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Raffinierte Oberflächenstruktur Das Rätsel der Katzenzungen ist gelöst

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(Foto: imago/Westend61)

Das Missgeschick ihrer Katze brachte eine Forscherin auf die Idee, die Zunge der Tiere genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei entdeckte sie eine überaus flexible Feinstruktur, die man auch anderweitig nutzen könnte.

Katzen sind beliebte und überaus reinliche Tiere. Sie verwenden rund ein Drittel der Zeit, in der sie nicht schlafen, für die Fellpflege. Und diese betreiben sie mit der Zunge, die einige Besonderheiten aufweist und zum Beispiel denen von Hunden in mancher Hinsicht überlegen ist.

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Die Highspeed-Aufnahmen zeigen die spezielle Oberflächenstruktur.

(Foto: Noel, at al)

Die Wissenschaftlerin Alexis Noel vom Georgia Institute of Technology staunte, als ihre Katze mit der Zunge an einem Mikrofasertuch, an dem sie vorher geleckt hatte, hängen blieb – und zwar so sehr, dass sie sich selbst nicht mehr davon befreien konnte. Die Fragen, die sich durch diesen Vorfall für die Forscherin stellten, waren Anlass genug, die besondere Oberfläche von Katzenzungen genauer zu untersuchen.

Dafür machte das Forscherteam um Noel Highspeed-Aufnahmen von Katzenzungen in Aktion, analysierten die Oberfläche des Körperteils und erstellten auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse ein vergrößertes Modell dieser einzigartigen Struktur.

Flexible, winzige Haken

Die Forscher entdeckten an der Oberseite der Katzenzunge winzige Widerhaken, die flexibel beweglich sind. Durch diese Flexibilität der Haken haben die Katzen die Möglichkeit, Fellknoten zu entwirren, ohne dass Haare unnötig ausgerissen werden. Trotz dieser Widerhaken haben es Katzen relativ leicht, ihre Zunge von anhaftenden Haaren und Schmutz zu säubern. Die feinen Häkchen liegen nämlich eng an der Zunge an. Das Tier streift damit einmal über den Rachen und schon sind Verschmutzungen auf der Zunge beseitigt.

Allerdings gelingt diese Reinigung nur in Richtung Rachen, so dass Katzen Schmutz und Haare nach dem Reinigen der Zunge hinterschlucken müssen. Das ist auch der Grund, weshalb Katzen in unregelmäßigen Abständen ganze Haarbälle hervorwürgen müssen.

Die einfache Art der Reinigung konnten die Forscher durch Tests mit dem vergrößerten Nachbau der Katzenzungenstruktur bestätigen. Die außergewöhnliche Oberfläche könnte als Vorbild für neue Materialien dienen. Denkbar wären leicht zu reinigende Zahnbürsten oder Oberflächen, an denen sogenannte Softroboter haften könnten.

Quelle: ntv.de, jaz