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Komplizierte Partnersuche Bergvögel zwitschern mit Dialekt

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Vogelgesang passt sich der Umgebung an: Stadvögel ahmen sogar Handyklingeltöne nach.

(Foto: AP)

Die Stimme ist ein wichtiges Instrument, nicht nur für die tägliche Kommunikation, sondern auch beim Flirten. In der Tierwelt ist das nicht anders. Bei Vögeln kann sogar der Dialekt ausschlaggebend für die Partnerwahl sein.

In unterschiedlichen Höhenlagen singen nordamerikanische Gambelmeisen unterschiedlich - zu dieser Erkenntnis ist ein amerikanisches Forscherteam gekommen. Die Bildung von Dialekten sei bei Vögeln nicht ungewöhnlich, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin "Open Science" der britischen Royal Society. In der Regel seien solche Gruppen aber durch landschaftliche Hindernisse wie große Seen oder hohe Berge voneinander getrennt. Das nun gefundene Beispiel zeigt, dass schon die Höhenlage dafür ausreichen kann, ganz ohne eine natürliche Barriere.

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Wählerische Gambelmeise: Der Gesang verrät, welcher Partner genetisch passt.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Carrie Branch und Vladimir Pravosudov von der University of Nevada in Reno hatten an den Bergen Sagehen und Mount Rose in der Sierra Nevada die Gesänge von Gambelmeisen (Poecile gambeli) in 1800 Metern und 2600 Metern Höhe aufgenommen. Dann bewerteten sie elf Merkmale wie die Länge einzelner Töne, die Länge der Lücken zwischen den Tönen, die Startfrequenz und die Lautstärke. Die Gesänge seien an allen vier Standorten verschieden gewesen, schreiben die Forscher – auch am selben Berg abhängig davon, ob die Population auf 1800 Meter oder 2600 Meter Höhe lebte.

Bei vielen Singvogelarten ist der männliche Gesang ein wichtiger Bestandteil der weiblichen Partnerwahl. Höhendialekte sind darum eine hilfreiche Anpassung: Die Meisenmännchen lockten so vor allem Weibchen, die genetisch ebenfalls an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst sind. Auf 2600 Metern ist es für die Vögel demnach schwieriger, zu überleben: Es liegt länger Schnee als in tieferen Lagen, die Meisen müssen sich mehr Vorräte für die kalte Jahreszeit zulegen.

Pravosudov hatte zusammen mit anderen Forschern in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass die Meisen der höheren Bergregionen ein besseres räumliches Gedächtnis besitzen. Diese Unterschiede seien sogar im Hippocampus nachweisbar, einer Hirnregion, die beim räumlichen Vorstellungsvermögen eine wichtige Rolle spielt. Gambelmeisen verstecken ihren Vorrat weit verteilt und brauchen daher ein gutes Gedächtnis, wenn sie ihr Futter wiederfinden wollen.

Vögel passen ihren Gesang der Umgebung an

"Dass es solche Dialekte an ein und demselben Berg in verschiedenen Höhen gibt, ist tatsächlich eine neue Erkenntnis", sagt Stefan Leitner vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen bei München. Allerdings gehen ihm die Schlussfolgerungen der Forscher etwas zu weit: Die gefundenen Unterschiede könnten aus seiner Sicht auch andere Ursachen haben. Die verwendete Methodik mit der hochauflösenden Auswertung der Aufnahmen sei sehr interessant, eigne sich aber nur für einfache Vogelgesänge: "Bei der Nachtigall ginge das schnell ins Uferlose."

Zum Vogelgesang gab es in den vergangenen Jahren immer wieder interessante Ergebnisse – etwa zu Anpassungen an den Lärm in Städten. So wurde gezeigt, dass Amseln in der Stadt wegen der vielen Lichtquellen und des Lärms mehrere Stunden früher mit ihrem Gesang starten als ländlich lebende Artgenossen. Bei städtischen Kohlmeisen fanden Forscher, dass die Männchen ihre Lieder in einer höheren Tonlage singen, um sich im Lärm bei ihren Partnerinnen besser Gehör zu verschaffen. Eine Studie in Großbritannien zeigte, dass manche Singvögel in der Stadt statt ihres melodischen Gesangs nur noch ein klägliches Piepsen herausbringen oder Umgebungsgeräusche wie Handyklingeltöne nachahmen.

Quelle: ntv.de, ath/dpa