Marktberichte

Wall Street mit Kursverlusten Dax schließt vierten Tag in Folge im Plus

Langeweile kommt am Donnerstag am deutschen Aktienmarkt nicht auf: Euro und Öl schwanken. VW, Ströer, Adva, Morphosys und Hapag-Lloyd führen wahre Kurskapriolen auf. Nur EZB-Chef Draghi hält sich diesmal bedeckt.

Der Dax hat seinen seit Montag andauernden Aufwärtstrend am Donnerstag fortgesetzt. Lange sah es danach aber nicht aus, nur am Morgen konnte er bei den Anlegern Zuversicht stiften: Der Leitindex nahm Kurs auf ein neues Jahreshoch, drehte dann aber nur zwölf Punkte davon entfernt ab. Ein schwankender Euro, dazu ein ebenso steigender wie fallender Ölpreis sorgten für Unruhe, auch Aussagen des Zentralbank-Präsidenten Mario Draghis lieferten keinen Impuls.

Der Dax beendete den Handel 0,1 Prozent im Pluus bei 10.436 Punkten. Das Tageshoch markierte er bei 10.474 Zählern, das Tagestief bei 10.342. Am Montag und Mittwoch hatte er je 0,7 Prozent zugelegt, am Dienstag stolze 2,3 Prozent. Der MDax verlor 0,8 Prozent auf 20.481 Stellen. Der TecDax gab 1,0 Prozent auf 1655 Punkte ab.

Konjunktur: Rally? Denkste!

Von einem "klaren Risk-On" sprachen Händler noch am Morgen. "Noch sind viele Marktteilnehmer überrascht von dem schnellen Stimmungsumschwung und nicht investiert", erläuterte ein Marktteilnehmer. Aber nachdem der Dax das bisherige Jahreshoch bei 10.486 Punkten nicht knacken konnte, kippte die Stimmung.

Daran änderten am Nachmittag auch die mit Spannung erwarteten Ausführungen von EZB-Präsident Draghi nichts. Ihnen fehlte es an Gehalt, wie Händler sagten. Zum Teil waren sie sogar so neutral gefasst, dass die erhofften taubenhaften Elemente vermisst werden. Nach Einschätzung von Ralf Umlauf, Marktstratege der Helaba, hält sich die EZB weiter alle Optionen offen. Angesichts der intakten Wachstumsperspektive in der Eurozone und der Erwartung steigender Teuerungsraten scheine eine weitere Aufstockung der expansiven Geldpolitik nicht angemessen. Den Leitzins beließ die EZB unverändert.

Devisen: Euro fällt auf 1,1270

Während die Aktienmärkte zunächst mehr oder weniger seitwärts liefen, brachte EZB-Präsident Mario Draghi vorübergehend etwas Volatilität in den Devisenmarkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte das Niveau ihrer Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Mit Aussagen zu Inflationserwartung und Wachstum innerhalb der Eurozone zog der Euro bis knapp 1,14 US-Dollar an. Die Gewinne wurden aber rasch wieder abgegeben und die Gemeinschaftswährung fiel auf ein Tagestief bei etwa 1,1270 Dollar. Im späten US-Handel kostete ein Euro rund 1,1290 Dollar.

Rohstoffe: Ölpreis sinken

Die Ölpreise drehten ins Minus. Zuvor hatte die auf den niedrigsten Stand seit 18 Monaten zurückgegangene US-Fördermenge gestützt. Zudem gibt es Bestrebungen innerhalb des Erdölkartells Opec, einen neuen Vorstoß zum Einfrieren der Förderobergrenzen zu unternehmen. Generalsekretär Abdallah Salem el-Badri regte ein neues Treffen auch mit Nicht-Mitgliedern der Organisation im Juni an. Allerdings räumen Marktteilnehmer diesem Ansinnen genauso wenig Erfolgschancen wie dem gescheiterten Treffen in Doha ein. Beobachter machten auch den festeren Dollar für die nachgebenden Preise verantwortlich, denn er verteuert Öl für Käufer aus dem Nicht-Dollarraum. Auch Gewinnmitnahmen dürften eine Rolle gespielt haben, denn seit dem Tief bei etwa 26 Dollar im Januar hat sich der Preis für US-Leichtöl der Sorte WTI kräftig erholt. Am Donnerstag sank er um 2,3 Prozent bzw. 1,00 Dollar auf 43,18 Dollar. Die global gehandelte Sorte Brent fiel um 2,8 Prozent bzw 1,27 Dollar auf 44,53 Dollar.

