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Felsenpinguine erkennt man unter anderem an einer hochstehenden gelb-schwarzen Kopfbürste.
Felsenpinguine erkennt man unter anderem an einer hochstehenden gelb-schwarzen Kopfbürste.(Foto: picture-alliance / dpa)
Samstag, 12. September 2015

Monogame Tiere gehen auf Distanz: Felsenpinguine führen Fernbeziehungen

Pinguine suchen sich einen Partner aus und verbringen mit diesem ihr gesamtes Leben. Dass das monogame Leben der Tiere auch über große Distanzen Bestand hat, können Forscher nun belegen.

Felsenpinguine verbandeln sich auf Lebenszeit, die Zeit außerhalb der Brutsaison verbringen sie allerdings getrennt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des japanischen Nationalen Instituts für Polarforschung. Die Meeresbiologen vermuten, dass die Trennung den Tieren einen Wettbewerbsvorteil bringt.

Felsenpinguine (Eudyptes chrysocome), zu deren Merkmalen markante schwarz-gelb gestreifte abstehende Federn über den Augen gehören, leben wie alle anderen Pinguinarten monogam. Das Verbreitungsgebiet der 45 bis 60 Zentimeter großen Tiere reicht von Südamerika bis nach Neuseeland. Zwei Subspezies werden unterschieden. Die südamerikanische Unterart brütet im subantarktischen Sommer an felsigen Steilküsten wie den Falklandinseln, während sie im Winter wärmere Regionen vor der argentinischen Küste bevorzugt. Die Wanderrouten können mehrere Tausend Kilometer umfassen.

Trennung über weite Distanzen

Die Wissenschaftler rund um den Meeresbiologen Jean-Baptiste Thiebot gingen nun der Frage auf den Grund, ob die verpaarten Felsenpinguine während dieser Reise zusammenbleiben. Mit Peilsendern und biochemischen Markern verfolgten sie die Routen von sieben Männchen und neun Weibchen. Das Ergebnis: Im Winter befanden sich die Tiere im Mittel 600 Kilometer voneinander entfernt. Ein Paar hatte sogar eine Distanz von 2500 Kilometer zwischen sich.

Eigentlich stellt eine solche Trennung einen Nachteil dar. Besteht doch zum einen das Risiko, dass die Paare zur Brutzeit nicht wieder zueinanderfinden, und zum anderen die Gefahr, dass die Bindung zwischen Männchen und Weibchen schwächer wird. Die Forscher stellten allerdings fest, dass alle sieben Paare wieder zusammenfanden – und das, obwohl die Weibchen die Niststätten sechs Tage vor den Männchen verließen und in der kommenden Brutsaison auch sechs Tage später wieder eintrafen.

"Qualitätszeit" stärkt die Beziehung

Die Tiere verbringen den Daten nach nur eine begrenzte Zeit während der Paarung, des Nistens und der Aufzucht miteinander – etwa ein Viertel eines Jahres. Daher könne die Monogamie der Felsenpinguine kaum durch die Menge der Zeit erklärt werden, die die Tiere zusammen hätten, heißt es in der Studie, die im Fachblatt "Biology Letters" der britischen Royal Society vorgestellt wird. Allerdings werde diese Zeit hauptsächlich gemeinsam am Nest verbracht, was die Treue der Vögel beeinflussen könnte. Jene Pinguinarten, die keine Nester bauen, seien weniger treu.

Die Trennung der Paare ließ sich zudem nicht auf geschlechtsspezifische Wanderrouten zurückführen, wie die Auswertung der Tracking-Daten und biochemischen Marker ergab. Die Vielzahl der individuellen Wanderrouten lasse eher auf ein ausschwärmendes Migrationsverhalten schließen, das eine Reaktion auf den Wettbewerb um Überwinterungsplätze sein könnte. Ein weiterer Grund könne die um einige Tage verschobene An- und Abreise der Weibchen sein.

Quelle: n-tv.de