Wissen

Diabetes-Risiko senken Bewegung hilft - aber nicht jedem

imago67739197h.jpg

Für manche bringt normaler Ausdauersport keine Effekte.

(Foto: imago/Westend61)

Das ist bekannt: Regelmäßig körperliche Aktivität senkt das Diabetes-Risiko. Bei einigen Menschen allerdings macht ein Botenstoff einen Strich durch diese Rechnung.

Regelmäßige Bewegung senkt das Diabetesrisiko, lautet die einhellige Meinung der Experten. Im Prinzip ist die Aussage auch richtig, nur bei einigen Menschen bleibt die positive Wirkung auf den Stoffwechsel einfach aus. Warum der Effekt ausbleibt, haben Forscher des Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, dem Helmholtz Zentrum München und dem Universitätsklinikum Tübingen nun herausgefunden.

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bekannt, ist eine Stoffwechselstörung, bei der sich der mit der Nahrung aufgenommene Zucker im Blut staut. Über den Urin wird der überschüssige Zucker ausgeschieden. Diabetes geht auf Probleme mit den körpereigenen Insulin-Mechanismen zurück. Es kann sich um Insulin-Mangel,Insulin-Resistenz oder eine Kombination von beidem handeln.

Insulin - in der Bauchspeicheldrüse hergestellt - befördert Zucker aus dem Blut in die Zellen. Dort wird er zur Energiegewinnung verbraucht. Außerdem ist das Insulin für die Speicherung von Zucker in Leber und Muskeln zuständig. So bleibt der Blutzuckerspiegel beim gesunden Menschen nach der Nahrungsaufnahme relativ konstant.

Für ihre Untersuchung mussten 20 Studienteilnehmer mittleren Alters ein Ausdauertraining über acht Wochen absolvieren. Auf dem Programm standen Radfahren und Walking. "Ziel war es, die Insulinsensitivität der Teilnehmer zu verbessern und das Diabetesrisiko zu senken. Alle Teilnehmer hatten ein hohes Diabetesrisiko und waren vor der Trainingsintervention wenig körperlich aktiv", erklärt Dr. Anja Böhm vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM).

Die Forscher untersuchten die molekularen Veränderungen in den Skelettmuskeln der Studienteilnehmer. Während in den Muskeln der Teilnehmer, bei denen sich die Insulinsensitivität verbessert hat, auch die zu erwartenden positiven Effekte auf Gene der Glukose- und Fettverbrennung zu sehen waren, waren bei etwa jedem fünften Probanden die Anpassungen in den Muskeln nur reduziert erkennbar. Die Forscher sprechen in diesem Zusammenhang vom "Non-Responder".

Botenstoff verhindert Sport-Effekte

Weitere Analysen zeigten, dass bei den "Non-Respondern" ein bestimmter Botenstoff, TGFβ, in den Muskeln vermehrt gebildet wird. Dieses sogenannte Signalmolekül spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Differenzierung von Gewebe. Im Muskel eines Erwachsenen wird es auch bei Entzündungen und Verletzungen aktiviert und ist an Regerationsprozessen beteiligt. In weiteren Tests konnte bewiesen werden, dass TGFβ das Ablesen der Gene, die für die Glukose- und Fettverbrennung wichtig sind, hemmt und die Insulinsensitivität reduziert. Das ist der Grund, warum bei "Non-Respondern" die positiven Effekte des körperlichen Trainings ausbleiben.

Wer jetzt denkt, dass die Ergebnisse ein Freifahrtschein für Bewegungsmuffel seien, der irrt. "Im Moment arbeiten wir noch daran, zu verstehen, warum es bei manchen Teilnehmern zur Aktivierung von TGFβ im Muskel kommt. Es spricht aber einiges dafür, dass ein anderes Trainingsprogramm mit Anpassung der Trainingsintensität oder Dauer an die individuelle Trainierbarkeit auch bei unseren 'Non-Respondern' erfolgreich wäre und zur Diabetesprävention beitragen würde", erklärt Professorin Cora Weigert, Abteilungsleiterin am IDM. "Ich persönlich bin der Überzeugung, dass jeder mit einem geeigneten Trainingsprogramm sein persönliches Diabetes-Risiko senken kann", betont die Expertin.

Quelle: ntv.de, jaz