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Frau oder Geliebter als Modell? Die Mona Lisa lächelt nicht für jeden

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Wen Leonardo da Vinci hier porträtiert hat, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein kleines, eher unscheinbares Gemälde zieht täglich Tausende Besucher in den Louvre in Paris. Die Mona Lisa ist 1911 gestohlen worden und hat sogar zwei Anschläge überstanden. Sie ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, kunsthistorischer Thesen und fadenscheiniger Geschichten. Ob das Universalgenie Leonardo da Vinci, der das Bild der lächelnden Schönheit oder des traurigen Geliebten gemalt haben soll, das alles so beabsichtigte? n-tv.de hat die stärksten Mythen zusammengetragen.

Die Mona Lisa lächelt sanft.

Das kann man nicht mit Sicherheit sagen und liegt schlussendlich im Auge des Betrachters. Forscher haben deshalb in einer bestimmten Versuchsanordnung Probanden nach ihrer Einschätzung gefragt. Diese sollten den Gesichtsausdruck der Mona Lisa einordnen. Es zeigte sich, dass die Mehrheit der Befragten beim Originalbild ein Lächeln sah. Kein Wunder, wird der Gesichtsausdruck auf dem Gemälde doch oftmals als das "berühmteste Lächeln der Welt" bezeichnet. Die Forscher gehen aufgrund ihrer Ergebnisse nicht nur davon aus, dass Menschen einen Filter für positive Gesichtsausdrücke im Gehirn haben. Sie sehen außerdem, dass die Wahrnehmung, ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst. Manche Forscher sind dagegen der Meinung, es gebe keine einheitliche Einschätzung, weil nur der linke Mundwinkel der Mona Lisa ein Lächeln andeutet.

Mona Lisas Gesichtsausdruck ist neutral.

Die schwer fassbare Mimik der abgebildeten Person macht wohl auch den Reiz des Gemäldes vom Anfang des 16. Jahrhunderts aus. Es ist wahrscheinlich, dass Leonardo da Vinci genau diese Unergründbarkeit mit seinem Gemälde darstellen wollte und über verschiedene Wahrnehmungsweisen der Augen von Menschen Bescheid wusste. Um die schleierhaften Unschärfen zu erzeugen, legte der Maler mehrere Farbschichten übereinander. So entstand der Eindruck, dass die Umrisse einzelner Bildkomponente ineinanderfließen. Die von Leonardo perfektionierte Technik, die "Sfumato" (verraucht, verschwommen) genannt wird, bekommt aufgrund des räumlichen Wahrnehmungsvermögens des Menschen ganz besondere Effekte, fasst die Neurobiologin Margaret Livingstone von der Harvard Medical School in Boston zusammen. Das bedeutet: Mona Lisa lächelt für den Betrachter nur, wenn er sich nicht auf den Mund der Dame konzentriert. Wird dieser dann doch in den Blick genommen, dann ergibt sich ein eher neutraler Gesichtsausdruck. Wegen ihrer Unergründlichkeit könnte die Mona Lisa das Urbild der rätselhaften Frau sein, allerdings nur, wenn es sich bei der abgebildeten Person tatsächlich um eine Frau handelt.

Mona Lisa war ein Mann.

Auch über die Identität der porträtierten Person wird bis heute gerätselt. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Erklärungen dazu. Die bekannteste  Auffassung geht auf den 1511 geborenen Kunsthistoriker Giorgio Vasari zurück. Dieser geht in seinen Schriften davon aus, dass es sich bei der Porträtierten um die dritte Ehefrau eines Florentiner Kaufmannes, Lisa del Giocondo, handelt. In anderen Theorien wird Gian Giacomo de Caprotti als Modell genannt. Caprotti soll als zehnjähriges Nacktmodell 1490 den Maler so fasziniert haben, dass dieser Capriotti adoptierte und danach fast 20 Jahre bis zu seinem Tod mit ihm zusammenlebte. Wegen seiner Neigungen zum Stehlen und Lügen soll Leonardo dem Jüngling den Spitznamen "il Salai" verpasst haben, was so viel bedeutet wie Ausgeburt des Teufels, auf Französisch "mon Salai". Bei einer Buchstabenumstellung der französischen Variante käme man wieder auf Mona Lisa. Der Louvre, der das Gemälde beheimatet, wehrt sich jedoch gegen diese Darstellung.

Das Mona-Lisa-Gemälde hat einen Zwilling.

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In Genf wurde 2012 der zehn Jahre ältere mutmaßliche Zwilling des Gemäldes präsentiert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als Hommage an Leonardos Werk entstanden im Laufe der Jahrhunderte viele neue Werke. Doch eines verblüffte erst 2012 die Experten. Bei der "Mona Lisa de Prado" handelt es sich um ein Bild, das wahrscheinlich von Francesco Melzi, dem Lieblingsschüler und Haupterben Leonardo da Vincis, in der Werkstatt des Meisters zeitgleich zum Original gemalt worden ist. Das Besondere des Bildes, das jahrelang unerkannt an der Wand in der Madrider Pinakothek hing, wurde bei Restaurierungsarbeiten entdeckt. Der Hintergrund des Bildes wurde erst nachträglich mit dunklen Ölfarben übermalt. Darunter befindet sich eine italienisch anmutende Landschaft, so wie auch im Mona-Lisa-Original. Der Maler habe während seiner Arbeiten zudem Veränderungen vorgenommen, wie sie auch bei Leonardos Werk erkennbar sind, erklärten Kunstexperten des Prado-Museums und bezeichneten ihren Zufallsfund als "Zwilling der Mona Lisa". Der Louvre bestätigte nicht nur den Ursprung des Gemäldes, sondern stellte es 2012 für einige Zeit sogar an die Seite des Originals. Ein weiteres Bild, das als "Zwilling der Mona Lisa" bezeichnet und 2012 in Genf der Öffentlichkeit präsentiert wurde, soll sogar zehn Jahre älter sein als das Original. Kritiker sehen dagegen keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich bei dem 1913 in England entdeckten Bild um ein Werk von Leonardo da Vinci handelt.

Im Louvre hängt das Original.

Tagtäglich stehen sich Tausende interessierte Besucher in langen Warteschlangen im Louvre die Beine in den Bauch, um die Mona Lisa zu sehen. Das Gemälde ist mit 77 mal 53 Zentimetern eher klein. Es hängt als einziges Kunstwerk an einer separaten Wand hinter dreifach mit Alarmanlagen gesichertem Panzerglas. So soll es vor Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen, vor Diebstahl und Anschlägen, aber auch vor den Schwingungen, die Tausende Schaulustige täglich erzeugen, geschützt werden. Ob es sich bei dem Ausstellungsstück tatsächlich um das Original handelt, kann oder darf allerdings keiner so genau sagen. Bei den vielen Geschichten, die es um die Mona Lisa gibt, kommen auch einige vor, die davon handeln, dass das Original bei dem Diebstahl 1911 oder bei der Machtergreifung der Nazis gegen eine Fälschung vertauscht wurde. Auch die bereits verstorbene Kunsthistorikerin Deborah Dixon war sich sicher, dass im Louvre nicht das Original aus dem 16. Jahrhundert hängt. Und bis heute befeuert die Kunstikone Mona Lisa, die wohl ursprünglich als Huldigung der weiblichen Tugend gedacht war, Fantasie und Wissenshunger der Menschen.

Quelle: n-tv.de

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