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Rendezvous mit tödlichem Ende Forscher sehen "letzten Kuss" zweier Sterne

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Computergrafik von VFTS 352, dem bislang heißesten und massereichsten entdeckten Doppelstern.

(Foto: Illustration: ESO/L. Calçada/dpa)

Astronomen gelingt es, den "Kuss" eines besonders heißen und massereichen Sternenpaars zu beobachten. Es könnte ein Liebesspiel mit katastrophalem Ausgang sein. Entweder die Sterne verschmelzen zu einer Riesensonne oder sie explodieren einzeln.

Astronomen haben den bislang heißesten und massereichsten Doppelstern entdeckt. Das Sternenpaar steht einander so nah, dass sich die beiden Oberflächen berühren, wie die Europäische Südsternwarte Eso in Garching bei München berichtet. Vermutlich sei dies "der letzte Kuss" der beiden Sterne vor einem katastrophalen Ende. Forscher um Hugues Sana von der belgischen Universität Löwen stellen ihre Entdeckung mit dem "Very Large Telescope" (VLT) der Eso im Fachblatt "Astrophysical Journal" vor.

Der junge Doppelstern liegt rund 160.000 Lichtjahre entfernt im Tarantelnebel, einer der produktivsten Sternenfabriken unserer kosmischen Nachbarschaft. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt; also etwa 9,461 Billionen Kilometer. Die beiden Sterne des Doppelsystems sind an der Oberfläche rund 40.000 Grad Celsius heiß und haben zusammen etwa 57 Mal so viel Masse wie unsere Sonne. Sie teilen sich durch den engen Kontakt etwa 30 Prozent ihrer Masse.

In der weiteren Entwicklung sind der Eso zufolge zwei Schicksale denkbar: Entweder die Sterne verschmelzen zu einer Riesensonne, die in einer der energiereichsten Explosionen im Universum enden könnte. Oder sie entgehen der Verschmelzung und explodieren einzeln in einer Supernova, wobei jeweils ein Schwarzes Loch zurückbliebe. Bei einer solch extrem hellen Explosion schleudern Sterne am Ende ihrer Lebenszeit ihre Hülle ins All; der Kern kann zu einem Schwarzen Loch zusammenstürzen. So könnte im Tarantelnebel ein außergewöhnlich enges Doppelsystem aus Schwarzen Löchern entstehen, das eine starke Quelle sogenannter Gravitationswellen wäre.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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