Bei der Deutschen Post steht neuer Ärger mit der Wettbewerbsaufsicht im Blick. Sie prüft zurzeit, ob der Konzern seine Marktmacht auf dem Briefmarkt missbraucht. Anlass sind Beschwerden darüber, dass die Post bestimmten Großkunden, etwa Versicherungen und Versandhändlern, immer noch Rabatte in Form von Werbevergütungen gewähre. Die Aktien der Deutschen Post legen um 2,2 Prozent zu.

MDax: Neuling im Fokus

K+S geben 0,6 Prozent nach. Hier belastet eine "recht heftige" Gewinnwarnung von Compass Minerals. Der Salzproduzent hat nach einem schwachen ersten Quartal die Gewinnprognose für 2016 von 3,80 bis 4,25 US-Dollar je Aktie auf 3,25 bis 3,65 Dollar gesenkt. Das Unternehmen hat die niedrigere Prognose vor allem mit dem milden Winter begründet.

Axel Springer setzen sich unter den Nebenwerten mit knapp 8 Prozent Aufschlag an die Spitze. JP Morgan hat die Aktien auf "Overweight" erhöht. Die Analysten unterstreichen die Tragweite dieser Hochstufung mit dem Hinweis, dass dies nun das erste Mal in acht Jahren geschehen sei.

TecDax: SMA schließt Partnerschaft

SMA Solar verschafft sich durch eine Beteiligung an der amerikanischen Tigo Energy Zugang zur vielversprechenden Solarmodul-Technik. Wie der im TecDax notierte Hersteller von Wechselrichtern für die Solarbranche mitteilt, hat er sich im Rahmen einer Kapitalerhöhung von 20 Millionen Dollar an Tigo beteiligt. SMA Solar ziehen knapp 2 Prozent an.

USA: Dow und S&P drücken nach oben

Dow Jones
Dow Jones 25.548,00

Die US-Börsen boten zum Wochenschluss ein stabil bis freundliches Bild. Für gute Stimmung sorgten nach Angaben von Händlern der wieder leicht zulegende Ölpreis und Äußerungen von US-Notenbankchefin Janet Yellen. Nach Einschätzung der obersten US-Währungshüterin ist die Wirtschaft auf einem guten Weg. Die Fed bleibt demnach auf Kurs für weitere Zinserhöhungen.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,20 Prozent höher bei 17.576,96 Punkten. Auf Wochensicht steht damit ein Minus von 1,21 Prozent zu Buche. Der breiter gefasste S&P-500 verbesserte sich um 0,28 Prozent auf 2047,60 Zähler. Der Composite-Index an der Technologiebörse Nasdaq kletterte um schmale 0,01 auf 4474,93 Punkte.

Im Wochenvergleich ergaben sich damit für den Dow und den S&P-500 jeweils ein Minus von 1,2 Prozent, während der Nasdaq-Index einen Rückgang von 1,3 Prozent verbuchte.

Yahoo-Aktien gaben 0,3 Prozent nach. Zuvor hatte die Technologie-Website "Re/code" berichtet, dass Yahoo die Frist für Kaufgebote für sein Internet-Geschäft um eine Woche bis zum 18. April verlängert hat. Einem Agenturbericht zufolge gehören der US-Telekomkonzern Verizon sowie Google zu den Bietern.

Im Schlepptau des anziehenden Ölpreises legten die Aktien der Förderfirmen Chevron 1,6 Prozent und Exxon rund 1,0 Prozent zu. Gefragt sind auch die Anteilsscheine von Boeing. Der Airbus-Konkurrent hatte zuvor vier Bestellungen für seinen Frachter 747-8 bekanntgegeben. Boeing-Papiere rückten 0,7 Prozent vor.

Steil bergab geht es für GAP mit einem Kurseinbruch von fast 14 Prozent. Die Mode-Kette hatte einen Umsatzrückgang für März bekanntgegeben.

Devisen: Euro unter 1,14

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Der Euro kann zum Nachmittag hin leicht zulegen. Die Gemeinschaftswährung kostet 1,1383 Dollar. Das ist 0,1 Prozent mehr als noch am Donnerstagabend. Am Markt ist von einem ruhigen Handel die Rede. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,1364 Dollar festgesetzt.

Am Freitag stehen nur wenige Wirtschaftsdaten an, die am Devisenmarkt für Bewegung sorgen könnten. Größere Aufmerksamkeit dürfte jedoch der Vizechef der amerikanischen Notenbank, Dudley, auf sich ziehen. Er wird sich zur konjunkturellen Lage äußern.

Asien: Nikkei legt zu

Überwiegend positiv verabschiedeten sich die ostasiatischen Aktienmärkte ins Wochenende. Der Nikkei-Index in Tokio schloss 0,5 Prozent fester beim  Stand von 15 822 Zählern. Der breiter gefasste Topix stieg 1,2 Prozent auf 1288 Punkte. Zwar mache die anstehende Berichtssaison die Anleger vorsichtig, ein nachgebender Yen habe aber gestützt, sagten Marktteilnehmer.

Der australische S&P/ASX 200 gab 0,5 Prozent auf 4938 Punkte nach. Der südkoreanische Kospi verlor 0,1 Prozent auf 1972 Zähler, der Straight-Times in Singapur 0,5 Prizent auf 2799 Stellen. In China schloss der Shanghai Composite 0,8 Prozent tiefer bei 2985 Punkten und der Hang Seng 0,1 Prozent im Minus bei 20.248 Zählern.

Für Verunsicherung sorge die zunehmende Skepsis um die Möglichkeiten der Notenbanken, das Konjunkturwachstum anzustoßen, nachdem ihnen dies trotz seit geraumer Zeit überwiegend extrem lockerer geldpolitischer Strategien nicht gelungen sei, hieß es. So sei es der japanischen Notenbank auch nicht gelungen, den Yen mit ihren Maßnahmen wie der Einführung negativer Zinsen, nachhaltig zu schwächer.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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