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Computergrafik eines Exoplaneten.
Computergrafik eines Exoplaneten.(Foto: Nasa)
Freitag, 15. April 2016

Unbemerkt vor knapp 100 Jahren: Forscher findet versehentlich Exoplaneten

Vor einem Jahrhundert macht ein US-Astronom spektakuläre Aufnahmen eines Sterns - er weist eindeutig die Existenz von Exoplaneten nach. Das Kuriose daran: Er bemerkt es nicht. Erst jetzt kommt die Entdeckung ans Licht.

Sensationeller Fund im Institutskeller: Auf einer Fotoplatte der Carnegie Institution in Washington aus dem Jahr 1917 haben Forscher den bislang ältesten Nachweis für Exoplaneten gefunden. Der Astronom Walter Adams, der die Fotoplatte vor rund 100 Jahren produzierte, war die Bedeutung seiner Aufnahme nicht bewusst: Erst in den 1990er-Jahren wurde Exoplaneten entdeckt und auch als solche deklariert.

Exoplaneten

"Exoplaneten" oder "extrasolare Planeten" sind Planeten, die nicht zu unserem Sonnensystem gehören, sondern andere Sterne umkreisen.

Im Keller des renommierten Instituts lagern rund 250.000 Fotoplatten mit astronomischen Aufnahmen - es ist eine der weltweit größten Sammlungen. Für die meisten davon interessiert sich kein Mensch. Dabei könnten sich in den Daten noch viele ungeahnte Sensationen verbergen, wie der jetzige Fund zeigt.

So kam die Entdeckung ans Licht: Jay Fahiri, Astrophysiker am University College London, war auf der Suche nach einer Spektralaufnahme des Sterns "Van Maanen 2", der im Jahr 1917 entdeckt und noch im selben Jahr von Adams auf eine Fotoplatte gebannt wurde. Die alte Aufnahme wurde Fahiri von dem Institut übergeben.

Beobachtung lässt nur einen Schluss zu

Die Fotoplatte mit dem Spektrum des Sterns "Van Maanen 2" aus dem Jahr 1917.
Die Fotoplatte mit dem Spektrum des Sterns "Van Maanen 2" aus dem Jahr 1917.(Foto: Carnegie Institution for Science)

Als der britische Forscher die Platte genauer untersuchte, machte er die faszinierende Entdeckung: Es zeigte sich ein Muster, das so bei einem Stern dieser Art eigentlich nicht existieren dürfte. In dem Spektrum tauchen sogenannte Absorptionslinien auf. Diese Linien weisen darauf hin, dass es im Umfeld des Sterns schwerere Elemente wie Kalzium, Magnesium oder Eisen gibt. Elemente, die aufgrund ihrer Masse längst im Innern des Sterns hätten verschwinden müssen.

Heute weiß man, was diese Beobachtung bedeutet: Das Vorkommen dieser Elemente im Umkreis eines Weißen Zwergs zeigt die Überreste eines Planetensystems. Weiße Zwerge sind Sterne, die sich in der Endphase ihrer Existenz befinden. Ähnlich wie es in unserem Sonnensystem mit der Sonne einmal der Fall sein wird, werden bei der Entstehung eines Weißen Zwergs die Planeten, die den Himmelskörper umkreisen, zerrissen.

Unzweifelhaft sind solche Trümmer ein Nachweis für ein Planetensystem um den Weißen Zwerg: "Der Mechanismus, der die Ringe aus Planetentrümmern erzeugt und die Ablagerung in der Atmosphäre des Sterns braucht notwendigerweise den Einfluss der Gravitation voll ausgebildeter Planeten", sagt Fahiri. Er folgert: "Der Vorgang könnte nicht ablaufen, wenn es dort keine Planeten gäbe."

Angesichts der riesigen Datenmengen, die noch unbeachtet im Keller des Carnegie Instituts schlummern, zeigt sich der Direktor der Einrichtung, John Mulchaey, bereit für weitere spektakuläre Funde: "Wir haben tonnenweise Geschichte in unserem Keller herumliegen. Und wer weiß, was wir da künftig noch alles ausgraben werden?"

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Quelle: n-tv.de