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Tiere wegen Vogelgrippe getötet H5N8 in deutschem Betrieb nachgewiesen

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In einigen Regionen Deutschlands besteht nun Stallpflicht für Geflügel.

(Foto: dpa)

In Deutschland grassiert wieder die Geflügelpest. Mittlerweile ist auch Hausgeflügel an H5N8 verendet. Die Behörden versuchen nun mit mehr Stallpflicht und Helfern an Gewässern Schlimmeres zu verhindern. Doch Experten glauben nicht, dass das reicht.

Erstmals während der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie ist ein deutscher Geflügelbetrieb von dem gefährlichen Erreger betroffen. Der Verdacht auf H5N8 in einem Putenhof in Lübeck-Ivendorf habe sich bestätigt, so Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck. Die etwa 100 Tiere des Privathalters wurden getötet und ein Sperrbezirk von drei Kilometern um den Hof eingerichtet.

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Diese Reiherente ist in Baden-Württemberg am H5N8-Virus verendet.

(Foto: dpa)

Ein Geflügelhof in Mecklenburg-Vorpommern könnte ebenfalls von der hochansteckenden Geflügelpest betroffen sein, das Ergebnis entsprechender Analysen stand zunächst noch aus. Bestätigt wurde ein erster H5N8-Fall in einem Geflügelbetrieb in Österreich. Die Behörden reagierten mit einer massiven Ausweitung der Stallpflicht-Zonen vor allem in der Nähe von Seen und Flüssen. Damit soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Auch bisher nicht von H5N8 betroffene Bundesländer wie Sachsen und Brandenburg ordneten an, dass Geflügel in bestimmten Regionen nur noch im Stall oder in anderen abgedeckten Gehegen gehalten werden darf. Für Sachsen-Anhalt ist dies in den nächsten Tagen geplant. "Die eingehenden Meldungen bestätigen die Sorge, die wir seit Beginn der Woche haben: Das Virus breitet sich aus", sagte Minister Habeck. Die Stallpflicht sei eine "absolut notwendige Vorsichtsmaßnahme".

ZDG fordert bundesweite Stallpflicht

Der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) forderte eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel. "Wir müssen schneller sein als sich das Virus ausbreitet", sagte ZDG-Vizepräsident Friedrich Otto Ripke. Die Stallpflicht dürfe allerdings nicht die heimische Produktion von Weihnachtsgänsen gefährden. Gänse werden zum Großteil im Freien gehalten. Im Stall würden sie oft aggressiv und verletzten einander, erklärte Ripke. Dann könne man die Tiere nicht mehr verkaufen. Daher müsse bei der Gänsezucht im Einzelfall geprüft werden, ob eine Stallpflicht nötig sei.

An der aggressiven Variante des Subtyps H5N8 verendete Wildvögel wurden bisher in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet, zuletzt am Donnerstag aus den Niederlanden. Betroffen waren im Norden von Amsterdam gefundene Wildvögel. Eine landesweite Stallpflicht und ein Transportverbot wurden verhängt.

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An Wildvögeln wurde das gefährliche Virus zuerst festgestellt.

(Foto: dpa)

Das österreichische Gesundheitsministerium teilte mit, ein Verdachtsfall bei einem Vorarlberger Betrieb am Bodensee habe sich bestätigt. In der Nähe des Freiland-Putenmastbetriebes waren zuvor tote Wildvögel mit H5N8 gefunden worden. Das sogenannte Aufstallungsgebot gilt auch für Hobbyhalter und besondere Anlagen wie das Winterquartier der Hamburger Alsterschwäne.

Der Geflügelwirtschaftsverband Mecklenburg-Vorpommern appellierte eindringlich an Geflügelhalter, angeordnete Maßnahmen zum Seuchenschutz penibel umzusetzen. Der Zugang zu den Höfen solle auf das "absolut notwendige Maß beschränkt" werden, sagte Geschäftsführerin Silvia Ey. Damit soll verhindert werden, dass das hochansteckende H5N8-Virus etwa über Kot an Schuhen eingeschleppt wird. Der wirtschaftliche Schaden bei einem Befall ist enorm. In vielen Bundesländern sind inzwischen vor allem an Seen und Flüssen verstärkt Helfer unterwegs, um gezielt tote, möglicherweise infizierte Wildvögel zu suchen und um Kotproben zu sammeln. Eine Sprecherin des Agrarministeriums in Baden-Württemberg sprach von einem "intensiven Monitoring".

Erster H5N8-Nachweis am 8. November

Förster und Jäger seien angewiesen, die Gewässer im ganzen Land nach toten Vögeln abzusuchen. Zudem mobilisierten die Landkreise Mitarbeiter von Bauhöfen und Feuerwehr. In Berlin riefen die Behörden die Bevölkerung dazu auf, kranke und tote Wild- und Wasservögel den Veterinärämtern zu melden. Der Erreger ist für Menschen ungefährlich, aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Verläuft die Vogelgrippe - wie im aktuellen Fall - besonders schwer, sprechen Experten auch von Geflügelpest. Infektionen von Menschen mit H5N8-Viren wurden laut Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bislang weltweit nicht nachgewiesen. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Zuletzt waren im Winter 2014 Fälle der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland aufgetreten. Damals waren vor allem Mastbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, aber auch in den Niederlanden betroffen. Als wahrscheinlichster Übertragungsweg wurden 2014 laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) die internationalen Handelsströme, insbesondere zu den Massentierhaltungsanlagen in Asien, identifiziert.

Quelle: n-tv.de, kpi/dpa

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