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Auch Storchennester werden von Blitzen nicht verschont. Jedes Jahr kommen dadurch rund drei Prozent der Jungvögel ums Leben.
Auch Storchennester werden von Blitzen nicht verschont. Jedes Jahr kommen dadurch rund drei Prozent der Jungvögel ums Leben.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 12. Juli 2015

Buchen sollst du suchen ... : Was Gewitter so gefährlich macht

Von Jana Zeh

Gewitter mit Blitz und Donner machen vielen Menschen von jeher Angst. Kein Wunder, können Blitze doch gewaltige Schäden anrichten. Aus diesem Grund gibt es eine Reihe von Verhaltensregeln, die das eigene Leben sowie Hab und Gut schützen sollen. Doch welche davon sinnvoll sind, ist nicht immer klar.

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.

Falsch! "Grundsätzlich sollte man bei Gewitter jeden Baum meiden, da Blitze meist in die höchste Erhebung einschlagen", betont n-tv Wetterexperte Björn Alexander. Warum sich diese Volksweisheit über Jahrzehnte gehalten hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, warum im Sprichwort die Buchen als günstiger Gewitterschutz angepriesen werden. Buchen kommen, anders als Eichen, öfter in Gruppen vor. So wird das Risiko eines Blitzeinschlages auf mehrere Bäume verteilt. Ein anderer Erklärungsgrund könnte die Rinde sein. Diese ist bei Buchen relativ glatt und bei durchgängig feuchter Rinde könnte ein Blitz besser an der Außenseite des Baumes in den Boden geleitet werden. Bei der Eiche dagegen hat die Rinde tiefe Furchen. Der Stamm ist deshalb niemals durchgängig feucht und so ist die Ableitung des Blitzes nicht gewährleistet. Dennoch gilt: Auch in Buchen schlagen Blitze ein. Zudem standen die meisten Blitzopfer unter oder in der Nähe eines Baumes. "Darüber hinaus werden Gewitter oftmals von starken Windböen begleitet, so dass herabfallende Äste oder umknickende Bäume lebensgefährlich sein können", gibt der Experte zu bedenken. Doch was tun bei einer Wanderung über flaches Land mit unerwartetem Gewitter?

Bei Gewitter am besten flach auf den Boden legen.

Falsch! Auch wenn sich ein Blitz zumeist die höchste Erhebung "aussucht", um einzuschlagen, ist diese Strategie nicht die richtige. Bei flacher Bauchlage kann der Strom, der durch einen Blitzeinschlag in der Nähe entsteht, in voller Länge, also vom Kopf bis zu den Füßen, durch den Körper fließen. Hat man auf einer freien Fläche keine Möglichkeit, Schutz vor Blitzen zu finden, sollte man sich so klein wie möglich machen und hinhocken. Die Füße sollten eng nebeneinanderstehen und der Kopf zu den Knien gezogen werden. Die Arme umgreifen die Knie. In dieser Haltung ist die Angriffsfläche, die man dem Strom durch einen Blitz bietet, am kleinsten. Achtung! Regenschirme und Fährräder sollten so weit wie möglich entfernt liegen beziehungsweise abgestellt werden. Ist man als Gruppe unterwegs, sollten auch die Personen Abstand zueinander halten.

Gibt es kein festes Haus, dann ist ein Auto ein guter Gewitterschutz.

Beim Gewitter kann man bedenkenlos mit dem Handy telefonieren. Am Radioknopf des Autos sollte man aber nicht drehen.
Beim Gewitter kann man bedenkenlos mit dem Handy telefonieren. Am Radioknopf des Autos sollte man aber nicht drehen.(Foto: imago/CTK Photo)

Richtig. In einem normalen Pkw ist man relativ sicher. Die Metallkarosserie wirkt wie ein sogenannter Faradayscher Käfig, das bedeutet: Schlägt in ein Auto der Blitz ein, werden die Ströme außen am Fahrzeug in die Erde abgeleitet. Dadurch sind die Insassen geschützt, aber nur, wenn Fenster und Türen geschlossen sind und man keinen Körperkontakt zur Karosserie hat. Auch vom Radio Hände weg! Wagen mit Kunststoffdächern oder Cabrios sind hingegen nicht ganz so sicher, aber im Falle eines Falles immer noch die bessere Wahl, als auf der Wiese im Freien zu hocken.

