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Terror, Altersarmut, Abschottung Die Ängste der Deutschen werden größer

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Für 2030 erwarten 85 Prozent der Bundesbürger, dass die Altersarmut noch immer ein ungelöstes Problem sein wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Was erwarten die Bürger 2017? Und welche Vorstellungen haben sie für 2030? Ängste vor zunehmender Altersarmut und der Spaltung der Gesellschaft wachsen in der Bevölkerung - doch sie werden die Menschen auch wieder enger zusammenrücken lassen.

Jüngere Bundesbürger blicken insgesamt optimistischer in die Zukunft als die ältere Generation, das hat eine neue Untersuchung der Britisch-American-Tobacco-Stiftung für Zukunftsfragen herausgefunden. In einer repräsentativen Befragung wurden 4.000 Bundesbürger gefragt, was sie von 2017 erwarten und mit welchen Vorstellungen sie auf das Jahr 2030 blicken. In persönlichen Interviews wurden sie zu den Themenblöcken Integration und Europa, Angst und Sorgen und Zusammenleben und Prioritäten im Leben befragt.

Ein Ergebnis der Studie: Die Ängste und Sorgen für das Jahr 2017 sind fast immer größer als für 2030. Im Vergleich zum Jahr 2008, als die Studie zuletzt erhoben wurde, zeigen sich die Befragten lediglich in puncto Zusammenleben und Integration zuversichtlicher. Geht es jedoch um Terror, Altersarmut und Abschottung sind die Ängste größer geworden.

Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) erwartet, dass Europa 2017 seine Grenzen für Nichteuropäer geschlossen hält, um der Angst der Bevölkerung vor zu vielen Flüchtlingen entgegenzuwirken. Auch bis 2030 wird sich laut der Befragung an dieser Erwartung nichts ändern. Momentan gehen nur 16 Prozent der Bundesbürger davon aus, dass die Integration von Flüchtlingen im nächsten Jahr einfacher wird. Ein Blick in das Jahr 2030 zeigt aber auch: Fast doppelt so viele Bürger (30 Prozent) erwarten langfristig eine Verbesserung der Situation. Mit 34 Prozent zeigen sich besonders die unter 29-Jährigen optimistisch.

Sorgen um die Höhe der Altersvorsorge

Eine deutliche Veränderung zeigt die Befragung auch in Bezug auf die Frage: Gehört der Islam zu Deutschland? Aktuell ist nur jeder Vierte dieser Meinung (26 Prozent). In knapp 15 Jahren sehen das schon zwei von fünf Deutschen als selbstverständlich an. "Das Thema Flüchtlinge wird Deutschland und Europa in den kommenden Jahren beschäftigen und prägen. Die Politik ist hierbei gefordert, Antworten auf die Sorgen der Bevölkerung zu finden", sagt der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung Ulrich Reinhardt. Aber auch die Bürger seien gefordert, durch Offenheit, Toleranz und Verantwortung dazu beizutragen, dass Integration gelingen kann.

Eine andere große Sorge zeigt sich bei dem Thema Rente. Etwa die Hälfte der Bundesbürger sorgt sich um die Höhe ihrer Altersvorsorge. Dabei äußert sich die aktuelle Rentnergeneration sehr viel positiver als die Jüngeren. Für 2030 erwarten 85 Prozent, dass Altersarmut immer noch ein ungelöstes Problem sein wird.

Orientierungslos, ohnmächtig, überfordert

Altersarmut und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft werden die Menschen in Deutschland aber womöglich wieder enger zusammenrücken lassen - davon gehen immerhin zwei von fünf Befragten aus (39 Prozent). Bis 2030 erwarten dies sogar 44 Prozent. Ebenso vermuten drei von fünf Deutschen, dass die Bedeutung der Nachbarschaft zunimmt, weil die Menschen immer mehr aufeinander angewiesen sein werden. Bis 2030 ist wird wieder eine leichte Steigerung auf 63 Prozent erwartet.

"Terroranschläge vor der eigenen Haustür, eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft oder ungelöste Flüchtlingsfragen - all dieses hat Spuren bei den Bürgern hinterlassen und zu gefühlter Orientierungslosigkeit, Ohnmachtsgefühl und Überforderung geführt", fasst Reinhardt die Ergebnisse der Studie zusammen. Trotzdem würden einzelne Bevölkerungsgruppen langfristig an eine bessere Zukunft glauben und seien auch gewillt, ihren Teil dazu beizutragen. "Gerade im persönlichen Umfeld sind die Bürger bereit, Verantwortung zu übernehmen und mitzuhelfen, die Zukunft erfolgreich zu gestalten."

Quelle: ntv.de, jki