Dax: Alle Augen auf VW

Bei Volkswagen häuften sich im Tagesverlauf die Presseberichte über eine teilweise Einigung des Automobilkonzerns im Abgasskandal mit den Behörden in den USA. Am Abend dann die "substanzielle Einigung". Das halt dem VW-Kurs wie schon zur Wochenmitte auf die Sprünge. Viele Fonds hätten die Aktie wegen unquantifizierbarer Risiken als nichtinvestierbar eingestuft und müssten einsteigen, hieß es im Handel.

VW schlossen rund 4 Prozent fester. Zwischenzeitlich hatten die Papiere sogar mehr als 7 Prozent im Plus gelegen.

Continental gaben rund 1 Prozent ab, nach einem Aufschlag zu Handelsbeginn. Hier hatten die Anleger die Zahlen der Konkurrenz auf dem Schirm. Michelin konnte die Absatzerwartungen allerdings nur leicht übertreffen, wuchs aber stärker als der Markt. Die Jahresprognose wurde bestätigt.

Vonovia sackten 2,5 Prozent ab und gehörten damit zu den größten Verlierern. Die jüngste Aufwärtswelle im Dax hatte der Titel schon nicht mehr mitgemacht. Auch andere Immobilien-Aktien wie Patrizia oder LEG Immobilien neigten zur relativen Schwäche. "Die wieder steigenden Renditen setzen die Branchentitel unter Druck", so ein Marktteilnehmer. Einerseits würden die Mieten vergleichsweise weniger attraktiv, zum anderen stiegen die Finanzierungskosten für Investitionen. "Da ist erst einmal der Dampf weg", sagte er.

MDax: Jubel bei K+S, Schock bei Ströer

K+S bauten ihre jüngste Gewinnstrecke aus und stiegen rund 1 Prozent. Händler führten das jedoch auf die steigenden Preise der Rohstoffmärkte zurück, nicht aber auf die Zahlen von Yara. Der norwegische Konkurrent habe zwar bessere Zahlen vorgelegt, dies liege aber an hauseigenen Kostenvorteilen. "Die sind nicht übertragbar auf K+S", kommentierte ein Händler.

Knapp 30 Prozent tiefer notierten Ströer in der Spitze, schlossen dann aber mit einem Abschlag von weniger als 20 Prozent. Auslöser des Kursrutsches war nach Aussage eines Händlers ein Bericht der Investmentgesellschaft Muddy Waters, warum sie die Aktie als überbewertet einstufe. Dabei gehe sie vor allem auf den Cashflow ein, den der Investor wesentlich niedriger einstufe. "Muddy Waters ist in der Community bekannt", so ein Marktteilnehmer. Jüngst war Muddy Waters auch bei der französischen Casino aktiv. Nun habe der Short-Seller Ströer im Visier. Auch in Ströer halte er nach Aussage eines Händlers eine Short-Position.

TecDax: Deutliches Abschläge bei Adva und Morphosys

Adva standen im TecDax stark unter Druck. Die Titel verloren mehr als 5 Prozent. "Der Gewinn liegt im unteren Bereich der Erwartungen", sagte ein Händler. Adva hatte eine Gewinnspanne von 1 bis 4 Prozent des Umsatzes in Aussicht gestellt, geworden sind es nur 1,6 Prozent.

Noch deutlicher brachen Morphosys ein. Die Aktien sackten rund 19 Prozent ab. Hier belastete ein Studienmisserfolg eines gemeinsam mit dem Partner Novartis entwickelten Medikaments.

SDax: Fusionsfantasie treibt Hapag-Lloyd

Im SDax katapultierten sich Hapag-Lloyd an die Spitze der Gewinner. Die Papiere des Kleinwerte-Neulings zogen mehr als 16 Prozent an. Medienberichten zufolge spricht die Hamburger Reederei mit einem arabischen Konkurrenten über einen Zusammenschluss. Ziel sei eine größere Marktmacht. Hapag-Lloyd bestätigte später die Gespräche.