In einem Boot sind Blitze ungefährlich.

Wassersportler wissen: Gewitter sind extrem gefährlich.
Wassersportler wissen: Gewitter sind extrem gefährlich.(Foto: picture alliance / dpa)

Falsch! In jedem offenen Boot hat man keinerlei Blitzschutz und sollte bei einem heranziehenden Gewitter so schnell wie möglich an Land gehen und Schutz suchen. Bei Kajütbooten hängt der Schutz vor Blitzen vor allem vom Material des Bootes ab. So wie Autos wirken Boote und Schiffe aus Metall wie Faradaysche Käfige, in denen die Passagiere im Inneren geschützt sind, solange sie keine Metallteile berühren. Bei Kunststoff- oder Holzbooten dagegen besteht die Gefahr, dass ein Blitzeinschlag – oftmals über den Segelmast - Schäden am Rumpf oder sogar einen Brand auslöst und dann die elektrischen Anlagen an Bord ruiniert. "Wenn man sich auf Deck aufhalten muss, dann sollten Schuhe mit Gummisohlen getragen werden", ergänzt Björn Alexander. 

Schmuck kann bei Gewitter zum Problem werden.

Richtig! "Ketten, Broschen oder sogar Zahnspangen ziehen Blitze zwar nicht an, können aber, kommt es zu einem Blitzeinschlag in der Nähe, sehr heiß werden und so zu Verbrennungen führen", erklärt Alexander. Wer also die Möglichkeit hat, während eines Gewitters seinen Schmuck abzulegen, sollte das auch tun. Viel wichtiger, als sich seines Schmucks zu entledigen, ist es jedoch, sich von exponierten Stellen und metallischen Gegenständen wie Zäunen oder Geländern zu entfernen. Das Gleiche gilt auch für Regenschirme, die zugemacht und weggelegt werden sollten. "Und auch Jägern, die sich mit dem Gewehr auf einem Hochsitz aufhalten, würde ich raten, lieber diese exponierte Position zu verlassen", ergänzt der Experte.

Wie weit ein Gewitter entfernt ist, kann man an den Sekunden zwischen Blitz und Donner abzählen.

Blitze sind auch gefährlich, wenn es nicht regnet.
Blitze sind auch gefährlich, wenn es nicht regnet.(Foto: picture alliance / dpa)

Richtig! Allerdings ist die weit verbreitete Formel "je gezählte Sekunde ein Kilometer entfernt" falsch. Ein Blitz erreicht eine Temperatur von rund 30.000 Grad Celsius. Die so stark erhitzte Luft dehnt sich schlagartig aus und wird zum Donner. Blitz und Donner gehören also zusammen und treten direkt an der Einschlagstelle auch zusammen auf. Da die Schallgeschwindigkeit aber nur 333 Meter pro Sekunde beträgt, die Lichtgeschwindigkeit aber so hoch ist, dass sie für uns nicht messbar ist, treten Blitz und Donner außerhalb der Einschlagstelle versetzt voneinander auf. Die Formel, um die Entfernung zum Gewitter zu berechnen, lautet: Gezählte Sekunden mal 333 = Abstand des Gewitters in Meter. Ein Beispiel: Zwischen Blitz und Donner liegen acht Sekunden. 8 x 333 = 2664 Meter. Wer lieber mit kleinen Zahlen rechnet, der kann auch die gezählten Sekunden durch drei teilen. Das Gewitter ist also ungefähr 2,6 Kilometer entfernt, das bedeutet relativ nah. Schon mit dem nächsten Zählen des Abstandes zwischen Blitz und Donner kann man dann feststellen, ob sich das Gewitter nähert oder abzieht. Kann man dagegen gar keinen Donner hören, dann ist das Gewitter so weit entfernt, dass es in den nächsten Stunden nicht zur Belastung werden kann.

Ein vom Blitz getroffener Mensch steht noch immer unter Strom und sollte deshalb auf keinen Fall angefasst werden.

Falsch! Der menschliche Körper kann Elektrizität nicht speichern, so dass eine Person, die vom Blitz getroffen worden ist, auch nicht unter Strom steht. Sie sollte so schnell wie möglich Erste Hilfe bekommen. Ein Blitzopfer, das nicht ansprechbar ist und nicht mehr selbstständig atmet, muss mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung reanimiert werden. Je schneller das nach dem Blitzeinschlag passiert, umso größer sind die Überlebenschancen. Doch Achtung! Diese Maßnahmen gelten nicht bei Blitz-Unfällen mit Leitungen, zu Hause oder in der Nähe von Hochspannungsleitungen. In diesem Fall sollte man sicherstellen, dass die Sicherung raus ist oder der Strom nicht mehr fließen kann, bevor man sich einem Betroffenen nähert – und wie in allen Fällen mit Blitzopfern die 112 anrufen.

Gewitter macht die Milch sauer.

Falsch! Nicht das Gewitter an sich ist die Ursache, wenn Lebensmittel im Sommer verderben, sondern die Kombination von Wärme und Feuchtigkeit. Beides sind Begleiterscheinungen eines Gewitters und zugleich die optimalen Bedingungen für Mikroorganismen. Diese vermehren sich und sorgen so dafür, dass beispielsweise die Milch sauer wird.

Bei Gewitter sollten elektrische Geräte vom Netz getrennt werden.

Richtig! "Durch einen Blitzeinschlag entsteht ein starkes Magnetfeld und eine große statische Elektrizität. Das kann zu Überspannungsschäden an elektrischen Geräten führen", erklärt Alexander. Insofern ist das Abziehen von Steckern - egal, ob Antenne oder Strom – richtig, um elektronische Geräte im Haus zu schützen. Auch wenn für diese Fälle oftmals die Hausratversicherung aufkommt, ist gerade bei Datenträgern der Schaden häufig nicht zu beheben. Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz oder Überspannungsschutzadapter sind deshalb geeignete Mittel, um teure Geräte und Daten zu schützen.

Bei Gewitter daheim in die Badewannen zu steigen, ist nicht gefährlich.

Falsch! Unter bestimmten Umständen ist ein Vollbad, aber auch eine Dusche bei Gewitter keine gute Idee. Denn auch wenn das Haus mit einem Blitzableiter geschützt ist oder die Badewanne geerdet, kann sich der Strom über die Leitungen, Rohre und andere metallische Gegenstände ausbreiten und sogar bis ins Bade- oder Duschwasser gelangen. In modernen Gebäuden werden alle metallenen Einrichtungen im Bereich der Bäder miteinander verbunden und am Haupt-Erdanschluss angeschlossen. Bei fachgerechter Ausführung halten diese Verbindungen dauerhaft. Dann ist die Benutzung von Dusche oder Badewanne während eines Gewitters völlig unbedenklich.

Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, ist höher, als im Lotto zu gewinnen.

Falsch, denn bei diesem Vergleich gibt es viel zu viele Ungenauigkeiten. Es geht wohl eher um den Vergleich der Wahrscheinlichkeiten von einem Blitztod und einem millionenschweren Lottogewinn. In Deutschland werden pro Jahr drei bis sieben Menschen durch einen Blitzeinschlag getötet. Tausende dagegen gewinnen in Lotterien. 90 Menschen wurden in Deutschland 2013 zu Lotto-Millionären. Die Wahrscheinlichkeit, den Blitztod zu sterben, liegt in Deutschland bei 1:18.000.000, die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, dagegen bei 1:6.000.000, denn nicht jedes Blitzopfer stirbt. Bei einem einmaligen Versuch, im Lotto alle sechs Zahlen (ohne Superzahl) richtig zu tippen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:14.000.000. Also scheint es tatsächlich so zu sein, dass laut Berechnung die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, größer ist, als durch Lotto zum Millionär zu werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Lottomillion mit der Wahrscheinlichkeit eines Blitztodes zu vergleichen, war aber sicher nicht im Sinne des Erfinders.

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Quelle: n-tv.de

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