USA: Gesittet ruhig

Die US-Börsen haben mit Kursverlusten geschlossen. Der Dow Jones ging 0,6 Prozent schwächer aus dem Handel mit rund 17.983 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,5 Prozent auf 2091 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,1 Prozent auf knapp 4946 Stellen.

Händler verwiesen auf die Rally der vergangenen zwei Monate und hielten die Zeit zum Zurücklehnen und Durchatmen für gekommen. "Wir blicken auf eine unglaubliche Rally. Mit den relativ hohen Bewertungen in den USA und einer eher lustlosen Berichtssaison ist es wirklich schwierig, Impulse zu finden, die den Markt höher treiben können", kommentierte Marktstratege Joe Tanious von Bessemer Trust.

Im Dow führte die Aktie von Travelers die Liste der Verlierer mit großem Abstand an. Sie fiel um 6,1 Prozent. Der Gewinn des Versicherers war im Auftaktquartal um 17 Prozent gesunken. Schuld daran seien Sturm- und Hagelschäden in Texas, teilte Travelers mit.

Der Autohersteller General Motors (GM) hat im ersten Quartal seinen Gewinn trotz insgesamt rückläufiger Absätze gesteigert und die Erwartungen übertroffen. Die Aktie legte um 1,5 Prozent zu. American Express gewannen 1 Prozent. Das Kreditkartenunternehmen hat wegen höherer Restrukturierungskosten im ersten Quartal zwar weniger verdient, aber dennoch die Markterwartungen übertroffen.

Die Aktie des Spielzeugherstellers Mattel verlor dagegen 5,8 Prozent, nachdem sich die Verluste im Berichtsquartal vergrößert hatten. United Continental stürzten um 10 Prozent ab. Die Fluggesellschaft hatte einen Rückgang des Nettogewinns um 38 Prozent gemeldet. Citrix stiegen um 4,4 Prozent nach über den Erwartungen ausgefallenen Geschäftszahlen.

Edelmetalle: Silber überstrahlt Gold

Bei den Edelmetallen standen nach Einschätzung der Commerzbank weiter Silber, Platin und Palladium höher im Kurs als Gold. Auch am Donnerstag legte Silber wieder zu, zeitweise um 3,5 Prozent auf 17,60 Dollar je Feinunze. Es erreichte damit ein Elfmonatshoch. Das Gold/Silber-Verhältnis sei dadurch auf ein Sechseinhalbmonatstief von 71,5 gefallen, so die Analysten.

Platin verteuerte sich auf 1030 Dollar je Feinunze, den höchsten Stand seit August und Palladium überwand erstmals seit vier Wochen wieder die Marke von 600 Dollar. Die Preise seien mittlerweile aber schon wieder zu stark gestiegen, dass Korrekturpotenzial bestehe, hieß es warnend. Die Feinunze Silber kostete in der Vorwoche um 16,20 Dollar.

Asien: Nikkei auf Fünfwochenhoch

Pluszeichen dominierten am Donnerstag klar die Kurszettel an den Aktienmärkten in Ostasien und Australien. Vor allem in Tokio herrschte weiter Kaufstimmung, weil der Yen erneut nachgab zum Dollar, was die Exportsituation japanischer Unternehmen verbesserte. Mit 109,80 Yen lag der Dollar auf einem Zweiwochenhoch. Damit nahmen auch wieder Spekulationen über weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen der japanischen Notenbank zu.

An der Tokioter Börse schloss der Nikkei-Index 2,7 Prozent fester bei 17.3644 Punkten. Er befindet sich damit auf einem Fünfwochenhoch. Aber auch in Hongkong ging es kräftig aufwärts: Der HSI zog 1,8 Prozent an. In Sydney kletterte der S&P/ASX200 um 1 Prozent. Hier stützte vor allem der Rohstoffsektor.

Der Shanghai Composite fiel 0,7 Prozent auf 2953 Zähler. Für zwischenzeitliche Entspannung sorgte Händlern zufolge die chinesische Notenbank mit einer siebentägigen Liquiditätsspritze über 220 Milliarden Yuan. Sorgen vor einer Liquiditätsverknappung waren am Mittwoch als einer der Gründe für zwischenzeitlich panikartige Verkäufe angeführt worden.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts/dpa

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